Letztes Update am Sa, 29.12.2018 10:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Das war 2018

Blick in die Vergangenheit: 2018 war ein gutes Jahr – trotz allem

Mit dem Rauchen aufhören, mehr sporteln und gesünder essen. Haben Sie sich schon Ihre Vorsätze für 2019 zurechtgelegt? Um aus Misserfolgen zu lernen, gestärkt und befreit ins neue Jahr zu starten, ist aber auch der Blick in die Vergangenheit sinnvoll. Ein paar Fragen und ein wenig Zuversicht helfen auf die Sprünge.

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Von Theresa Mair

Manchmal hat man das Gefühl, jemand zieht einem den Teppich unter den Füßen weg. Die Landung auf dem Boden tut weh. Sei es ein hässliches Beziehungsende, eine schwer erträgliche Erkrankung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Abschied von einem geliebten Menschen. Wenn noch dazu die Nachrichtenlage mit Berichterstattungen über feigen Terror und hausgemachten Klimawandel die Welt in Grau zeichnet, fällt es schwer, die persönliche Jahresbilanz noch in ein wohlwollend warmes Licht zu rücken.

Ein Blick von oben

Der Mutmachspruch „Wenn man glaubt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“, hilft da auch nur bedingt. Allzu leicht übersieht man die schönen Dinge des Lebens, wenn einem das persönliche Elend alles Gute mit einem Schlag zu verschütten scheint. „Wenn der Säbelzahntiger vor einem steht, dann stellt sich der Körper auf Flucht oder Kampf ein. Die Blumen am Wegesrand sieht man nicht mehr“, findet Barbara Hellweger, klinische Gesundheitspsychologin in Innsbruck, eine evolutionsbiologische Erklärung dafür. Das sei ganz normal.

Dennoch gibt es sie, die schönen Dinge, die jedes Jahr mit sich bringt. Manchmal muss man nur etwas länger danach graben und ganz genau hinschauen. „Es ist legitim, sich Zeit zu nehmen, um zu trauern, aber auch um sich realistisch mit den Dingen, die passiert sind, auseinanderzusetzen, sie nicht überspielen und verdrängen“, sagt Hellweger. Gesunden Menschen sei es aber auch möglich, sich loszulösen, das Große und Ganze aus einer Perspektive von oben herab wahrzunehmen.

Es sei menschlich, sagt Hellweger, dass man mehr das Negative und die Misserfolge sieht. Fragen, die man sich dann stellen könnte, sind: Woran bin ich gewachsen? Was kann ich selber verändern und was muss ich akzeptieren? Welche Ängste stecken dahinter, die unter Umständen unbegründet sind? Viele müssten dann erkennen, dass sie Angst vor etwas hatten, das gar nicht eingetreten ist. Das Gefühl war nur im Kopf. Der Perspektivenwechsel, eine gewisse Flexibilität und Offenheit täten gut, weil man ohnehin nicht alles planen kann.

Resilienz lernen

Es gibt auch Menschen, die scheint es nicht umzuhauen, auch wenn noch so sehr am Teppich gerüttelt und gezogen wird – und fallen sie doch, dann stehen sie schnell wieder auf. Sie gelten als resilient. „Viel davon ist Veranlagung aufgrund der eigenen Persönlichkeit und Geschichte. Man kann Resilienz aber auch bis zu einem gewissen Grad lernen“, sagt Hellweger. Resiliente Menschen haben einen bestimmten Grundoptimismus.

Sie schaffen es, ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft zu richten, ihr Leben aktiv zu gestalten und unveränderliche Dinge leichter zu akzeptieren und ins Leben zu integrieren. „Sie übernehmen Verantwortung für ihre eigenen Befindlichkeiten und regenerieren trotz massiver Belastungen schneller. In stressigen Situationen können sie die Ruhe bewahren.“ Ganz Hartgesottene schaffen es sogar, etwas Positives aus dem Negativen mitzunehmen, wenn sie es einmal überstanden haben. „Wenn man in der Krise mittendrin steckt, ist das natürlich schwieriger.“

Um zuversichtlich in die Zukunft schauen zu können, lohnt sich auch der Blick zurück auf das Vergangene. „Es ist sinnvoll, wenn man sich fragt, was gut gelungen ist, was positiv gelaufen ist und was ich aus schlechten Erfahrungen gelernt habe.“ Wenn man eine Vorstellung davon hat, was man sich wünscht, kann man unterscheiden, was realistische, machbare Zielsetzungen sind. Was kann ich selber dazu beitragen? Was kann ich beeinflussen? Wie müsste ich selber sein, um das Ziel zu erreichen? Doch es ist auch wichtig, zu erkennen, dass es viele Probleme gibt, die man nicht allein lösen kann. „Es gibt Menschen, bei denen man sich professionelle Hilfe holen kann, auch um sich ganz praktisch zu entlasten.“

Ein Anfang, um das Jahr positiv zu beenden, könnte schon sein, kurz innezuhalten, eine aufrechte Haltung einzunehmen, sich auf Atem und Lächeln zu konzentrieren. „Das signalisiert dem Gehirn, dass man glücklich ist.“

Gute Fragen:

1. Was ist mir in diesem Jahr besonders gut gelungen? Worauf kann ich stolz sein? Was habe ich in diesem Jahr – aus schlechten Erfahrungen – gelernt und wie habe ich es gelernt? Was tut mir gut?

2. Was würde ich nächstes Jahr tun, wenn alles möglich wäre und ich nicht scheitern könnte? Wie würde sich mein Leben verändern? Wenn ich morgen sterben müsste, was würde ich bereuen, wenn ich es nicht noch gesagt oder getan hätte?

3. Was musste ich in diesem Jahr akzeptieren und wie fühlt sich das an? Was fällt mir an mir selber schwer zu akzeptieren, und was müsste ich an meiner Grundeinstellung verändern?

4. Welche Beziehungen waren in diesem Jahr wertvoll für mich und wie kann ich sie noch verbessern? Welche Beziehungen tun mir nicht gut?

5. Woraus schöpfe ich meinen Selbstwert und meine Kraft? Wie ist die Verteilung zwischen Beruf, Sozial- und Familienleben und der Hinwendung zu mir selbst? Möchte ich an der Balance etwas ändern?

6. Wofür bin ich dankbar? Kann ich auch andere unterstützen? Wo bin ich selbst überfordert und muss mir praktische Unterstützung holen?