Letztes Update am Mo, 14.01.2019 14:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rom

Grüne Lunge für die italienische Hauptstadt

Das Wandgemälde „Hunting Pollution“ soll den gleichen Effekt wie 30 Bäume haben und an einer hochfrequentierten Kreuzung in Rom die Schadstoffe absorbieren.

"Hunting Pollution": Das Kunstwerk von Federico Massa alias Iena Cruz zeigt einen Reiher, der sich über fünf Stockwerke erstreckt. Das 1000-Quadratmeter-Gemälde soll dank einer speziellen Anti-Smog-Farbe den gleichen Effekt wie 30 Bäume haben.

© Caroline Mann"Hunting Pollution": Das Kunstwerk von Federico Massa alias Iena Cruz zeigt einen Reiher, der sich über fünf Stockwerke erstreckt. Das 1000-Quadratmeter-Gemälde soll dank einer speziellen Anti-Smog-Farbe den gleichen Effekt wie 30 Bäume haben.



Von Manuel Lutz

Die Autos drängen sich Stoßstange an Stoßstange, die Ungeduld der Lenker wird mit einem Hupkonzert zum Ausdruck gebracht. Zahlreiche Hochhäuser komplettieren das triste Erscheinungsbild des Viertels Ostiense in Rom. Von der ewigen Stadt, die mit historischen Bauten beeindruckt und den zahlreichen schmalen Gassen Charme versprüht, ist in dem Arbeiterviertel nicht viel zu sehen. Graffiti gehören wie die schlechte Luft zu der Wohngegend, die einer Betonlandschaft gleicht. Für eine bunte Untermalung sorgt nun ein überdimensionaler Vogel an der Kreuzung Via del Porto Fluviale und Via delle Conce, der schon von Weitem ins Auge sticht. Das Kunstwerk soll jedoch nicht nur optisch begeistern, sondern auch seinen Betrachtern Nutzen bringen. 1000 Quadratmeter ist die Wandmalerei „Hunting Pollution“ groß. Die Besonderheit: Das Gemälde wirkt wie ein kleiner Wald mit 30 Bäumen, der die Luft reinigen soll – eine Art grüne Lunge für die italienische Hauptstadt.

Kunst sorgt für Nachhaltigkeit

Eine vernünftige Idee, wie die Tirolerin Caroline Mann, die im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts in Rom studiert, nach einem Lokalaugenschein erzählt: „Die Luft ist durch die Abgase sehr schlecht, es ist so stickig, dass der Wunsch nach frischer, unbelas­teter Luft sofort aufkommt.“

Das Bild überzeugt auch mit seinem symbolischen Charakter: Der Reiher, der sich über fünf Stöcke erstreckt, jagt nicht nur seine Beute in einem verschmutzten Meer. Der Protagonist des Gemäldes will die Luft der Kreuzung, die eine der meistbefahrenen Roms sein soll, auch von den Autoabgasen säubern. „Die Autos stehen in Dreierreihen, jeder versucht, so schnell wie möglich voranzukommen. In Rom habe ich so ein Chaos wie an dieser Kreuzung noch nie gesehen“, unterstreicht die 24-Jährige die Situation.

Das Projekt entstand nach einer Idee von Veronica De Angelis, Leiterin der gemeinnützigen Gesellschaft Yourban2030, die sich mit ökologischer Nachhaltigkeit und Kunst beschäftigt. „Ich betrachte diese Mauer als eine Gelegenheit, zur Nachbarschaft beizutragen und etwas mit meiner Nachbarschaft zu teilen“, erklärt De Angelis. Das Projekt wurde auf 2000 Quadratmetern umgesetzt, 1000 Quadratmeter davon wurden mit der Antismog-Farbe „Airlite“ gestrichen. Die Farbe nutzt die Energie des Lichts und reduziert damit die Stick­oxidemissionen von Autos, Benzol und Formaldehyd.

Ähnliches Projekt bei der EXPO

Umgesetzt wurde das größte grüne Wandbild Europas von Federico Massa. Besser bekannt als Iena Cruz, der sich weltweit mit Graffitis einen Namen machte. In New York arbeitet der Mailänder als Maler und Bühnenbildner zu Themen wie dem Klimawandel und den Risiken der Umweltverschmutzung.

Einen Vorreiter gab es bei der Weltausstellung in Mailand mit dem Palazzo Italia. Leichter umzusetzen ist jedoch die Variante in Rom. Wenn Straßenkünstler die Antismog-Farbe in ihren Händen hätten, wäre es wie eine Armee, die täglich Bäume pflanzt.

Palazzo Italia: In Mailand gibt es seit der Expo 2015 etwas Ähnliches: Die 9000 Quadratmeter große Fassade wurde mit photokatalytischem Zement realisiert, der durch Licht Schadstoffe absorbiert und in Salze umwandelt.
Palazzo Italia: In Mailand gibt es seit der Expo 2015 etwas Ähnliches: Die 9000 Quadratmeter große Fassade wurde mit photokatalytischem Zement realisiert, der durch Licht Schadstoffe absorbiert und in Salze umwandelt.
- HeidelbergCement