Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.02.2019


Exklusiv

Blaumachen für grüne Klimaziele: Demo auch in Innsbruck

In vielen Städten Europas, auch in Wien, gehen junge Menschen wie ihr Vorbild Greta Thunberg für den Klimaschutz auf die Straße. Auch in Innsbruck gibt es heute eine Demonstration bei der Annasäule.

So viele Teilnehmer wünscht sich Anna Perktold auch - in Berlin gingen unlängst ebenfalls Kinder und Jugendliche auf die Straße.

© dpaSo viele Teilnehmer wünscht sich Anna Perktold auch - in Berlin gingen unlängst ebenfalls Kinder und Jugendliche auf die Straße.



Von Manuel Lutz

Innsbruck — Alles fing mit Gret­a Thunberg an. Seit August geht die 16-jährige Schwedin für den Klimaschutz auf die Straße, schwänzt dafür sogar die Schule. Jugendliche in anderen Teilen Europas taten es ihr nach. Nun sollen Tirols Schüler ebenfalls ein Zeichen für die eigene Zukunft setzen.

Anna Perktold (Fridays for future Tirol): "Die Politik soll nun endlich auspacken und die Wahrheit sagen."
Anna Perktold (Fridays for future Tirol): "Die Politik soll nun endlich auspacken und die Wahrheit sagen."
- Perktold

Heute ist der offizielle Start des Freitagsstreiks, der von 10 bis 13 Uhr bei der Annasäule stattfindet. „Eigentlich ist es schon das dritte Mal", stellt Anna Perktold klar. Die 20-Jährige wurde vergangene Woche zufällig Zeugin der friedlichen Demonstration in Innsbruck und erklärte sich sofort bereit, die Organisation zu übernehmen. Mit vier Teilnehmern war die Anzahl allerdings überschaubar. Über soziale Netzwerke soll die Reichweite erhöht werden. Perktolds vorrangigster Wunsch: „Ich hoffe, mehr Leute mobilisieren zu können", so die Fritzenerin.

Perktold kennt Thunberg zwar nicht persönlich, dafür Katharina Rogenhofer. Im Rahmen eines Praktikums bei der Klimakonferenz in Kattowitz (Polen) lernte die Wienerin die schwedische Klimaaktivistin kennen. „Greta setzt so ein starkes Zeichen und hat ein so ambitioniertes Ziel. Daher beschloss ich mit einem Freund, die Initiative ,Fridays for future' in Österreich zu starten", erzählt Rogenhofer.

Greta Thunberg bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz.
Greta Thunberg bei der UN-Klimakonferenz in Kattowitz.
- imago stock&people

Auch ohne Erfahrung wurde die Demonstration am Wiener Heldenplatz vor sieben Wochen erstmals durchgeführt. „Anfangs wussten wir gar nicht, wie man eine Demo überhaupt macht. Dann haben wir uns bei der Polizei erkundigt", meint die 25-Jährige mit einem Lachen. Bei der siebten Auflage am vergangenen Freitag konnte sich die Veranstalterin bereits über 160 Gleichgesinnte freuen. Die Tendenz sei steigend.

Jugendforscher Philipp Ikrath verfolgt das Geschehen gespannt, da es kein alltägliches Szenario sei: „Es gibt grundsätzlich selten Streiks in Österreich. In Frankreich oder Italien gehen die Leute häufiger auf die Straße." Während Schülerstreiks hierzulande eine noch größere Seltenheit seien, gebe es noch einen zweiten brisanten Faktor. „Normal streiken Berufsgruppen, gesellschaftliche Gruppen hingegen nur sehr selten. Im aktuellen Fall geht es nicht um Bildungsthemen", klärt der Wiener über den Unterschied zu anderen Demos auf.

Während Thunberg schon lange in der Öffentlichkeit steht, dauerte es lange, bis die Schüler in Österreich nachzogen: „Hier passieren Dinge später, dafür gibt es keine plausible Erklärung. Greta Thunberg ist eine Galionsfigur" so Ikrath. Wie lange die heimische Jugend durchhalte, sei jedoch schwer vorauszusagen. Mit anderen gesellschaftlichen Gruppen könne sich eine größere Bewegung und somit eine soziale Dynamik entwickeln. Dennoch glaubt er, dass mit den Demos bald wieder Schluss sein könnte: „Wenn niemand zuhört, wird es sich tot­lau­fen. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Politik dafür interessiert. So werden die Teilnehmer frustriert und kehren wieder zu ihrem normalen Leben zurück."

Zudem seien konkrete Forderungen an die Regierung wichtig. Diese hat Perktold jedoch bereits gesammelt: „Die Politik soll auspacken und endlich die Wahrheit sagen und nicht länger alles unter den Teppich kehren." Ein weiteres Ziel: keine Treibhausgasemissionen bis 2025. Auf den 15. März freuen sich die beiden Aktivistinnen jedoch besonders: „Es gibt einen globalen Klimastreik. In Wien haben die Oberstufen zugesagt."

Eine neue Initiative startet bereits dieses Wochenende in Wien, wie Rogenhofer mit Stolz verkündet: „Die Jugend war vorne, nun ziehen die Erwachsenen nach. Die Bewegung nennt sich ,Fifties for future'." Für Perktold steht jedoch der heutige Tag im Fokus. Die selbstgemachten Plakate und Banner sind fertig. Um keine Ressourcen zu verschwenden, wurde alles aus Altpapier, Karton und Papiersäcken gefertigt.

Zuspruch und Hass für Greta

Von der Politik enttäuscht setzt sich die schwedische Schülerin Greta Thunberg für den Klimaschutz ein. Seit August 2018 streikt die 16-Jährige jeden Freitag die Schule. Ihr Schild „Skolstrejk för klimatet" ist gleich berühmt wie sie selbst.

Beim UN-Klimagipfel in Kattowitz im Dezember durfte Thunberg den Politikern endlich einmal ihre Meinung sagen, genauso beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Für ihre Aktivitäten erhält das Mädchen, das in ihrer Heimat wegen ihrer Zöpfe die „Pippi Langstrumpf des Klimas" genannt wird, viel Zuspruch. Die Aktivistin bekommt aber auch Hasskommentare, in denen sie zum Beispiel als „lächerliche kleine Witzfigur" bezeichnet wird. „Das bedeutet, dass sie uns als Gefahr betrachten", ist Thunberg gelassen. (m.l., dpa)