Letztes Update am Mi, 05.09.2018 13:15

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Wie die Feige auch hierzulande wächst

Ein Feigenbaum erinnert viele an sonnige Tage im Mittelmeerraum, dort, wo die Feigen üppig und zahlreich Schatten spenden sowie süße Früchte liefern. Wir holen den Baum nach Tirol und bringen ihn zum Wachsen – Klimawandel sei Dank!

© iStockBewährte Feigensorten für das hiesige Klima seien Brunswick, Brown Turkey, White Genoa, Ronde de Bordeaux oder die Martinsfeige.



Feigen mit Ziegenkäse, im Couscous oder als getrockneter Snack: Die süßen Früchte des Ficus-Baumes erinnern an das warme gemäßigte Klima des Mittelmeerraums und sind auch hierzulande sehr beliebt. In den letzten Jahren wurde viel darangesetzt, den Feigenbaum auch in einem nicht-mediterranen Klima gedeihen zu lassen. So sind sehr robuste und ertragsreiche Sorten für den mitteleuropäischen Raum entstanden, die auch schon vereinzelt als winterharte Sorten erhältlich sind.

Dabei ist das Züchten der Pflanze nichts Neues: „Feigen wurden schon vor 1000 Jahren in Mitteleuropa immer mal wieder kultiviert – besonders entlang der großen Flüsse, da dort im Winter ein milderes Klima als im übrigen Land vorherrschte“, sagt Chris­toph Seiler, Besitzer einer Feigenbaumschule nahe Heidelberg (Deutschland).

Ganz ohne Mikroklima – etwa in einem Innenhof, an einer Hauswand oder Mauer in Südlage – sei die Freilandkultur der Feige in Tirol allerdings nur bedingt zu empfehlen: „In exponierter Lage – also etwa auf dem freien Feld – funktioniert das nicht nachhaltig.“

Große Auswahl

Bewährte Feigensorten für das hiesige Klima seien Brunswick, Brown Turkey, White Genoa, Ronde de Bordeaux oder die Martinsfeige. Für kleine Gärten oder Kultur im Kübel nennt der Experte Doree oder Negronne als besonders geeignet. Gepflanzt wird nach dem Winter: „Mediterrane Gehölze – also auch Feigen – sollten bei uns immer im Frühjahr gepflanzt werden, damit sie vor den ersten Strapazen im Winter eine lange Vegetationsperiode zum Anwachsen hatten“, so Feigen-Liebhaber Seiler.

Wichtig sei beim Boden, dass er gut durchlässig ist. Staunässe im Winter sorge für Wurzelfäule und eine schlechte Frostresistenz. Um den Winter erfolgreich zu überstehen, sollte bereits während des Sommers auf übermäßige Stickstoffdüngung verzichtet werden. „Beerendünger oder spezielle Dünger für Obstgehölze, deren Kaliumgehalt sehr hoch ist, können im Frühjahr angewandt werden. Sie sorgen für ein kräftiges, ausgereiftes Holz, das für den Winter gerüstet ist“, empfiehlt Seiler.

Als Schutz gegen zweistellige Minustemperaturen helfen Schilfmatten oder Gartenvlies. Der Boden könne mit Kokosmatten oder einer Laub- bzw. Mulchschicht versehen werden. Das „Zünglein an der Waage“ sei jedoch, von Anfang an einen geeigneten Standort mit möglichst wenig Zugluft und maximaler Wärmesumme auszumachen.

Wer einen Feigenbaum aufmerksam beobachtet, wird entdecken, dass man eigentlich nie Blüten daran sieht. „Feigen sind an sich schon die Blüten, auch Syconium genannt. Die Bestäubung der sich im Inneren der Feige befindlichen Blütenstände ist einer der kompliziertesten Vorgänge in der Botanik“, so Seiler. Spezielle Feigengallwespen übernehmen bei den Wildformen der Fruchtfeige diese Aufgabe.

Aber keine Angst: Da diese Insekten in Mitteleuropa nicht vorkommen, werden hier parthenokarpe, also selbstfruchtbare Feigensorten, kultiviert. „Das erklärt auch, dass Feigenbaummitbringsel als Urlaubssouvenir aus Spanien, der Türkei oder Italien bei uns dann nie reife Früchte tragen“, erklärt Seiler.

Farbenfrohe Frucht

Die Früchte des Ficus schmecken nicht nur gut, sondern sind auch besonders gesund. „Der hohe Kaliumgehalt wirkt blutreinigend und ein besonderes Enzym (Ficin) hilft bei der Verdauung bzw. Aufspaltung von Eiweiß“, erklärt der „Feigen-Flüsterer“. Zudem gebe es Sorten, die pro Saison gleich zweimal für ein Ernteglück sorgen, im Frühsommer und im Herbst.

Das Aussehen der Früchte der Feigenbäume ist sehr verschieden. Es gibt gelbe, rote, grüne, braune, violette und zweifarbig gestreifte Feigen. Die Farbe der Frucht lässt jedoch nicht auf den Geschmack schließen: „Das ist wohl ein anerzogener Trugschluss, dass ‚grün‘ noch unreif grasig schmecken und ‚violett‘ zuckersüß sein muss“, erklärt Seiler.

Es gebe aber grüne Feigen, deren Name (Sucre Vert = grüner Zucker) Rückschlüsse auf den guten Geschmack zulasse. Andere dunkel gefärbte Sorten könnten im Vergleich wässrig und langweilig schmecken. Nach Süden und Meer schmecken sie aber wohl alle.

Buch-Tipp

In diesem Buch informiert Christoph Seiler über Geschichte, Botanik, Pflanzung und Pflege der Feige. Vorgestellt werden 30 winterharte Sorten mit detaillierten Beschreibungen. Abgerundet wird alles mit köstlichen Rezepten. „Feigen aus dem eigenen Garten“ (128 Seiten, 2016, Verlag Eugen Ulmer, Preis: 15,40 Euro)


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