Letztes Update am Do, 28.03.2019 06:27

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Zukunft der Luftfahrt: Der Nahverkehr geht nun in die Luft

Die Zukunft der Mobilität hat angefangen. Vergangenen Montag stellte Airbus seine Passagierdrohne vor. Was noch surreal klingt, ist in Guangzhou bereits Realität. Ein heimisches Unternehmen ist federführend. Die breite Masse muss noch warten.

Der Airbus-Konzern stellte vergangenen Montag den CityAirbus erstmals im Original vor.

© www.imago-images.deDer Airbus-Konzern stellte vergangenen Montag den CityAirbus erstmals im Original vor.



Von Manuel Lutz

Der Traum vom Fliegen begleitet den Menschen ja schon seit der griechischen Mythologie. Wie es die Geschichte erzählt, erfand Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn Ikarus. Der Übermut tat Ikarus nicht gut, so flog der Junge zu hoch und die Sonne schmolz das Wachs an seinen Flügeln und er stürzte ab. Ein Flugzeug ist für den Menschen zwar nichts Neues mehr, im Nahverkehr zukünftig in die Luft zu gehen, jedoch noch ein Traum. Dieser Wunsch könnte bald in Erfüllung gehen. Dies ist möglicherweise aber ein waghalsiges Unterfangen.

In China fliegt Passagierdrohne

Fliegende Autos begleiten die Menschen in Kinofilmen wie beispielsweise in „Blade Runner“ seit Jahren. Nun ist man der Revolution wieder einen Schritt näher gekommen: Am vergangenen Montag stellte Flugzeugbauer Airbus seinen „CityAirbus“ in Ingolstadt vor. Probeflüge der Passagierdrohne erfolgen anfangs auf einem Testgelände in Bayern, Mitte des Jahres folgen Praxistests. Günter Emberger vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien findet es einen spannenden Ansatz: „Technologisch ein interessantes Ding.“ Dennoch sieht der Verkehrsplaner jetzt schon einige Probleme für das innovative Vorhaben. „Technische Daten habe ich dazu keine gefunden. Massenhaft kann ich es mir nicht vorstellen.“ Der hohe Energieaufwand sei ein zentrales Problem.

Während sowohl Airbus als auch Boeing glauben, einen Zukunftsmarkt entdeckt zu haben und eine Alternative zu fahrenden Taxis, Bussen und U-Bahnen zu schaffen, gibt Emberger zu bedenken: „Die Verlässlichkeit bei schlechtem Wetter oder auch starkem Wind oder Föhn, wie es zum Beispiel oft in Tirol der Fall ist, ist fraglich. Dann bräuchte man erst recht wieder einen Zug und muss beide Infrastrukturen aufrechterhalten.“

Zudem wird es auch eine Frage der Sicherheit werden. Andreas Perotti vom oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC kann hier jedoch beruhigen. Zusammen mit dem chinesischen Start-up EHang wurde eine Passagierdrohne in Österreich zur Realität: „Um es vereinfacht zu erklären: Die Hardware kommt von uns, die Software von unserem chinesischen Partner.“

Im Spätsommer startet Verkauf

Das Gefährt legte in den vergangenen fünf Jahren bereits einige Kilometer auf Teststrecken sowie in der chinesischen Stadt Guangzhou zurück: „Wir sind weltweit marktführend, unsere Passagierdrohnen haben schon 7000 Flugstunden gesammelt und wir haben in Asien bereits die Genehmigung, um täglich zu fliegen. Getestet wurden die Drohnen auch bei Taifunen, Sicherheit ist gewährleistet.“ Eine Stadt wie Paris bräuchte so zum Beispiel 3000 Drohnen, um einen reibungslosen Transport zu gewähren. „Die Drohnen kommunizieren miteinander, aktuell ist es möglich, dass 5000 Drohnen durch die Luft fliegen“, gibt Perotti einen Einblick.

Das mit Elektromotoren betriebene Gefährt soll es so in drei Varianten geben: Neben einem Einsitzer sowie einem Zweisitzer soll auch die Logistik und somit der Transport von Gütern in die Luft verfrachtet werden: „Wir können derzeit 270 Kilogramm transportieren.“

Heuer im Spätsommer sollen die ersten Drohnen verkauft werden. Perotti rechnet damit, dass in China in zwei bis drei Jahren alles geregelt ist und die Menschen mit eigenen Drohnen sich fortbewegen können. Was in Asien also schon möglich ist, soll in Europa folgen. Auch wenn die Technik schon weit fortgeschritten ist, wird es aber wohl noch länger dauern, bis es umgesetzt werden kann. „Es gibt hier viele offene Fragen, wie zum Beispiel die Haftung, wir sind daher noch sehr, sehr weit weg. Wenn es in China erlaubt ist, wird es bei uns wohl noch zehn Jahre dauern“, so Perotti.

Trotz der fortschrittlichen Forschung wird es wohl ein Nischenprodukt bleiben, wie Emberger glaubt: „Die Drohne werden sich nur die Reichen leisten können. Und die können jetzt mit dem Hubschrauber fliegen.“ So halte Emberger als Verkehrsplaner nichts davon.

Laut Perotti sei das Ziel, die urbane Mobilität durch den Luftraum flächendeckend möglich zu machen: „Es ist für Megastädte gedacht. Die Grundbedürfnisse der Mobilität können nicht mehr befriedigt werden.“ So plant Uber beispielsweise schon 2023 in den USA, Gäste mit einem Lufttaxi zu transportieren.

Die Passagierdrohne von Ehang.
Die Passagierdrohne von Ehang.
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