Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.01.2019


Tirol

Dreikönig-Perchten: Glückbringend im Schneegestöber unterwegs

Am 5. Jänner zogen sonderbare Gestalten in Alpbach, Angerberg und im hinteren Zillertal von Haus zu Haus: Das Perchtengehen hat hier Tradition.

Die Perchten, die im Zillertal abends von Haus zu Haus gezogen sind, erhalten für ihren Neujahrswunsch in der Regel ein Schnapserl.

© Katrhin RauchDie Perchten, die im Zillertal abends von Haus zu Haus gezogen sind, erhalten für ihren Neujahrswunsch in der Regel ein Schnapserl.



Alpbach, Angerberg, Zillertal – Jeder kennt die traditionellen, als Heilige Drei Könige verkleideten Sternsinger, die in den ersten Tagen des neuen Jahres von Haus zu Haus ziehen und für den guten Zweck sammeln. Doch nur die wenigsten kennen die Dreikönig-Perchten, die am Vorabend des Dreikönigstages in den Tiroler Gemeinden Angerberg, Alpbach und einigen Dörfern im hinteren Zillertal unterwegs sind und in jedem Ort auf verschiedenste Art und Weise mit Besen, Glocken, Weihrauch und Weihwasser versuchen, die Häuser und ihre Bewohner vor Unglück zu beschützen, bzw. ein gutes neues Jahr wünschen.

Trotz des starken Schneefalls waren in Alpbach, einer Hochburg des Brauchs, auch heuer wieder zahlreiche Dreikönig-Peaschtl unterwegs und bereits am späten Nachmittag zogen die Kleinen los, ehe sie am Abend von den Erwachsenen abgelöst wurden. „Das Besondere an dem Brauch ist, dass es keinen Verein gibt und sich die Gruppen selber organisieren“, sagt die Alpbacher Zottenhof-Bäuerin Anna Moser. Wie jedes Jahr besuchten auch heuer wieder zahlreiche Dreikönig-Peaschtl ihren Hof, da sie wissen, dass sie dort willkommen sind. Das ist nicht überall der Fall, denn abseits der Bauernhäuser und traditionsbewussten Familien kennt nicht jeder den Brauch und die Tür bleibt dann verschlossen. „Der Rekord war vor ungefähr vier Jahren, als 33 Perchten bei uns waren. Heuer waren es 18“, schmunzelt Moser. Meistens kommen die Perchten zu dritt und kehren nach alter Tradition mit Besen ausgerüstet das Unglück aus dem Haus und das Glück hinein. Als Dank bekommen die großen Perchten frische Nudeln oder ein Schnapserl und die Kleinen Schokolade. Für die Peaschtl ist oberstes Gebot, keinen Laut von sich zu geben, um nicht erkannt zu werden. Traditionell tragen sie einen mit viel Hanf bedeckten Hut, um ihr Gesicht zu verdecken, und einige tragen darunter noch einen Strumpf. „Im Dorf glauben manche, dass die Dreikönig-Perchten aus dem viel älteren böhmischen Brauch ‚Beben gehen‘ stammen sollen, welcher immer am letzten Donnerstag vor Heiligabend in Alp­bach stattfindet“, sagt Moser. Sicher ist, dass das Dreikönig-Peaschtln in Alpbach bereits vor den beiden Weltkriegen (während derer es nicht ausgeübt wurde) entstand.

Im Alp­bacher Zottenhof kehrten die Perchten traditionsgemäß mit einem Besen das Unglück aus dem Haus und das Glück hinein.
Im Alp­bacher Zottenhof kehrten die Perchten traditionsgemäß mit einem Besen das Unglück aus dem Haus und das Glück hinein.
- Florian Haun

Tosenden Applaus bekamen mehrere Gruppen Dreikönig-Peaschtl in Angerberg, die zu später Stunde eine kleine Glocke läutend, Weihwasser spritzend und mit Weihrauch ausgerüstet bei der Christbaumversteigerung der Angerberger Feuerwehr im Gasthof Baumgarten einmarschierten. Wie seit über 30 Jahren lieferten sie auch heuer wieder ihre Körbe mit den gesammelten Spenden wie etwa Pralinen, Süßigkeiten, Kekse, Speck, Wein, Sekt, Spirituosen oder gar Handwerksarbeiten zur Versteigerung zugunsten der Feuerwehr ab, wobei ein Korb dann einen Preis von ungefähr 100 Euro erzielte.

„Die Peaschtl waren früher sehr arme Leute, die mit diesem Brauch an das Gewissen der wohlhabenden Bauern appellierten, um etwas zu essen zu bekommen“, erklärt Angerbergs Bürgermeister Walter Osl die Entstehung des Brauchs. Es waren die armen Knechte und Mägde der Bauern, welche sich vor über 100 Jahren mit weißen Leintüchern und hölzernen Masken verkleideten, um nicht erkannt zu werden, und dann bei Anbruch der Dunkelheit von Hof zu Hof zogen. Wie auch die Heiligen Drei Könige führen die Dreikönig-Peaschtl eine kleine Glocke sowie Weihwasser und einen Rauchkessel mit sich, um die Häuser zu segnen. Sie geben keinen Laut von sich und schreibe­n alles, was sie sagen wollen, auf einem Block nieder.

Im hinteren Zillertal indes wünschen die Perchten mit verstellter Stimme im tiefsten Dialekt „A glickselig’s nois Johr!“. Nachmittags ziehen die Kinder als Binggal- oder Krapfnperchten von Haus zu Haus und bekommen Süßigkeiten. Am Abend sind dann die Erwachsenen als Schnaps­perchten unterwegs. Damit sie durch ihre Maske den Schnaps trinken kann, hat Lisa Eberharter daher immer einen Strohhalm dabei. „Und ein Taschentuch, weil man unter der Maske so schwitzt“, erzählt sie. Je älter, desto besser, lautet das Motto bei der Verkleidung. „Das Gewand borgen wir uns von den Großeltern“, sagt Eberharter. Nicht erkannt zu werden, lautet auch hier das Motto. „Und um Mitternacht trifft man sich in einem der Hotels zum Ablarven“, ergänzt Stefan Gruber, der in Schwendau als Perchte unterwegs war. (fh, emf, ad)

In Angerberg führen die Dreikönig-Peaschtl eine kleine Glocke, Weihwasser und einen Rauchkessel mit sich, um die Häuser zu segnen.
In Angerberg führen die Dreikönig-Peaschtl eine kleine Glocke, Weihwasser und einen Rauchkessel mit sich, um die Häuser zu segnen.
- Florian Haun