Letztes Update am So, 11.11.2018 07:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


11. November

Faschingsbeginn: Ab heute sind die Narren los

Laut Kalender beginnt am 11.11. um 11.11 Uhr die Faschingszeit. Trotzdem findet man von jetzt bis nach Weihnachten weit und breit keine Narren, Prinzen oder Clowns. Von Confetti ganz zu schweigen! Was hat das heutige Datum also mit Fasching zu tun?

© iStock



Von Evelin Stark

Clownnasen raus aus dem Kostümkoffer, Prinzenpaare rein in den Confettiregen und Narren auf die Straßen: Heute, am 11.11. um 11.11 Uhr, wird Faschingsbeginn gefeiert. Wo aber sind die bunten Partys? Und was hat es überhaupt mit der Zahl Elf auf sich?

Am 11. November werden nach alter Tradition die Narren „geweckt“. Die schlechte Nachricht: Es beginnt an diesem Tag aber gar nicht der Fasching – auch Karneval, Fasnacht, Fastnacht, Fasnet, Fastelovend oder die „fünfte Jahreszeit“ genannt –, sondern die Narren bereiten sich erst auf die närrische Zeit vor. „Früher war der Brauch so, dass der Obernarr am 11. November den Schlüssel zu seiner Stadt überreicht bekam und von da an die Regierung übernahm“, sagt Thomas Nussbaumer. Der Musikethnologe hat sich bereits 2010 in seinem Buch „Fasnacht in Nordtirol und Südtirol – Von Schellern, Mullern, Wudelen, Wampelern und ihren Artgenossen“ (Löwenzahn Verlag, 14,95 Euro) mit den Eigenheiten des Faschings beschäftigt.

Und tatsächlich: Die Elf gilt als die Närrische unter den Zahlen. Das hat vor allem mit ihrer Stellung zwischen zwei übermächtigen Symbolen in der biblischen Zahlenmystik zu tun. „Die Elf ist seit der Antike eine Narrenzahl. Auch im Mittelalter wurde sie als etwas Besonderes gesehen. Schließlich ist sie um eins größer als die zehn Gebote und um eins kleiner als die zwölf Apostel“, erklärt der Experte.

Unvollkommene Zahl

Die Zwölf werde außerdem als ein Symbol für Neubeginn gesehen – wie das Jahr, das nach zwölf Monaten endet und dann wieder von vorne beginnt. „Die Elf gilt deshalb als unvollkommene Zahl, die keinen Zweck erfüllt.“ Außer die Narren zu wecken!

Die Zahl Elf wird von der Kirche übrigens nicht nur als unvollkommen, sondern auch als Allegorie der Sünde gedeutet, da sie die zehn Gebote überschreitet. Und der Narr gilt in dem nach seinem Willen gewählten Verhalten als Übertreter des Gesetzes außerhalb der religiösen Vorschriften und Normen. Deshalb wurde ihm die Elf beigegeben.

„Der Fasching stellt für die katholische Kirche eine Gegenwelt dar, fast wie eine Teufelswelt“, so Nussbaumer. Das entspreche auch der Idee einer zweigeteilten Gesellschaft von Augustinus. Darstellungen auf Gemälden alter Meister zeigen außerdem den Narren oft in Verbindung mit der Zahl Elf. Die Faschingsgesellschaften haben diese Überlieferungen aufgegriffen und die Elf zur Glückszahl der Narren erklärt.

Fasching und Fasten

Wo wir schon bei der Kirche sind, lohnt sich ein Blick auf die Wörter „Fasching“ bzw. „Fasnacht“. Beide haben ihre etymologischen Wurzeln beim Fasten. „Die Fasnacht wird hauptsächlich in katholischen Ländern gefeiert, weil sie mit der Fastenzeit zusammenhängt“, weiß Nussbaumer.

Ebenso wie vor Ostern hat die alte Kirchenordnung nämlich dem Fest Dreikönig eine 40-tägige Fastenzeit – allerdings unter Auslassung der jeweiligen Samstage und Sonntage – vorangestellt, die mit dem 12. November begann. Der Vortag dieses Fastenbeginns ist das Fest des Heiligen Martin von Tours am 11. November. Erntefeste, Schlachtfeste und üppige Gelage beim Gesindewechsel und bei der Ablieferung der Abgaben an Gutsherren und Klös­ter ähnelten den Fastnachts-Festen, wodurch man diesen Tag auch die „kleine Fastnacht“ nannte.

Die Faschingsgesellschaften nutzten diesen letzten Termin vor dem Adventfasten zum Beginn der Faschingsvorbereitungen. An diesem Tag fanden – oft um 11.11 Uhr – Gründungsversammlungen neuer Vereine und Generalsversammlungen bestehender Faschingsgesellschaften statt. Der Elferrat wurde neu besetzt und Faschingsprinzen gekrönt.

Ob heute um 11.11 Uhr auch Prinzen gekrönt und Feste geplant werden, erfahren wir wohl erst zum richtigen Faschingsbeginn im Jänner. Kostümkoffer, Confetti und Co. müssen sich jedenfalls noch ein bisschen gedulden.