Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.11.2018


Exklusiv

Kleine Christkindlmärkte finden großen Anklang

Kein „Halligalli“, Fokus auf einheimische Besucher: Mit diesem Ansatz feiern Christkindlmärkte wie jener in St. Nikolaus eine Erfolgsgeschichte.

© Domanig



Von Michael Domanig

Innsbruck — Die bekannten Innsbrucker Christkindlmärkte in der Altstadt und am Marktplatz haben bereits geöffnet, jener in der Maria-Theresien-Straße folgt morgen Sonntag. Doch abseits der großen, von Touristen gestürmten Märkte blicken die kleineren, weniger zentral gelegenen Alternativen ebenfalls auf eine Erfolgsgeschichte zurück.

Das gilt etwa für den Christkindlmarkt in St. Nikolaus, der heute um 17 Uhr offiziell eröffnet wird — und heuer seine sechste Auflage erlebt. Der Markt wird rein privat von „Sandwirt" Franz Litterbach und seiner Familie organisiert, die Stadt Innsbruck stellt dafür den Platz bereit. Die Vorgeschichte ist außergewöhnlich: „Vor zwölf Jahren habe ich ein uraltes Holzhaus im Südtiroler Ultental gekauft und abgetragen", erzählt Litterbach. Daraus entstanden in sechsmonatiger Werkstattarbeit jene urigen Hütten, die jetzt den Christkindlmarkt bilden (und jedes Jahr zerlegt und neu aufgebaut werden). „Es war immer mein Spleen, einmal so einen Markt zu bauen, eine Art Dorf mitten in der Stadt", sagt Litterbach. „Ich will etwas Schönes für die Einheimischen bieten, die Leute sollen hier verweilen, träumen, an früher denken." Viele Touristen würden eher „Halligalli" suchen, damit könne er nicht dienen. „Zu uns kommen aber etwa auch viele Studenten, die den Rummel in der Innenstadt nicht wollen."

Am Markt, der bis 23. Dezember geöffnet hat (jeweils von 16 bis 21 Uhr), wartet täglich Livemusik mit bis zu drei Gruppen. Alle spielen und singen ohne Verstärker, wie Litterbach betont — und kommen durchwegs aus Tirol. „Ich kann ihnen kaum Gage bieten", meint er, „sie kommen nicht wegen des Geldes zu mir, sondern weil sie dabei sein wollen." Froh sei er auch über den „guten Draht zu den Anrainern, die anfangs skeptisch waren". Mit seinem Team stecke er jedes Jahr rund zwei Monate Vorarbeit in den Christkindlmarkt. „Mein Lohn ist, wenn die Leute sagen: Bei euch war es wieder schön." Das Interesse sei jedenfalls Jahr für Jahr gewachsen.

Ähnlich ist das auch beim „Wiltener Weihnachtszauber", der seit über zehn Jahren von der Wiltener Kaufmannschaft organisiert wird (Eröffnung am Montag um 17 Uhr). „Es hat mit drei Ständen an drei Tagen angefangen", erinnert sich Obfrau Barbara Wachter. „Inzwischen sind es zehn Standln und vier Wochen." Dennoch sei es am Wiltener Platzl immer noch ruhiger, besinnlicher und weniger hektisch als auf den großen Märkten. „Wir buhlen nicht um Touristen, daher haben wir zum Beispiel auch bewusst am Sonntag geschlossen", sagt Wachter. Hauptklientel sei die Wiltener Bevölkerung. Dass die täglichen Aufführungen um 18.15 Uhr beginnen und schon um 19 Uhr enden, spreche gerade ältere Bürger an, die sonst nicht mehr oft ausgehen. Optisch verzichte man auf „Bling-Bling-Lichter": „Wir haben nur Laternen." Wachter ist froh über den regen Zuspruch, „zugleich müssen wir aufpassen, dass das Ganze nicht zu groß wird". Der Weihnachtszauber läuft bis 22. Dezember (Mo bis Fr 16 bis 20 Uhr, Sa 14 bis 20 Uhr).

Bereits heute um 12 Uhr wird Innsbrucks höchstgelegener Christkindlmarkt, jener auf der Hungerburg, feierlich eröffnet. Die Besonderheit sei sicher der Panoramablick über die Dächer von Innsbruck, meint Simone Hütter von der Innsbrucker Nordkettenbahnen GmbH. Die Zielgruppe sei „bunt gemischt", von Einheimischen, die mit dem Freizeitticket herauffahren, bis zu Tagesgästen aus aller Welt. Geöffnet ist bis 23. Dezember (Mo bis Fr 13 bis 19 Uhr, Sa, So, Feiertage 12 bis 19 Uhr).