Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


Innsbruck

Innsbrucker Klinik ist bereit für eine neue Transplant-Ära

Größer und moderner ist die Intensivstation an der Uniklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie geworden. Diese will das beste Transplant-Zentrum Europas werden.

Intensivbett und viele Geräte: Die Ausstattung ist gleich geblieben, aber moderner geworden.

© Tirol Kliniken/SeiwaldIntensivbett und viele Geräte: Die Ausstattung ist gleich geblieben, aber moderner geworden.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Die Innsbrucker Klinik erwarte eine Revolution der Transplantationsmedizin vor und wirft sich dafür auch – bildlich gesprochen – in Schale. 2,5 Mio. Euro hat die gut ein Jahr lang dauernde Renovierung der Intensivstation der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie gekostet. Gestern wurde sie von den Klinikseelsorgern Andreas Krzyzan und Klaus Niederwimmer eingeweiht, was einen ersten Blick in die modernisierte Station ermöglichte. Denn Patienten werden erst ab 28. Jänner in den Intensivbetten (acht für transplantationschirurgische Patienten, vier für chirurgische Patienten) im dritten Stock des Chirurgie-Gebäudes versorgt.

Mit Überwachungsmonitoren, Beatmungsmaschine, 24-Stunden-Dialyse, Immun-Gerät usw. hat sich bei der Ausstattun­g nichts getan. Allerdings sind die Räume größer geworden – sodass auch die „Metra“-Maschine Platz darin findet. Das ist das Stichwort für Klinikdirektor Dietmar Öfner-Velano, der die Transplantationschirurgie mit der Maschinenperfusion durch „Metra“ am Beginn eines neuen Zeitalters sieht. Die Maschine erlaubt es, Spenderorgane – vorerst nur die Leber – 24 Stunden unter körperähnlichen Bedingungen zu lagern.

Dank „Metra“ gewinnen die Mediziner also Zeit, in der sie das Spenderorgan genau untersuchen können. Nicht nur, dass Innsbruck zu den wenigen Zentren gehört, das überhaupt eine „Metra“ hat. „Wir haben eine zweite Maschinenperfusion bereits beantragt“, so der Direktor. 2018 brachen die Innsbrucker unter dem leitenden Transplantationsmediziner Stefan Schneeberger mit 86 transplantierten Lebern den eigenen Rekord von 81 im Jahr 2016. Darüber hinaus werden österreichweit nur in Innsbruck Lebendspenden von Lebern an Kinder durchgeführt. Das hiesige Zentrum ist europaweit einer von nur rund zehn akkreditierten Ausbildungsorten für Transplantationschirurgen. „Unser Ziel ist es, das beste Transplantationszentrum Europas zu werden“, gibt sich Schneeberger mit den bisherigen Errungenschaften noch nicht zufrieden.

Die Intensivstation sei aber auch jetzt schon immer maximal ausgelastet. Teils werden zehn bis 15 Organtransplantationen in einer Woche durchgeführt. Alles hänge an der Verfügbarkeit von Spenderorganen. Auf eine Niere wartet man im Schnitt noch drei Jahre. „Für uns ist es unerträglich, nicht jedem ein Organ geben zu können, der es braucht“, betont Öfner-Velano. Nächstes Ziel sei es deshalb, Organe lange lagern, eventuell sogar einfrieren und schadlos wieder auftauen zu können. Versuche, eine Leber sieben Tage haltbar zu machen, gebe es bereits.

Eine Intensivstation wird es aber immer brauchen. „Die 1993 von Raimund Margreiter eingeweihte Station ist in die Jahre gekommen. Sein Prinzip, dass die Abteilung von der Aufnahme über die OP bis zur Entlassung in einer Einheit geführt werden sollte, haben wir aber beibehalten“, erinnerte Pflegedienstleiter Christian Neyer gestern an Margreiters Pionierleistungen. Von den kurzen Wegen profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch 20 Chirurgen und 20 Anästhesisten sowie die rund 45 Pfleger, die in der zusammenhängenden Betten- und Intensivstation arbeiten. „Die Patienten sind umfassend betreut und für uns ist es schön, sie von der Aufnahme an begleiten zu dürfen, bis sie nach Hause gehen“, freut sich Mario­n Frank, die Pflegerische Leiterin der Einheit.