Letztes Update am Sa, 01.12.2018 14:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Zoë Straub: „Ich bin viel mehr als ein zarter Engel“

2016 sang sie für Österreich beim Song Contest. Seitdem ist viel passiert. Zoë Straub über neue und alte Lieder, bösartige Blogger und die große Kraft einer kleinen französischen Redewendung.

© Rudy De MoorZoë Straub will sich ihre positive Haltung nicht nehmen lassen.



Ihre neue Single heißt „C’est la vie“, was man mit „Was soll’s, so ist das Leben“ übersetzen kann. Ist das Ihr Lebensmotto?

Ja absolut, es geht ganz stark darum, dass ich mich mit meiner Haltung selbst aus einem Tief ziehen kann. Ich erlebe das ständig. Meine positive Lebenseinstellung hilft mir sehr. Und das ist auch der Spirit des Liedes.

Sie singen auf Französisch, aber auch auf Deutsch und Englisch. Was passt am besten?

Das kann ich gar nicht sagen. Aber am schwierigsten fallen mir deutsche Texte. Deutsch ist eine harte Sprache, wenn man keinen Dialekt spricht und die Lieder rutschen trotzdem schnell ins Kitschige ab. Das kann sicher auch auf Französisch passieren, aber da empfinde ich es nicht so.

Sie nahmen 2016 für Österreich am Song Contest teil. Wie war die Zeit nach der ganzen Aufregung?

Ich habe den Song Contest sehr genossen, hatte aber immer Familie und Freunde dabei. Das hat mich geerdet. Und jeder weiß, es ist ein Hype. Ein psychisches Down danach gab es nicht.

Ihre Vater ist Musiker, Ihre Mutter Model und Sängerin. Hat sie das aufs Business vorbereitet?

Ja. Es war für mich normal, dass mein Vater zu ungewöhnlichen Zeiten arbeitet oder in der Zeitung steht. Als über mich der erste Artikel erschien, bin ich gelassener damit umgegangen, weil ich wusste, das kann sich ganz schnell wieder ändern. Das Geschäft ist eine Hochschaubahn.

Es ist mutig, sich auf die Bühne zu stellen und zu sagen: „Schaut mich an und hört mir zu“ ...

Ja, aber ich liebe es nun mal sehr. Wenn ich es schaffe, eine Verbindung mit dem Publikum herzustellen, dann gibt mir das so viel. Das klingt fast egoistisch, aber ich ziehe viel für mich raus.

Auch 2016 beim Song Contest?

Das ist zu riesig, um das Publikum zu spüren. Und in den Vorentscheidungen ist es eher eine Casting-Situation, das ist mir eigentlich sehr schwergefallen.

Inwiefern?

Es ist wie in der Schule, wenn du vor allen kritisiert wirst, nur schauen viel mehr zu. Das tut weh. Deswegen habe ich auch zuerst gezögert, weil ich Angst hatte.

Vehement kritisiert wurden Sie auch im Internet ...

Der Hass aus dem Internet ist etwas, mit dem auch private Personen konfrontiert sind. Als Sängerin ist das leider noch sehr viel stärker geworden.

Wie gehen Sie damit um?

Mir hat jeder gesagt, ich solle mir das nicht anschauen, aber das konnte ich nicht. Einige Kommentare waren extrem bösartig, aber auch unglaublich detailliert.

Worum ging es?

Um eine deutliche Ausführung darüber, dass ich nicht singen kann und mir besser eine Peitsche und ein wenig Latex besorgen soll. Oder einer hat geschrieben, ich hätte die Ausstrahlung eines Brotes aus der Bäckerei.

Nicht sehr nett ...

Ja, aber es ist ja auch vollkommen absurd. Ich habe mir das Profil der Schreiber angeschaut und mir ehrlich gesagt gedacht: „Hast du nichts Besseres zu tun?“ Um ehrlich zu sein, habe ich da eher Mitleid. Einen kleinen Stich gibt es mir aber trotzdem. Ich fokussiere aber lieber das Positive.

Wer waren neben Ihrem Vater, dem Gründer des Duos Papermoon, die großen musikalischen Vorbilder Ihrer Teenagerjahre?

Ich habe Beyoncé und Christina Aguilera bis zum Erbrechen nachgesungen, wie jeder andere Teenager, bis ich mir eingestehen musste, dass ich keine Souldiva bin. Dabei habe ich vor allem gelernt, dass sie alle ihren eigenen Stil haben. Heute habe ich meinen eigenen und singe sogar live „Hit me Baby one more time“ von Britney Spears – nur in meiner Version.

Ihr Stil ist sanft und zart. Welche Facetten haben Sie noch?

Jeder Mensch hat mehrere Seiten. Bei meinen Konzerten kommen viele Gesichter zu Tage. Aber ja, ich singe hauchig und zart, aber ich bin viel mehr als ein zarter Engel, auch wenn manche mich so sehen. Eine Rolle spiele ich nicht, das wäre mir zu mühsam.

Sie haben beruflich viele Rollen. Sängerin, Songwriterin, aber auch Schauspielerin und Musicaldarstellerin. Was ist am wichtigsten?

Es fallen alle Berufe unter einen Hut, den künstlerischen. Ich will am liebsten alle vier Sachen machen. Das ist mein Traum.

Vor drei Jahren hat Sie in Tirol ein Hochstapler für einen Auftritt gebucht und nie die Gage bezahlt. Ist der Fall inzwischen geklärt?

Nein, das ist noch immer ausständig. Aber ganz ehrlich mache ich mir darüber wenig Gedanken. „C’est la vie“ würde ich dazu sagen. Das ist ein Mensch, der anderen viel mehr Geld schuldet.

Anfang Dezember gastieren Sie sechs Tage nach Ihrem Geburtstag in Innsbruck. Ihr größter Wunsch?

Ich muss zugeben, das wünsche ich mir jedes Jahr, aber ich will auch heuer, dass es so weitergeht. Dass ich alle diese vier Rollen unter einen Hut bringen kann.

Und privat?

Auch da darf es so bleiben, wie es ist. Ich lebe mit meinem Freund und zwei Katzen zusammen in Wien. Es ist ein Dreimäderlhaus und mein Freund glaubt, er ist der Pascha ... lacht ... glaubt er.

Das Interview führte Andrea Wieser




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