Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.03.2019


Alpenüberquerung

Extremtour: Knapp 29 Stunden über die Alpen

Der deutsche Skibergsteiger Benedikt Böhm entschied sich kurzfristig, in einem Zug die Alpen von Ruhpolding über Tirol nach Kasern zu überqueren.

Skibergsteiger Benedikt Böhm

© Skibergsteiger Benedikt Böhm



Seit wann hatten Sie die Idee zu dieser Tour und wie lange haben Sie dafür trainiert?

Benedikt Böhm: Ich bin letztlich schon mein halbes Leben Skibergsteiger. 2006 habe ich diese Tour mit Freunden gemacht, mit zwei Übernachtungen. Vor ein paar Wochen kam bei einem Essen die Idee, da heuer auch so ein super Winter ist, das Gleiche nochmal zu machen — aber ohne Pause.

Und ihre Freunde waren sofort begeistert?

Böhm: (lacht) Nein, sie sagten, ich kann es alleine machen. Aber sie wollten mir helfen. Es wollten mich immer zwei Personen pro Etappe begleiten. Alleine wäre es unmöglich, schon wegen der Psyche, das hätte ich in 28 Stunden und 45 Minuten schon durch die Suche nach dem Weg nicht geschafft.

Gab es einen Moment, an dem Sie nicht mehr weitermachen wollten?

Böhm: Nach einem Drittel der Strecke habe ich gemerkt, dass ich Blasen bekomme. Meine Rettung war, dass ich bei Hochfilzen mal fünf Kilometer aus den Skischuhen rauskonnte und mit Laufschuhen weitergegangen bin.

Haben Sie auch eine kurze Pause eingelegt?

Böhm: Beim letzten Aufstieg musste ich das erste Mal kurz stehen bleiben beim Laufen, da ich was essen musste.

Wie war es, das Ziel dann so kurz vor Augen zu haben?

Böhm: Es war eigenartig, ich dachte, es sind nur noch acht Kilometer, aber es ging immer weiter und weiter. Ich bin eigentlich wie eine Höhenmessuhr und kann das genau einschätzen. Aber die Ziellinie hat sich nach hinten verschoben. Da bringt es auch nichts, wenn man innerlich flucht. Als das Ziel sichtbar war, war ich heilfroh.

Wie war die letzte Abfahrt?

Böhm: Ich hatte leichten Bammel. Die Beine waren sehr schwer. Und in den Tagen hat man jedes Wetter erlebt, auch starken Regen. Aber es war ein Genuss.

Das Interview führte Manuel Lutz