Letztes Update am Mo, 10.09.2018 05:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Ein Apfel für jeden Geschmack

Süße und saure, kleine und große, Tafeläpfel und Äpfel zum Kochen: In Tirol wachsen mehr als 400 Apfelsorten, doch in der Erntezeit sieht man heuer sehr viel Rot.

© Grünes TirolDer echte Nordtiroler: „Falchs Gulderling“ heißt die einzig bekannte in Nordtirol entstandene Apfelsorte. Entdeckt wurde der Apfel Ende 1920 im Unterland. Ursprünglich erhielt er deshalb den Namen „Tratzberger“.



Von Theresa Mair

Wäre Tirol der Garten Eden, dann müsste die Versuchung Evas heuer besonders groß sein. Der warme Frühling und der trockene Sommer bescheren den Apfelbaumbesitzern reiche Ernte. „Eigentlich wäre das warme Frühjahr ideal für den Feuerbrand gewesen. Aber der Niederschlag hat gefehlt. Deswegen sind wir heuer gut drübergekommen. Es gibt wenige Pilze und kaum Schädlinge wie die Kirschessigfliege, die uns in den vergangenen Jahren zu schaffen gemacht hat“, sagt Manfred Putz, Geschäftsführer der Tiroler Obst- und Gartenbauvereine.

So kommt es, dass heuer vor allem entlang der Inntalfurche von Prutz bis Breitenbach und auch in Osttirol saftige Äpfel schwer von den Ästen hängen. Rund 35 Tonnen pro Hektar werden auf den rund 100 Hektar Erwerbsanbaufläche in Tirol geerntet, schildert Klemens Böck, Berater der Erwerbsobstbauern bei der Landwirtschaftskammer Tirol. Viele dieser Früchte leuchten in sattem Rot.

Ja, auch der Apfel unterliegt der Mode, und die gibt aktuell eine rote Haut vor. „Gelbe Äpfel, wie der Golden Delicious, sind rückläufig. Gala gibt es inzwischen auch schon komplett in Rot“, sagt Putz. Und auch vom Topaz gebe es einen Roten. Der Modeapfel treffe aufgrund des Verhältnisses von Süße und Säure den Geschmack der Tiroler ohnehin sehr gut. „Topas eignet sich gut für den Bio-Anbau“, so Böck.

Dem Modediktat entkommen die alten Sorten, derer es in Tirols Streuobstgärten noch reichlich gibt. Das Manko dieser Apfelsorten sei zwar ihre geringe Druckfestigkeit, Lager- und Transportfähigkeit. Dafür seien sie geschmacklich interessant und weniger allergen als neue Zuchten. „In einem gemeinsamen Projekt mit Südtirol wurden von 2002 bis 2008 alle vom Aussterben bedrohten Sorten gesammelt. Insgesamt gibt es in Nordtirol noch mehr als 400 alte und neue Sorten. Das ist ein reicher Fundus“, sagt Putz. Im Vergleich dazu gebe es in Südtirol nur noch rund 120 Sorten, weltweit 20.000. Bei der Zählung seien aber auch unbestimmte Sämlinge zutage getreten, Sorten, die wild aufgegangen sind und nicht beschrieben werden konnten.

Die Beschreibung und Zuordnung der Äpfel zu ihrem Stammbaum ist Pomologen vorbehalten. 20, darunter auch Vorarlberger und Salzburger, hat die Landwirtschaftskammer Tirol zuletzt ausgebildet. Dabei ist die Lehre von der Obstbaumkunde eine Wissenschaft für sich. Von der Form des Kerns über Dicke und Länge des Stiels bis hin zur Grund- und Deckfarbe müssen alle Merkmale genau passen.

Und der Geschmack? Der ist, je nach Anbaugebiet, verschieden, und das liegt nicht am Boden, der immer humös und durchlässig sein soll. „Ein Golden Delicious schmeckt im Vinschgau anders als im Bozner Unterland und in Nordtirol. Das Klima ist entscheidend“, schildert Putz. Der Geschmacksunterschied ist, im wahrsten Sinne des Wortes, so groß wie Tag und Nacht. Weil die Temperatur zwischen Tag und Nacht in Nordtirol sehr schwankt, ist die Relation von Süße und Säure sehr ausgewogen.

Der Kleinste: Der Rote von Simonffi ist ungarischer Abstammung und einer der kleinsten Äpfeln. Hierzulande wird der Tafelapfel auf den Bauernchristbaum gehängt, was ihm den Namen „Christbaumapfel“ eingebracht hat. Auch als „Jagdapfel" ist er bekannt.
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Der Autofahrerapfel: Als „Autofahrerapfel“ bezeichnet Experte Manfred Putz die Sorte Kronprinz Rudolf. Aufgrund seiner Säure wirke der Apfel genauso erfrischend wie ein Espresso. Er ist gelb mit roter Backe und wurde 1870 dem Prinzen gewidmet.
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Der Süßeste: Am häufigsten in den Geschäften anzutreffen ist der Gala-Apfel. Er ist in allen möglichen Farbvarianten erhältlich und mitunter der süßeste Apfel, den man bekommen kann. Gala ist eine anfällige Sorte und für die Obstbauern aufwändig.
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Der Größte: So groß wie ein Kindskopf und der Gigant in den heimischen Obstgärten ist der Peasgoods Sondergleichen. Er wird bis zu 80 Millimeter hoch und 105 Millimeter breit. Er ist ein Winterapfel, der v. a. zum Pressen verwendet wird.
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