Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.08.2018


Innsbruck

Mikroben-Show im Alpenzoo

Ein Innsbrucker Mikrobiologe will einen Mikrobenzoo in der Weiherburg errichten. Der Alpenzoo stellt die Räumlichkeiten, Bakterien, Pilze und Algen gäbe es zu sehen.

In Amsterdam gibt es bereits ein Micropia.

© IllmerIn Amsterdam gibt es bereits ein Micropia.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Amsterdam hat einen, Innsbruck soll einen Mikrobenzoo bekommen. Schon seit Längerem bastelt der Innsbrucker Mikrobiologe Heribert Insam an seiner Idee zu MikrobAlpina, einem Zoo ohne Tiere, aber mit Mikro­organismen. „Bakterie­n haben so einen schlechten Ruf, dabei sind 99,9 Prozent davon unsere Freunde“, sagt Insam. Für sein Projekt hat er die halbe Universität und Tiroler Firmen ins Boot geholt. Sie alle arbeiten mit Mikroorganismen. „Im alpinen Bereich spielen Mikroben eine wichtige Rolle. Sie besiedeln Höhlen, färben Gletscher rot und sind UV- und kälteresistent.“

Heribert Insam leitet das Institut für Mikrobiologie an der Universität Innsbruck und hat das Konzept für MicrobAlpina erarbeitet.
Heribert Insam leitet das Institut für Mikrobiologie an der Universität Innsbruck und hat das Konzept für MicrobAlpina erarbeitet.
- LFU

Nebenbei sind die Mikroorganismen, zumindest einige davon, hübsch anzusehen. Durch ein Mikroskop, oder auch mit freiem Auge. Insam hat schon einige Installationen ausarbeiten lassen und Räumlichkeiten gebe es auch. Alpenzoo-Direktor Andr­é Stadler sieht in Mikrob­Alpina „eine Bereicherung für den Alpenzoo“. Man habe gerad­e mit der Stadt einen Pachtvertrag für die Innsbrucker Weiherburg ausgearbeitet. Die erste Etage mit rund 120 Quadratmetern ist laut Stadler für die Mikroorganismen reserviert. „Es ist ein gutes Konzept mit eigener Strahlkraft. Man könnte es sofort umsetzen.“

Allein dafür fehlen die Finanziers. Insam und Stadler sind zuversichtlich, dass sich Geldgeber finden werden. Die Stadt habe mit dem Hinweis auf leere Kassen bereits abgesagt. 400.000 bis 500.000 Euro, so schätzt der Mikrobiologe, dürfte die Umsetzung kosten. Teile sind schon vorbereitet, die Besucher sollen den Bakterien und Pilzen mit Stereolupen beim Wachsen zusehen können. In Schaukästen will Insam zeigen, wie Holz von Pilzen zersetzt wird, oder den Birkenporling vorstellen, der beim Eismann Ötzi gefunden wurde. „Es gibt auch fluoreszierende Pilze im Alpenraum.“

Zusammen mit dem Institut für Botanik, dem MCI und der Architektur plant Insam eine Algenshow. „Algen leben auch in alpinen Regionen. Das ist weniger bekannt. Je nach Art und Umweltbedingungen verfärben sich Mikro­algen von Grün über Gelb bis Rot.“ Auch, dass Gletscher leben und von einer Vielzahl von Organismen besiedelt sind, soll der Besucher von MikrobAlpina erfahren. „Wir wollen den Leuten zeigen, wie allgegenwärtig Mikroorganismen sind.“ Es brauche Mikroben für die Produktion von regionalen Spezialitäten wie Bier, Wein, Käse oder Joghurt. „Gams und Steinbock könnten ohne Bakterien und Pilze nicht verdauen.“

In Amsterdam sei der Mikroben­zoo ein Publikumsmagnet, sagt Insam. Auf der Reiseplattform Tripadvisor kassiert Micropia in Amsterdam tatsächlich 4,5 von 5 Punkten bei 1219 Bewertungen. Der Zoo wird als Nummer 25 von 619 Aktivitäten, die Amsterdam bereithält, geführt.

„Das wird auch in Innsbruck funktionieren und zum außerschulischen Lehr- und Lernort werden“, meinen der Mikrobiologe und der Alpenzoo-Direktor.


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