Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.01.2019


Tirol

Ski zu leihen statt zu kaufen, liegt im Trend

„Wenn die Ski nicht zu Hause stehen, sinkt die Motivation, Ski zu fahren“, klagt der Skiverband. Der Sporthandel hat sich umgestellt.

Der Skiverleih ist populär geworden. ?Wenn die Ski nicht zu Hause stehen, sinkt die Motivation, Ski zu fahren?, fürchtet der Skiverband.

© TT/BöhmDer Skiverleih ist populär geworden. ?Wenn die Ski nicht zu Hause stehen, sinkt die Motivation, Ski zu fahren?, fürchtet der Skiverband.



Innsbruck – Früher einmal hat der Alltagsskifahrer Ski besessen und sie nicht geliehen. „Das Verhältnis stand 100:0“, sagt Werner Margreiter, Präsident des Tiroler Skiverbandes. Heute seien die Käufer in der Minderheit. 80 Prozent der Alltagsskifahrer würden ihre Ski leihen. Das liest Margreiter aus den Zahlen der Sportartikelhersteller heraus. Für den Skiverband ist das eine weniger tolle Entwicklung. „Wenn die Ski nicht zu Hause stehen, sinkt die Motivation, Ski zu fahren. Die Hemmschwelle ist größer.“

Im Sporthandel sieht man das etwas pragmatischer. Die Händler haben sich auf die geänderte Nachfrage eingestellt. Den Trend zum Skileihen macht Katrin Brugger seit dem Jahr 2000 aus. „Zuerst war der Verleih nur im Tourismus ein Thema. Dann hat sich das gedreht. Wir haben mehrere Kategorien eingeführt und verleihen so Top-Ski, die im Verkauf mehrere tausend Euro kosten.“ Brugger ist die Berufsgruppensprecherin für Sporthandel in der Wirtschaftskammer und hat ein Sportgeschäft in der Wildschönau.

Die Zuwachsraten beim Verleih und beim Service seien riesig, während der Skiverkauf gleich geblieben sei. Der Skiverleih werde flexibel organisiert. „Innerhalb einer Woche kann man sowohl den Ski als auch die Kategorie wechseln“, sagt Brugger.

In Ischgl bestätigt „Waxel-Axel“ in einem der größten Skiverleihe den Trend zum Leihen und zur Flexibilität. „Eine Woche leiht heute kaum noch jemand einen Ski. Von Freitag bis Sonntag schon eher und es wird alles kurzfristiger“, meint er. Seit elf Jahren ist der Deutsche in Ischgl und mag seinen Spitznamen „Waxel-Axel“ lieber als seinen echten. An die 150 Paar Ski verleiht Waxel-Axel an einem Wochenende. Auch in Ischgl gibt es mehrere Kategorien. Die VIP-Klasse hat im Verleih Ski jenseits der 400 Euro zu bieten. Die Exklusiv-Klasse kostet 117 Euro für drei Tage und man fährt einen Ski jenseits der 2500 € Neupreis. „Die Leihpreise sind konstant geblieben, die Ski selbst sind beim Kauf teurer geworden.“ Geliehene Ski hätten das Service schon hinter sich, ein gekaufter noch vor sich. Bei den Nationen sieht Waxel-Axel einen Unterschied. Schweizer und Österreicher hätten noch eher eigene Ski. Deutsche, Belgier, Niederländer würden zum Leihen neigen, die Russen oder die Engländer es lieben.

In weniger tourismusintensiven Gebieten schnauft so mancher Sporthändler unter der Entwicklung. Im Speckgürtel von Innsbruck lasse es sich als kleinerer Sporthänd­- ler nur schwer überleben, erzählt ein Betroffener. „Der Verkauf geht zurück. Wenn, dann kaufen alle bei den Großhändlern in Innsbruck.“ Früher habe er 100 bis 150 Ski verkauft, heute würde er mehr Ski verleihen als verkaufen. „Wir verlangen 90 Cent pro Zentimeter Körpergröße und 1,20 Euro für ganz neue Ski.“ Das Angebot würden viele Eltern im Umkreis nützen. „Da kommen sie von überall her.“ Verbitterung schwingt etwas in den Aussagen des alteingesessenen Sporthändlers mit. „Kaufen tun sie in der Stadt, wir können die Ski dann herrichten.“ Sein Geschäft in der Nähe von Innsbruck betreibt der Mann seit 50 Jahren. (aheu)