Letztes Update am Mi, 24.10.2018 12:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Körperschmuck

Tattoo und Piercing: Coole Croupiers und getadelte Lehrlinge

Auf dem Fußballplatz und auf der Straße: Tattoos, Piercings und Männer mit langem Schopf und dichtem Bart sind allgegenwärtig. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz von Körperschmuck im Berufsalltag aus?

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Von Theresa Mair

Schwarzer Anzug, Fliege, akkurate Frisur und unter den hochgekrempelten weißen Hemdsärmeln des Mitarbeiters lugt ein großflächiges Tattoo hervor. „In der Partyzone schaut das doch cool aus“, findet Carina Mauthner. Worte, die man von der Marketingleiterin des Casinos in Innsbruck so nicht erwartet hätte. „Wir verwehren uns nicht dem Trend der Zeit. Tattoos sind stylisch und in“, sagt Mauthner.

Dennoch gebe das Casino Richtlinien vor, wie die Frisur und die Kleidung der Mitarbeiter zu sein haben. Eine Styling-Fibel mit Schmink- und Frisiertipps liegt auf. Das Gesicht soll nicht verdeckt sein. „Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und wir bitten ja auch unsere Gäste, sich so zu kleiden, wie man eben am Abend schön ausgeht. Das Gesamtbild muss passen. Ich gehe aber nicht die Haarlänge nachmessen. Früher, vor 15, 20 Jahren, war das alles noch engmaschiger“, räumt Mauthner ein. Die Frage nach der Angemessenheit von Tattoos und Piercings habe sich aber gar nicht gestellt. Das gab es schlicht nicht.

Doch auch heute sei dies kaum ein Thema. „Gegen einen gepflegten Bart oder längeres Haar gibt es nichts einzuwenden, auch nicht gegen ein goldenes Steckerl im Nasenflügel. In dem schwarzen Anzug oder dem Kostüm schauen unsere Mitarbeiter gerne adrett und fesch und dazupassend aus.“ Ein vollgepierctes Gesicht würde aber sicher nicht toleriert.

Tattoo ja – Piercing nein

Szenenwechsel. Die Betreiber des Tattoo- und Piercingstudios Woodpecker in Innsbruck haben ebenfalls einen Wandel bei der Akzeptanz von Tattoo und Piercing im Berufsleben beobachtet. „Die Einstellung, dass Tattoos Probleme bei der Arbeitssuche bringen können, ist von vorgestern. Ich mache das jetzt seit 15 Jahren und Chirurgen, Bankangestellte und Piloten kommen zu mir, um sich tätowieren zu lassen“, sagt Tätowierer Manuel „Woodpecker“.

Früher habe man sich nicht so viel getraut, aber heute „schaut dich niemand mehr schief an“.

Bei Piercings nimmt Woodpecker-Piercer Iwan Bogovic wieder häufiger wahr, dass sich junge Leute im Gesicht stechen lassen, aber „zwei, drei Wochen später kommen sie wieder und lassen sich alles wieder herausnehmen oder möchten einen anderen Schmuck. Immer öfter höre ich, dass die Schule oder der Arbeitgeber das verlangt“, sagt Bogovic. Ein Nasensteckerl würde gerade noch gehen, aber kein Ring, Lippen- und Augenbrauenpiercings schon gar nicht.

„Gerade bei Kochlehrlingen und bei Schülern, die Kochunterricht haben, sind Piercings oft nicht erlaubt, aus Hygienegründen.“ Ein Argument, das Bogovic „eigentlich nicht nachvollziehen“ kann. Der Körperschmuck falle ja nicht ins Essen. Gleichzeitig zeige der Trend zu Piercings ungebrochen nach oben. „Ich habe es selbst nicht geglaubt, aber seit sieben Jahren machen wir immer mehr“, sagt der Tätowierter. Und das, obwohl Tattoos – solang sie nicht an den Hals oder ins Gesicht ragen – längst akzeptierter als die Klunker scheinen.

„Die Erfahrung zeigt, dass in bestimmten Berufen – mit viel Kundenkontakt etwa oder bei einem erhöhten Sicherheitsrisiko – die Arbeitssuche dann doch erschwert ist“, sagt AMS-Landesgeschäftsführer Anton Kern. Hat man aber erst einen Job, darf man wegen eines Piercings oder Tattoos nicht gekündigt werden. „Den gesetzlichen Bestimmungen in Österreich entsprechend, darf Körperschmuck jeder Art getragen werden.“ Man müsse aber bedenken, dass Angestellte das Unternehmen repräsentieren und dieses dafür Regeln aufstellen darf. Auch wenn Ketten und Ringe ein Sicherheits- oder Hygienerisiko darstellen, wie in Metzgereien, Sägewerken oder in der Pflege, kann das Tragen des Schmucks verboten sein. Bei auffälligem oder zum Berufswunsch unpassenden Körperschmuck werde dies von den AMS-Beratern angesprochen.

Das Erscheinungsbild macht eben auch heute noch Leute. Wer wüsste das besser als eine Stil- und Farbberaterin wie die Innsbrucker Designerin Susanne Priester? „Prinzipiell muss man sagen, dass Leute mit Tunnels und Plugs in den Ohren das machen, um zu polarisieren, um zu provozieren und um ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu zeigen“, sagt sie.

Coolness braucht Weile

Als Junger sollte man sich die Frage stellen, ob man seinen Körperschmuck kurzfristig herausnehmen oder verdecken könne und „ob Provokation in einem seriösen Beruf die richtige Vorgehensweise ist“. In einem Kreativberuf könne dies gern gesehen sein, in einem seriösen Beruf aber problematisch. Jeder habe Vorstellungen von einem Anwalt oder einem Banker, die man erfüllt haben wolle. Und bis die Vorstellung coole lange Männerhaare, Tattoos und Piercings mit einschließt, könnten noch zwei, drei Generationen vergehen.




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