Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Freizeit

Junger Poet mit altem Gerät

Emil Kaschka aus Pfaffenhofen wurde mit nur 22 Jahren zu Österreichs drittbestem Poetry-Slammer. Er schätzt Schreibmaschinen, tiefgehende Texte und will immer gewinnen.

© Vanessa RachleViele seiner Texte schreibt Emil Kaschka an seiner alten Schreibmaschine.



Von Philipp Schwartze

Pfaffenhofen – Die Tasten klacken bei jedem Anschlag, mit einem „Ratsch“ wird der Schreibmaschinen-Wagen für die nächste Zeile bewegt. Bei Emil Kaschka, seit der heurigen österreichischen Meisterschaft drittbester Poetry-Slammer des Landes, hört man diese Geräusche im elterlichen Hause in Pfaffenhofen oft. Seit eineinhalb Jahren verfasst er Texte, um sie vor Publikum vorzutragen, seit einem Jahr tritt er regelmäßig als Poetry-Slammer auf.

Die alte Schreibmaschine war ein Geschenk. „Zum Glück hab’ ich nur kein X und für das fehlende I nehme ich die 1“, sagt der 22-jährige Germanistik- und Geschichtsstudent. „Auf der Schreibmaschine verfasse ich meist die zweite Version eines Textes. Das ist zwar langsamer als mit Laptop oder Stift, aber man kommt oft noch auf Sachen drauf.“

Kaschka schreibt schon lange mit großer Begeisterung. „In der Schule haben die Lehrer gesagt, jetzt schreib nur noch einen Aufsatz pro Tag. Und mach auch mal Mathematik oder Englisch“, erinnert er sich. Jetzt bringt er seine Poesie auf die Bühne. „Am Anfang war das zach, da war ich beim ersten Mal verdammt nervös. Das war so eine ‚Traust dich oder traust dich nicht‘-Situation.“ Seine Texte sollten endlich Publikum erreichen und nicht ungehört in einer Schublade verschwinden.

„Ich mache das für das Gefühl, wenn der ganze Raum an deinen Lippen hängt. Und für die Leute, die danach kommen und sagen, sie haben sich an manchen Stellen wiedergefunden. Das ist unbezahlbar. “

Sein erster Text kam gut an, obwohl er sich – ohne Bühnenerfahrung – erst an das Publikum gewöhnen musste. „Inzwischen taugt’s mir aber.“ Seine Texte trägt er inzwischen ohne Notizzettel vor. „Ich habe gemerkt, dass es ein Qualitätsunterschied ist. Das kommt auch besser an.“ So hat er die Hände für Gestik frei, die er daheim vor dem Spiegel übt.

Seine Texte drehen sich um unterschiedliche Dinge – mal leiht er einem Rollstuhlfahrer seine Stimme, mal ist eine Busfahrt das Thema. „Alle haben ein bissl was Gesellschaftskritisches. Meine Texte sind weniger humorvoll als die von anderen, sie gehen dafür tiefer.“ Ein Beispiel: „Du gehst auf zwei Füßen, ich auf vier Rädern. Du kannst nicht fliegen, aber bist frei wie ein Vogel. Du kannst allein sein, aber willst es nicht. Ich will allein sein, aber kann es nicht.“

Sein eigenes Ding machen. Das war schon immer Kaschkas Plan. Seine Vorbilder sieht er eher in der gegenwärtigen Literaturszene als in der Poetry-Szene, etwa bei Arno Geiger oder Thomas Glavinic. „Ich habe mir vor meinem ersten Auftritt zwei Poetry-Slam-Wettbewerbe und Videos im Internet angeschaut. Aber absichtlich nicht zu viel, denn das beeinflusst einen sonst.“

Bei seinen Auftritten spricht er auch viel mit seinen Händen.
- Öhler

Dass es in Deutschland eine professionellere Poetry-Slammer-Szene gibt, bekam Kaschka zu spüren: Während er Ende Oktober noch als durchaus überraschender Dritter von der österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaft aus Klagenfurt wiederkam, wurde die deutschsprachige Meisterschaft in Zürich vor zwei Wochen zur Enttäuschung: „Da bin ich in der Vorrunde rausgeflogen. Das hat mich schon sehr geärgert. Viele sagen, es gehe nicht ums Gewinnen. Es sei Kunst und man könne die Texte nicht vergleichen. Aber ich habe schon Ehrgeiz.“

Sein Talent bleibt seinem Umfeld nicht verborgen. Inzwischen schreibt Kaschka fast immer die Geburtstagskarten, etwa für seinen Opa. Freunde wünschen sich Themen. „Aber das muss von einem selbst kommen“, meint er. Geändert hat sich durch sein Hobby einiges. „Früher hieß es oft nur: ,Emil hockt in seinem Zimmer und schreibt‘, aber jetzt merken alle, dass das angesehen ist.“ Nur Stubenhocken kommt aber ohnehin nicht in Frage. Viermal pro Woche spielt er zum Ausgleich Fußball. „Man muss für Ideen rausgehen.“

Mehr als ein Dutzend bühnenreife Texte hat er derzeit, und einige Ideen im Notizbuch, das immer unter seinem Bett liegt. „Vor dem Einschlafen fällt mir das Meiste ein. Das schreibe ich gleich auf.“

Für einen Text braucht er mal drei Stunden, mal drei Wochen. Den darf vor der Erstaufführung aber niemand sehen. „Ich hätte dann Angst, wenn der den Text nicht gut findet, diesen auf der Bühne zu bringen. Mein Ritual ist es, die Texte zuerst beim Bäckerei-Poetry-Slam in Innsbruck vorzustellen. Wenn sie da gut ankommen, kommen sie überall gut an“, erklärt der 22-Jährige, der das Schreiben zu seinem Beruf machen will – am liebsten als Journalist.

Im heurigen Sommer hat er auch ein Romanskript geschrieben. Künftig will er nicht nur kurze Texte, sondern auch lange Geschichten in die Tasten seiner Schreibmaschine klopfen.

Information: Am 30.11., 20 Uhr, tritt Emil Kaschka in der Bäckerei Innsbruck auf.