Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Osttirol

Zum Martinsfest hoch zu Ross

Seit 36 Jahren begleitet Familie Unterluggauer aus Lienz die Martinsumzüge mit ihren Pferden. Auch heute sind sie bei den Feiern in den drei Stadtpfarren dabei und geben einen Eindruck von der Martinsgeschichte.

© UnterluggauerMargit Unterluggauer auf der Stute Bianca im Jahr 1982.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Es war 1982, als das erste Mal ein Pferd der Familie Unterluggauer den Martinsumzug in der Pfarre St. Andrä begleitete. Ludwig Unterluggauer, der heuer seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, kann sich lebhaft daran erinnern: „Unser erstes eigenes Fohlen war das damals, Bianca. Im Sattel saß meine Tochter Margit.“ Bis heute tragen die Damen in der Familie zu den Umzügen, die sie hoch zu Ross begleiten, schwere rote Mäntel – wie laut Darstellungen einst der heilige Martin einen getragen und geteilt haben soll.

Der historische Martin von Tours lebte von 316/17 bis 397 und war der dritte Bischof von Tours in Frankreich. Mit 15 Jahren wurde der Sohn eines römischen Offiziers selbst zum Heeresdienst eingezogen. 25 Jahre lang diente er mehr oder weniger freiwillig, erst mit 40 Jahren wurde sein Wunsch nach Entlassung aus dem Militär erfüllt.

Martin war als Reiter in Amiens stationiert, als er an einem Tag im Winter vor dem Stadttor einem armen unbekleideten Mann begegnet sein soll. Mit dem Schwert habe er seinen Mantel geteilt und eine Hälfte dem Bettler gegeben. Im Traum sei ihm dann Christus mit dem halben Mantel erschienen.

Nach dem Ende des Heeresdienstes entschied sich Martin für ein christliches Leben, gründete eine Abtei und ein Kloster, wurde Bischof und errichtete Pfarreien zur Christianisierung.

Angelika Gander (stehend) mit ihrer Nichte Christina Moser.
- Unterluggauer
Bettina Gander im Vorjahr nach dem Zug in die Innenstadt.
- Unterluggauer

„In den ersten Jahren haben wir die Teilung des Mantels noch spielerisch dargestellt“, berichtet Angelika Gander, eine weitere Tochter von Ludwig. Die Kinder seien stets beeindruckt gewesen von der Erscheinung des Heiligen auf einem Pferd und dem Spiel. „Heute spielen wir nicht mehr. Unsere Kinder sitzen noch im Sattel, und wer weiß, vielleicht in einigen Jahren auch deren Nachwuchs. Die Oma und den Opa würde das jedenfalls sehr freuen“, sagt Angelika Gander. „Mein Gott, wie die Zeit vergeht.“

Heute Abend finden in allen drei Stadtpfarren Martinsfeiern statt. Um 16.45 Uhr beginnt St. Andrä, wo die Kinder mit ihren Laternen zweimal um die Kirche ziehen. Das Martinspferd wird gut sichtbar etwas abseits stehen. Es folgt ein Martinsspiel der Kinder in der Kirche. Das Fest klingt dann um ein Feuer am Vorplatz aus.

Dieselbe berittene Martinsgestalt wird dann schon im Schulhof des Klösterle erwartet. Um 17.30 treffen sich dort die Kinder aus St. Marien. Mit dem berühmten Reiter voran zieht ein Laternenzug von dort über den Iselkai bis zum Franziskanerkloster, wo ebenfalls eine Martinsfeier stattfindet.

Eine andere Reiterin der Familie Unterluggauer begleitet auch die Kindergartenkinder der Pfarre zur Heiligen Familie. Um 17 Uhr treffen sich die Jüngsten am Kirchplatz zu einer Martinsfeier. Nach einem Laternenumzug findet eine Agape statt.

„Wir haben 36 Jahre lang die Umzüge in der Stadt begleitet und führen diese Tradition gerne fort“, meint Angelika Gander. Begonnen hat alles in St. Andrä, nur wenig später kam die Heilige Familie dazu. Das Kloster folgte erst nach einiger Zeit. Es waren auch schon einmal drei Darsteller unterwegs.

Die Aufnahme aus dem Jahr 1997 zeugt von dem darstellenden Spiel der Reiterin Barbara Gander mit einem Bettler und dem geteilten Mantel.
- Unterluggauer



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