Letztes Update am Do, 22.11.2018 20:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Er gibt dem Krampus ein Gesicht: „Eine Maske muss leben“

In vierter Generation schnitzt der Osttiroler Matthias Karré Masken. Für seinen Traumjob Bildhauer pendelt er bis ins Außerfern.

© Rudy De MoorMatthias Karre und sein
 neuestes Werk: 
Der 21-Jährige schnitzt "Lorvn", wie Krampusmasken im Dialekt heißen.



Er lacht und strahlt, aber gegen die ausdrucksstarke Fratze neben ihm haben seine milden, jungen Gesichtszüge keine Chance: Matthias Karré, Schüler an der Kunsthandwerksschule Elbigenalp, hat gerade ein weiteres Werkstück in Arbeit, eine Maske für das Osttiroler Klaubauflaufen, wie das Krampuslaufen in seinem Heimatort Matrei heißt. „Zu dieser Jahreszeit gibt es besonders viel zu tun“, erzählt der 21-Jährige.

Jedes Wochenende pendelt der Metalltechniker, der sich einmal als Bildhauer selbstständig machen will, 300 Kilometer von Osttirol nach Elbigenalp im Außerfern. Seine Masken reisen dabei oft mit. „Die hier hat inzwischen schon einige Kilometer hinter sich, weil ich sie hier angefangen, daheim in Osttirol weitergearbeitet habe und sie hier jetzt fertig bemale.“

Alles aus einer Hand

Von der Zeichnung der Fratze über ein erstes Modell bis zum Schnitzen, Auspolstern und finalem Bemalen und Hinzufügen von Fell dauert es ein bis zwei Wochen. Alles macht Karré selbst.

„Meine Freizeit besteht zurzeit hauptsächlich daraus“, lacht er. „Zeichnen geht ganz o. k., Schnitzen geht gut, und beim Malen kann ich noch einiges lernen“, gibt er sich bescheiden.

Die Masken nach Osttiroler Tradition besitzen meist keine Hörner und zeigen oft tierische Fratzen.
- Rudy De Moor

Denn er hat große Vorbilder: Das Maskenschnitzen – im Dialekt heißen die Kunstwerke „Lorvn“­ – wurde dem 21-Jährigen in die Wiege gelegt. „Mein Ur-Opa, meine Großonkel und mein Opa haben alle geschnitzt“, erzählt er und kramt ein Buch hervor, das die Maskensammlung der Familie zeigt. Hier holt er sich Inspiration. „Manchmal erkenne ich aber auch in Dingen wie Bäumen oder Wänden Gesichter“, sagt er.

30 Masken – auch von anderen Schnitzern – umfasst seine Sammlung daheim. Beim Klaub­auflaufen mit seinen Freunden geht schon einmal das ein oder andere zu Bruch und muss kurzfristig repariert werden. „Die Nasen brechen manchmal ab, oder auch heraushängende Zungen.“

Nur zum An-die-Wand-Hängen seien die Kunstwerke aber auf keinen Fall gedacht. „Eine Maske muss leben. Da gehören Macken dazu“, findet der junge Künstler, der bei seinen neuen „Lorvn“ immer hofft, sie mögen passen.

Als krönender Abschluss wird die Maske am Ende noch bemalt. Auch das macht Matthias Karre selbst.
- Foto TT / Rudy De Moor

Hässliche Fratzen als Ideal

Mut zur Hässlichkeit könnte das Motto in dieser Kunst lauten. „Mir gefallen die zu menschlichen Gesichter nicht so. Oft mischen sich bei mir tierische Züge, wie etwa Schimpansenhaftes, in die Gesichtszüge. Und manchmal erkennt man auch prominente Menschen darin.“ Wie zur Bestätigung ist in den gesammelten Werken seiner Familie ein fratzenhafter Thomas Gottschalk zu erkennen.

Leben kann der 21-Jährige von seiner Kunst allerdings noch nicht. 400 bis 500 Euro kosten seine güns­tigsten Masken und durch Sammler ist die Nachfrage recht hoch. „Die von meinen Großonkeln und meinem Ur-Opa sind inzwischen über tausend Euro wert. Die Zeit, die man hineinsteckt, kann man aber eh nicht als Geld verlangen. Das könnte sich niemand leisten.“

Der "Lorvnschnitzer" an seinem Arbeitsplatz in der Kunsthandwerksschule Elbigenalp.
- Rudy De Moor

Zwei Jahre hat Karré an der Kunsthandwerksschule in Elbigenalp noch vor sich. Zwei Jahre, in denen er nach dem ganz normalen Schultag manchmal bis abends um zehn an seinen Masken sitzt. (Philipp Schwartze)