Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.01.2019


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Sistranser Alm: Fünf Kilometer Rodelspaß

Weite Teile Tirols versinken im Schnee, einige Rodelbahnen sind nicht befahrbar: Die Sistranser Alm oberhalb von Innsbruck ist eine Ausnahme – und die Fahrt herab filmreif.

Die Sistranser Alm beeindruckt derzeit vor allem wegen ihrer langen Eiszapfen.

© RappDie Sistranser Alm beeindruckt derzeit vor allem wegen ihrer langen Eiszapfen.



Von Irene Rapp

Sistrans – Auf der Sistranser Alm hat man sich vorsichtshalber einmal für 14 Tage eingedeckt. So lange können Rodler oder Skitourengeher mit Ess- und Trinkbarem versorgt werden, sollte die Fahrt der Hüttenpächter ins Tal aufgrund der andauernden Schneefälle einmal nicht möglich sein.

Die auf 1600 Metern Seehöhe gelegene Einkehr bietet in diesen Tagen allerdings einen Vorteil, den viele andere Rodelbahnen nicht haben: Die rund fünf Kilometer lange Forststraße führt fast durchgehend durch Wald, Lawinengefahr besteht hier also keine. Aus diesem Grund ist diese Bahn im Unterschied zu manch anderen im Land auch nicht gesperrt (Infos u. a. auf www.winterrodeln.org). Und somit sind wir am Dienstag dieser Woche durch eine traumhafte Landschaft bis zu der Hütte oberhalb von Sistrans gestapft.

So kommt man hin: In Sistrans fährt man auf dem Almweg in südöstlicher Richtung eine Anhöhe hinauf (gut beschildert). Auf einem Parkplatz kann man das Fahrzeug stehen lassen, der ist gebührenfrei. Nun könnte man immer auf der Forststraße bleiben und so nach ungefähr eineinhalb Stunden (bei flottem Gehtempo) die Sistranser Alm erreichen.

Allerdings hat man auch die Möglichkeit, eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen – was wir am Dienstag gemacht haben. Auf einer Seehöhe von rund 1120 Metern – dem Saggenmoos – kann man nämlich rechter Hand in den Wald abzweigen und abseits des Forstwegs hinaufwandern.

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Am vergangenen Dienstag, bei leichtem Schneefall, kam man sich hier im tief verschneiten Wald wie in einer Filmszene vor. Dazu waren viele Tierspuren zu erkennen – u. a. von Hirsch und Reh. „Es ist relativ belebt hier heroben“, umschreibt es Marc Wiener. Seit dem Sommer des Vorjahres ist er der neue Pächter der Sistranser Alm und mitunter tummeln sich vor seinem Arbeitsplatz eben besagte Schalentiere und „viele Hasen“.

Das Angenehme an dieser Abkürzung durch den Wald, die ebenfalls gut mit Hinweisschildern versehen ist: Der Weg ist relativ breit, man muss die Rodel also nicht tragen. Allerdings ist der Schnee hier nicht so angenehm niedergewalzt wie auf der Forststraße – sprich, dieser Anstieg erfordert möglicherweise ein wenig mehr Kraft. Dafür wartet dieser Steig mit einem großen Vorteil auf: Man hat auf einer langen Wegstrecke einen getrennten Aufstieg und der ist Goldes wert.

Denn eigentlich ist es verwunderlich, dass es bislang auf den vielfrequentierten Rodelbahnen noch keine schwereren Unfälle gegeben hat – und zwar unter den Benützern.

Daher ein Appell: Aufsteiger bitte nicht zu dritt oder viert nebeneinander spazieren und darauf bauen, dass der abfahrende Rodler ohnehin vorbeikommt. Abfahrer wiederum sollten immer ihre Geschwindigkeit unter Kontrolle haben und diese bei „Gegenverkehr“ ein wenig drosseln.

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Nach rund 40 Minuten mündet der Steig wieder in den Forstweg ein, aufgrund des vielen Schnees blieben wir dann auch auf diesem, obwohl es eine weitere Abkürzung gäbe. Nach rund einer halben Stunde erreicht man dann von Osten her kommend die Alm.

Am Dienstag hat die Einkehr leider Ruhetag (ansonsten durchgehend geöffnet), daher konnten wir die gute Küche nicht genießen. Im Internet werden nämlich die Kochkünste des gelernten Kochs, Kellners und Metzgers Marc Wiener sehr gelobt.

„Ich verwende nur regionale, saisonale Produkte. Und ich kaufe viel bei den umliegenden Bauern ein“, erzählt der 54-jährige Innsbrucker. Jahrelang war er im Tal tätig, seit wenigen Monaten schnuppert er an seinem neuen Arbeitsplatz aber Höhenluft. „Es ist eine Herausforderung und ein etwas anderes Arbeiten, vor allem in logistischer Hinsicht“, erzählt er. Was ihm ebenfalls wichtig ist: Alles werde frisch gekocht, daher könne es mitunter ein wenig dauern, bis das Essen auf dem Tisch steht.

„Doch wenn die Leute einmal etwas zu trinken haben, dann haben sie auch großes Verständnis dafür, dass man auf frisch Gekochtes mitunter ein wenig länger warten muss“, berichtet Wiener.

Die Alm, die der Agrargemeinschaft Sistrans gehört, wurde übrigens im vergangenen Jahr vor der Neuübernahme noch umgebaut, u. a. entstand eine neue Küche. Vor der Hütte steht ein kleiner geschmückter Baum – angeblich findet man in diesem Bereich des Mittelgebirges öfters weihnachtlich geschmückte Fichten im Wald.

Die Abfahrt am Dienstag war dann ein Vergnügen, zumindest für eher vorsichtige Fahrer: im oberen Bereich aufgrund des Neuschnees ein wenig langsamer, unten dafür umso flotter. „Derzeit wird die Bahn täglich präpariert“, erzählt Wiener. Aber aufgrund der Schneefälle kann sich der Zustand stündlich ändern.

Dafür sind die rund fünf Kilometer, die man dann Fahrgenuss hat, unbeschreiblich. Die benachbarte Rinner Alm ist mit ihrer Rodelbahn um über einen Kilometer kürzer, dafür bietet sie einen getrennten Aufstieg und Beleuchtung an bestimmten Wochentagen an. Was noch erwähnt gehört: Bei schönem Wetter hat man beim Aufstieg auf die Sistranser Alm immer wieder tolle Ausblicke auf das Inntal. In diesen Tagen mit weiterem prognostiziertem Schneefall bleibt einem dieser zwar verwehrt – dafür kann man umso mehr über Bäume mit üppigem Schneegewand und Tierspuren staunen.