Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Bezirk Schwaz

Korbflechten: „Ein Handwerk, das immer mehr ausstirbt“

Unzählige Stunden verbringt Herbert Knapp vom Weerberg in seiner Werkstatt. Dort geht er seiner Leidenschaft nach – dem Korbflechten.

© FankhauserUnzählige Stunden verbringt Herbert Knapp vom Weerberg in seiner Werkstatt. Dort geht er seiner Leidenschaft nach – dem Korbflechten.



Von Eva-Maria Fankhauser

Weerberg – Leise knistert das Feuer im Holzhofen. Herbert Knapp fährt mit einem langen Zug mit seinem Schnitzmesser über die Haselnussstaude. Schnitt für Schnitt entsteht eine Rippe. Die fädelt er dann mit flinken Bewegungen um die Stangen am Holzbrett. Er lächelt. Für ihn ist das alte Handwerk des Korbflechtens zu einer Leidenschaft geworden. Rippe für Rippe wächst der Korb vor ihm. „So ein Korb ist viel Arbeit. Aber es ist einfach schön, am Ende zu sehen, was man geschaffen hat“, sagt der 85-Jährige.

Hoch oben am Weerberg sitzt Knapp fast jeden Tag daheim in seiner Werkstatt. Hinten im Regal stehen kleine und große Körbe in allen Formen und Variationen – vom „Buggelkorb“ für Groß und Klein bis hin zu einem fürs Feuerholz oder für Einkäufe. Auch eine Spezialanfertigung ist darunter. „Daran habe ich etwa eineinhalb Wochen gearbeitet“, sagt Knapp. Es ist ein großflächiger, halbrunder Korb, der auf einer Seite offen ist. „Früher hat man den benutzt, um im Stall einzustreuen oder Feuerholz zu holen“, erinnert sich der Weerberger. Es gibt nicht mehr viele, die dieses Handwerk beherrschen und auch ausüben. Knapp erhält Anfragen von Hopfgarten bis ins Stubaital.

Er war schon als Kind fasziniert vom Korbflechten. „Aber da hatte ich keine Zeit, es gab zu viel andere Arbeit für mich“, erzählt Knapp. Er habe keine leichte Kindheit gehabt, sie sei von viel harter Arbeit geprägt gewesen. Erst als er in Pension ging, kam er zum Korbflechten. „Ich hatte mir als Kind schon einmal ein bisserl was abgeschaut, aber eigentlich habe ich mir das dann selber beigebracht“, sagt Knapp.

Dabei hat er nach einiger Zeit auch gemerkt, dass Hasel­nussstaude nicht gleich Hasel­nussstaude ist. Er braucht möglichst gerades Holz ohne Äste. Zudem sei es am besten, die Stauden um den Neumond zu sammeln. „Das Holz ist dann besser zu verarbeiten“, sagt er. Seine hellen Augen glänzen. Er ist stolz auf seine schönen Stücke. Und zugleich auch froh, eine Beschäftigung gefunden zu haben. „Was soll ich denn sonst machen?“, fragt er und fügt hinzu: „Es ist eine feine Arbeit. Man muss sich nur Zeit dafür nehmen.“

Die Zeit sei auch das Problem, warum kaum noch jemand das alte Handwerk erlernt. „Die Jungen müssen alle viel arbeiten. Mit dem Korbflechten verdient man ja nichts. Das muss man einfach gerne tun und Zeit investieren“, sagt Knapp. Er findet es schade, dass das „Handwerk immer mehr ausstirbt“.

Er ist am Wochenende wieder beim Weerberger Advent dabei. Dort können ihm Interessierte über die Schulter blicken. „Ich lasse die Kinder gerne auch selber mal Hand anlegen und zeige ihnen, wie man schnitzt oder den Stecken abzieht“, sagt der 85-Jährige. Er freut sich schon auf den Markt und neugierige Besucher. „So komme ich auch mal wieder unter Leute und habe einen netten Hoangart“, scherzt Knapp.

Der Weerberger Advent lockt am Samstag und Sonntag ab 15 Uhr beim Centrum Weerberg mit verschiedenen Verkaufsständen, Kinderprogramm und altem Handwerk.

Herbert Knapp von „a da Wies“ am Weerberg stellt in seiner Werkstatt die unterschiedlichsten Körbe aus Holz her.
- Fankhauser