Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Tirol

„Mister Adonis“: Zuerst der Waschbrettbauch, dann auf die Titelseite

Marcel Schmid wollte nur ein paar Kilo abnehmen. Jetzt wurde der Imster bei einem Fitnessmodel-Bewerb zum „Mister Adonis“ gekürt.

© Fitness NewsMit diszipliniertem Training und selbstgekochtem Essen hat sich Marcel Schmid den Mr.-Adonis-Titel (u. Mitte) hart erarbeitet.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Draußen pfeift der warme Föhn ums Haus, drinnen ist man froh um den dicken Pulli – als Untrainierte, versteht sich. Die neugierigen Blicke der schwitzenden, kurzbehosten Muskelmänner in der heruntergekühlten Kraftkammer des Fitnessstudios gelten dennoch nicht der Frau im Winter-Outfit. Alle schauen auf den Mann mit der Cornetto-Figur, der gerade Klimmzüge macht. Zugegeben, es sind Typen darunter, die größere Muskelpakete haben als Marcel Schmid. Dennoch darf sich nur der Imster „Mister Adonis“ des Jahres 2018 nennen.

Bei dem internationalen Fitnessmodel-Wettbewerb, den der 32-Jährige Ende September in Salzburg für sich entschied, kommt es auf das Gesamtbild an. „Es zählen die Linie, die Symmetrie, die Posen in Anzug und Badehose und die Ausstrahlung. Es geht darum, auf natürliche Weise mit einem gesunden Lebensstil gut auszuschauen“, schildert Schmid, wie er sich gegen sieben Konkurrenten durchsetzte. Die Teilnehmer seien vorab vom Veranstalter, dem Magazin Fitness News, ausgewählt worden.

Hinter diesem Körper steckt harte Arbeit.
- Thomas Boehm / TT

Schmid war ein Fixstarter, hatte er sich doch zuvor schon einen Namen gemacht. „Mein erster Contest als Fitnessmodel war 2016 für Men’s Health, die größte Fitnesszeitung Europas. Da bin ich unter die ersten 20 gekommen von über 200 Teilnehmern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.“ Bei der Meisterschaft im Frühjahr 2017 holte er sich den Titel „Fitnessmodel International ÖSCV“ und qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaft. Im Herbst 2017 wurde er dann von Fitness News zum Fitnesssportler des Jahres gekürt, erzählt er, wie alles begann.

Um es genau zu sagen, entdeckte er seine Leidenschaft für den Fitness-Sport bereits als Lehrbub. Als Kochlehrling in einem großen Hotel im Kaunertal erlaubten es ihm die Arbeitszeiten nicht mehr, zum Fußballtraining zu gehen. „Ich war aber übergewichtig und wollte abnehmen“, sagt Schmid. Er zeigt ein Foto von seinem nackten Oberkörper: 95 Kilo wog er damals bei 184 Zentimetern Größe.

Seine Motivation: „Ich wollte einfach einmal einen Sixpack haben.“ Den Waschbrettbauch hat er jetzt und einige Kilo weniger auf den Rippen. Das Training im Fitnessstudio sei für ihn ideal. Dort kann er sich unabhängig von Witterung und Zeitplänen abrackern. Und er hatte Glück, dass er damals im Hotel seinen Trainer Wolfgang Aigner kennen lernte, einen alten Bekannten von Arnold Schwarzenegger, der ihn unter die Fittiche nahm. Noch heute betreut er den 32-Jährigen väterlich und begleitet ihn wie auch seine Freundin Barbara zu allen Wettkämpfen.

Doch zurück zu den WM-Ambitionen: Schmid verletzte sich bei einem Motorradsturz die Schulter und konnte nicht daran teilnehmen. Den Kopf steckte er deswegen aber nicht in den Sand. In der Zeit seiner Genesung absolvierte er die Ausbildung zum Gesundheits-Personaltrainer.

Das Geschäft mit der auf Hochglanz geölten Schönheit scheint er überhaupt locker zu nehmen, als positiven Nebeneffekt seiner Sportlichkeit. Hauptberuflich zu modeln kann sich Schmid, der Gebietsverkaufsleiter bei einem Fruchtsaft-Erzeuger ist, nicht vorstellen. „Ich möchte bis ins hohe Alter fit bleiben, das schon“, bekräftigt er aber.

Dafür treibt Schmid, der gerade nach Wien zu seiner Freundin übersiedelt, jedoch beträchtlichen Aufwand. Aufwand, für den er auch von Außenstehenden belächelt wird. „Neid spielt da sicher eine Rolle“, versucht er Skeptiker nicht ernst zu nehmen. Er hat sich sogar einem Dopingtest unterzogen. „Bei den Fitness-Bewerben wird der nicht gefordert, aber mir ist es wichtig zu zeigen, dass ich den Sport gesund und ohne Hilfe von Doping betreibe.“ Nicht nur das. Vor Wettkämpfen trainiert er täglich zweimal. Bis spät in die Nacht kocht er sich fünf gesunde Mahlzeiten vor. Doch als Mister Adonis gönnt er sich jetzt auch einmal eine Pizza.