Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Exklusiv

Wolf Memphis: Einer, der Tirol „elvisieren“ will

Wolf Memphis’ Karriereweg ist ebenso unkonventionell wie sein Name. Der einstige Polizist der Sondereinheit WEGA ist heute hauptberuflicher Elvis-Presley-Fan. Nun will er Tirol „elvisieren“.

Wolf Memphis ist eingefleischter Elvis-Fan. Die Hingabe geht so weit, dass er mehrfach nach Memphis reiste, wo der Sänger lebte, und Original-Elvis-Gitarren sammelt.

© Foto TT / Rudy De MoorWolf Memphis ist eingefleischter Elvis-Fan. Die Hingabe geht so weit, dass er mehrfach nach Memphis reiste, wo der Sänger lebte, und Original-Elvis-Gitarren sammelt.



Von Judith Sam

Innsbruck – Die meisten Männer tragen bei diesen Temperaturen Kappen oder Kapuzen. Nicht so Wolf Memphis. Den Wiener erkennt man am Cowboyhut: „Ich steh’ dazu und habe ihn privat wie öffentlich auf. Schließlich macht das den Cowboyman aus.“

Wie heißt der Entertainer nun? Cowboyman? Wolf Memphis? „Mein bürgerlicher Name holpert. Darum habe ich mich Cowboyman genannt. ,Man‘, weil ich Batman-Fan bin – und Cowboy passte dazu. Mein Vorname lautet offiziell Wolf, für den Nachnamen Memphis habe ich mich in Erinnerung an Elvis Presley entschieden, der in Memphis lebte.“

Damit sind wir beim Thema. Memphis’ Augen leuchten, als er spricht. Wobei „sprechen“ das falsche Wort ist. „Schwärmen“ trifft es besser: „Elvis ist der beste Sänger, den es je gab. Elvis ist die Sonne.“ Auf seiner Facebook-Seite betitelt Memphis ihn gar als „Master of the Universe“. Der 55-Jährige hält inne und ergänzt: „Ich bin aber schon heterosexuell. Es ist keine Seltenheit, dass Männer Elvis so verehren.“

Diese Hingabe geht beim Cowboyman so weit, dass er nach Memphis reiste: „Während meiner fünf Urlaube dort habe ich nicht nur den Juwelier und den Schneider des ,King of Rock ’n’ Roll‘ kennen gelernt, sondern sogar seine Ex-Frau Priscilla Presley. Die ist sehr sympathisch. Im Gegensatz zu Elvis’ Tochter Lisa Marie. Die sieht sein Erbe als Bürde. Unverständlich. Wäre ich Elvis’ Sohn – mein Leben wäre perfekt.“

Erst kürzlich war Memphis in Ungarn, um den besten Freund des Sängers zu treffen: „Er hat dort ein Elvis-Seminar gehalten. Ich konnte ihm eine Original-Gitarre vom King abkaufen.“ Die ergänzt nun die Sammlung des Cowboyman. Neben vier Gitarren besitzt er Elvis-Bühnen-Outfits, Schals und Accessoires. Um seine Errungenschaften und sein Wissen mit anderen zu teilen, wird Memphis am 24. Jänner im Casino Innsbruck mit „Das war Elvis“ auftreten. Besucher erwartet eine Art Dokumentation über den Sänger: „Ich werde von Elvis erzählen, Videos vorführen und singen.“

Imitator sei Memphis jedoch nicht. „Das wäre lächerlich. An seine Stimme kommt niemand heran. Er war einzigartig“, erzählt Memphis, während er immer wieder an einer imaginären Luftgitarre herumzupft.

Je länger man Memphis zuhört, desto mehr fragt man sich, was diese Faszination ausmacht. Die Antwort sprudelt nur so aus Memphis heraus: „Meine Tochter – leider ebenso wie mein Sohn kein Elvis-Fan – hörte, wie Neil Diamond ,Sweet Carolina‘ sang. Bisher kannte sie nur Elvis’ Interpretation davon. Also sagte sie: ,Da fehlt was. Da fehlt der Druck in der Stimme.‘ Das ist der Punkt. Elvis hat Lieder besser gesungen als die Künstler, die sie geschrieben haben.“

Dass Memphis von Elvis-Shows lebt, ist leicht nachvollziehbar, bei diesem Engagement: „Früher war das anders. Da habe ich als Polizist bei der Sondereinheit WEGA gearbeitet und war Polizeiweltmeister im Badminton. Über diesen Umweg bin ich in den Veranstaltungssektor gerutscht, weil ich bei den Sportveranstaltungen gemerkt habe, dass ich gerne Events organisiere.“

Davon können sich kommenden Mai auch Tirols Schüler überzeugen: „Dann biete ich für Schulen einen Kurs an. Eine Mischung aus Geschichts-, Musik- und Englischunterricht.“ In Wien war diese Veranstaltung bereits gut besucht. Man muss nicht lange raten, was deren Inhalt ist.

Die Schüler sollten Memphis nur bitte nicht auf den Tod des Kings ansprechen. Dann wird der Cowboyman nämlich betroffen: „Damals, 1977, war ich in der Schule, als im Radio kam, dass Elvis gestorben ist. Ich bin ins Bad gerannt und habe meinen Vater angerufen, der sich vor Schreck beim Rasieren geschnitten hat.“

Abgesehen davon war Memphis’ Vater kein allzu großer Elvis-Fan: „So wie die meisten Österreicher. Leider. Darum ist es höchste Zeit, dass ich das Land ,elvisiere‘.“