Letztes Update am Di, 19.03.2019 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Die wohlverdiente Frühjahrskur für den Garten

Während Teile Tirols noch unter einer Schneedecke liegen, wird in anderen bereits emsig gegartelt. Um sich im Sommer über prächtiges Grün freuen zu können, gilt es jetzt einige Tricks zu beachten.

Blumen: Stiefmütterchen und Narzissen kann man laut Reinhard Jäger, Seniorchef der gleichnamigen Thaurer Gärtnerei, bereits jetzt bedenkenlos setzen. Wer sich für Primeln, Ranunkeln oder Tulpen entscheidet, sollte die bei Frost mit einem Fließ abdecken.

© Vanessa Rachle / TTBlumen: Stiefmütterchen und Narzissen kann man laut Reinhard Jäger, Seniorchef der gleichnamigen Thaurer Gärtnerei, bereits jetzt bedenkenlos setzen. Wer sich für Primeln, Ranunkeln oder Tulpen entscheidet, sollte die bei Frost mit einem Fließ abdecken.



Von Judith Sam

Bäume: Schädlinge leben mit Vorliebe unter der Borke – dem abgestorbenen Teil der Rinde. Weil Herbert Jordan wenig von Spritzmitteln hält, empfiehlt er, die Borke mit einem Kratzer abzuschaben: „Aber bitte mit Vorsicht. Bäume stehen schon im Saft."
Bäume: Schädlinge leben mit Vorliebe unter der Borke – dem abgestorbenen Teil der Rinde. Weil Herbert Jordan wenig von Spritzmitteln hält, empfiehlt er, die Borke mit einem Kratzer abzuschaben: „Aber bitte mit Vorsicht. Bäume stehen schon im Saft."
- Vanessa Rachle / TT

Herbert Jordan kribbelt es schon wieder in den Fingern. Sein Rechen liegt griffbereit. Höchste Zeit, dass die Tage länger werden und die fros­tigen Nächte gezählt sind. Endlich. „Jetzt bekommt mein Garten seine wohlverdiente Kur nach dem langen Winter“, sagt der Obmann des Birgitzer Obst- und Gartenbauvereins, während sich seine Finger in den Mulch wühlen, der wie eine Decke auf dem Hochbeet liegt.

Der Garten des 64-Jährigen liegt auf 850 Höhenmetern in Birgitz: „Kaum war der Schnee der letzten Woche geschmolzen, hat meine Gartensaison begonnen. Wobei diese in Tirol je nach Höhenlage variiert.“ Die Außerferner etwa, die beim Blick aus dem Fenster hauptsächlich Weiß sehen, könnten derzeit höchs­tens Kräuter für das Fensterbrett anbauen.

Kaum war das Eis in Jordans Teich geschmolzen, hat der Obmann des Obst- und Gartenbauvereins die Umwälzpumpe aktiviert: „Jetzt ist es wichtig, das Wasser mit Sauerstoff anzureichern und Laub herauszufischen.“
Kaum war das Eis in Jordans Teich geschmolzen, hat der Obmann des Obst- und Gartenbauvereins die Umwälzpumpe aktiviert: „Jetzt ist es wichtig, das Wasser mit Sauerstoff anzureichern und Laub herauszufischen.“
- Vanessa Rachle / TT

Aber auch in den „arktischen“ Ecken Tirols wird es nicht mehr lange dauern, bis der Schnee geschmolzen ist. „Ich schätze, in drei Wochen ist es so weit“, macht Jordan Hobby-Gärtnern, die noch Schneeschuhe brauchen, um ihren Garten zu durchqueren, Mut. Für den Rentner gilt die Faustregel, dass das Inntal 14 Tage vor dem westlichen Mittelgebirge schneefrei ist.

Eine ähnliche Erfahrung hat Reinhard Jäger, Seniorchef der gleichnamigen Thaurer Gärtnerei, gemacht: „Vor drei Wochen lag der Ort noch unter einer dicken Schneedecke. Jetzt ist halb Thaur, das auf 750 Höhenmetern liegt, mit Blumen bepflanzt.“

Im Frühling gilt für Jordan die Regel: „Immergrüne von A bis A – also immergrüne Blüher wie Tujen zwischen April und August – zu trimmen.“ Dann treiben sie vor dem Winter aus und man verhindert, dass sie braun werden.
Im Frühling gilt für Jordan die Regel: „Immergrüne von A bis A – also immergrüne Blüher wie Tujen zwischen April und August – zu trimmen.“ Dann treiben sie vor dem Winter aus und man verhindert, dass sie braun werden.
- Vanessa Rachle / TT

Vor Jägers Gärtnerei sind zwei seiner Mitarbeiter gerade dabei, Stiefmütterchen zu setzen. Wenige Meter daneben, im Glashaus, finden sich Kunden in einem Meer aus Pflanzen wieder. Erste Frühlingsboten blühen in Cremeweiß, malvenfarben und in kräftigem Rot.

Kräuter: Winterharte Kräuter wie Minze, Maggikraut und Melisse setzt der Thaurer bereits jetzt ins Freie: „Basilikum hingegen ist sensibler und überlebt derzeit nur im Haus.“  Jäger empfiehlt, sie nur wenig zu gießen.
Kräuter: Winterharte Kräuter wie Minze, Maggikraut und Melisse setzt der Thaurer bereits jetzt ins Freie: „Basilikum hingegen ist sensibler und überlebt derzeit nur im Haus.“ Jäger empfiehlt, sie nur wenig zu gießen.
- Vanessa Rachle / TT

Deren Duft umschmeichelt Jäger, als er eine Aufwärmübung für die Gartensaison zum Besten gibt: „Wer jetzt Balkonblumen wie Begonien kauft, kann bis zu 1,50 Euro pro Pflanze sparen. Im April werden sie teurer.“

Herbert Jordan (Obmann Obst- und Gartenbauverein) in Birgitz.
Herbert Jordan (Obmann Obst- und Gartenbauverein) in Birgitz.
- Vanessa Rachlé / TT

Allerdings darf man die Pflänzchen noch nicht ins Freie stellen: „Bei weniger als fünf Grad erfrieren sie meist. Außerdem ist es wichtig, dass die Balkon-Kisten in einem hellen Raum stehen. Nur fünf Tage in Dunkelheit, wie in einer Garage, kann zur Folge haben, dass sie während der nächsten acht Wochen nicht blühen.“

Genug der Gartentipps? Natürlich nicht. Für alle, deren Rechen, Schere und Spaten griffbereit liegen, haben die Garten-Experten noch einige Ratschläge parat.