Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


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Hinauf auf den Hoadl: Ein Berg mit Geschichte

Auf den Spuren alter Olympioniken führt der TT-Tipp diesmal in die Axamer Lizum. Als Pisten-Skitour geht‘s über die Damenabfahrt hinauf auf den 2340 Meter hoch gelegenen Hoadl.

© ATomicSpaß im Schnee: Damit dieser auch sicher besteht, sollten die Skier auch immer wieder zum Service gebracht werden.



Axams – Blick aus dem Fenster. Tief hängen die Wolken über dem Inntal. Grau in grau zeigt sich der Himmel, letzte Regentropfen fallen herab. Der Winter lässt noch auf sich warten. Aber in unseren Beinen kribbelt es. Wir wollen in die Natur. Hinaus. Aber wohin? Eine gute Frage. Skitouren, zumindest im freien Gelände, sind ob der Schneelage ganz einfach noch nicht möglich. Ein bisschen etwas geht aber immer. Und wenn es nur eine kleine Pistenskitour ist. Zum Eingehen und zum Wiedergewöhnen an das Gerät, an neue Schuhe. Eigentlich optimal. Einige Skigebiete haben dank moderner Beschneiungsanlagen bereits auf einigen Pisten den Liftbetrieb aufgenommen. So etwa auch die Axamer Lizum.

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Den Track für die Tour finden Sie unter
https://go.tt.com/2RvYw01.

Und dorthin geht’s diese Woche. Hinauf auf den Hoadl­, wo gleich zweimal, 1964 und 1976, alpine Damen- und Herrenbewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele ausgetragen wurden. Einer, der beide Olympischen Spiele miterlebt hat, quasi in der Axamer Li­zum groß geworden ist und die Lizum wie aus seiner Westentasche kennt, ist „Pepi“ Freisinger, ein Ur-Axamer. „Früher hat es in der Lizum eigentlich nicht viel bis gar nichts gegeben“, erinnert sich der 76-Jährige. Mit den Spielen kam die Wende.

„Der einzige Zubringer damals war ein Karrenweg durch das Tal, denn die heutige Straße wurde erst Ende der Fünfzigerjahre gebaut“, weiß Freisinger, der u. a. über 25 Jahre lang für die Schneeräumung hinein und in der Lizum verantwortlich war. Wenn Not am Mann war, bediente er kurzerhand einen der Lifte in der Lizum.

Die ersten Lifte wurden 1964 gebaut. Zweier- und Einsersessellifte, die noch immer in Betrieb befindliche historische Olympiabahn errichtete man 1976. „Das war schon ein kleiner Meilenstein“, schmunzelt Freisinger.

Auf dem Hoadl fanden zweimal Olympische Spiele statt. Ur-Axamer Pepi Freisinger (1) hat beide erlebt. Richy Gastl (2) aus Innsbruck genoss zu Wochenbeginn die Verhältnisse.
- Flex

Zwei Olympische Spiele hat Freisinger in der Lizum miterlebt. „Es war schon etwas Besonderes“, weiß der rüstige Pensionist. Besonders ist wohl aber auch, dass das Riesentorlauf-Starthaus, aus welchem einst Skilegenden wie Ingemar Stenmark auf die Strecke geschickt wurden, nun bei ihm zuhause in Axams steht und als Gartenhütte umfunktioniert wurde.

Zurück zur Gegenwart. In der Axamer Lizum hat sich einiges getan. Neue Lifte wurden gebaut, eine moderne Beschneiungsanlage garantiert frühe Pistengaudi. Und vor allem ist das Gebiet in der Lizum und rund um die Kalkkögel bei guten Schneeverhältnissen Treffpunkt unzähliger Skitourengeher. Für Touren im freien Gelände reicht es derzeit noch nicht, zum Einmarschieren ist eine Tour auf den Hoadl aber auch jetzt schon tadellos möglich. Wir entschieden uns dieses Mal für die Variante über die Damenabfahrt.

So kommt man hin: Unsere Tour startet beim Parkplatz in der Lizum. Für Tourengeher gibt es kurz vor der Lizum einen eigenen Tourengeher-Parkplatz. Zu Beginn noch flach und am Lizumer Hof und dem alten Speichersee vorbei wird es zunehmend steiler. Den ersten richtigen Steilhang umgehen wir entlang des Fahrweges. Auch deshalb, um nicht in Kontakt mit etwaigen Skifahrern zu kommen.

Ein Appell zu Beginn. Wer sich an die Regeln hält, der ist auch als Pistentourengeher in der Axamer Lizum ein gern gesehener Freizeitsportler. Deshalb bleiben wir, so wie es sich gehört, während des gesamten Aufstieges immer ganz am Rand. Nach dem ersten steileren Stück wird es flacher und bald kommen wir zum Dohlennest. Dort vorbei wird es noch einmal etwas anstrengender. Eine Links-rechts-Kombination bis hinauf auf den Kamm und nach ca. 800 Höhenmetern erreicht man das Hoadlhaus.

Für die erste Skitour gerade recht. Nicht zu weit und somit nicht zu anstrengend. Das Wetter ist zunehmend besser geworden. Nur das Tal hüllt sich noch im Nebel. Auf den Einkehrschwung bei Wirt Jürgen, bevor es wieder die Damenabfahrt zurückgeht, verzichten wir natürlich nicht. Er wird heuer zum letzten Mal das Hoadl-Haus führen. Nach 18 Jahren ist Schluss. Übrigens: Morgen, am 8. Dezember, ist am Hoadl Schirmbar-Eröffnung.

Schon während des Aufstieges haben wir gesehen, dass die Damenabfahrt perfekt präpariert worden ist. Da machte die Abfahrt Spaß. Steinkontakt gab es keinen. So wie die vergangenen Jahre finden auch heuer in der Lizum wieder Tourenabende statt. Infos unter www.axamer-lizum.at.

Fazit: Als Einstiegstour ist die Pistentour über die Damenabfahrt auf den Hoadl (2340 Meter) nahezu perfekt. Die Bedingungen sind wirklich gut, die Tour ist definitiv zu empfehlen. Und sollten die Wettervorhersagen wirklich stimmen, könnte schon bald mit Neuschneezuwachs zu rechnen sein. (flex)

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