Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.03.2019


TT-Tourentipp

Der Kleine Kaserer: Die Königstour im Schmirntal

Nichts für Anfänger ist die Tour auf den Kleinen Kaserer im Schmirntal. Doch dem erfahrenen Tourengeher bietet der 3093-Meter-Berg jetzt alles, was das Herz begegehrt.

Das urtümliche Wildlahnertal mit Olperer (l.) und Fußstein von der Issalm aus gesehen.

© SpadingerDas urtümliche Wildlahnertal mit Olperer (l.) und Fußstein von der Issalm aus gesehen.



Von Peter Spadinger

Schmirn – Das Schmirntal, östliches Seitental des Wipptals kurz vor dem Brenner, ist zum einen für seine Schneesicherheit, zum anderen für seine große Auswahl an unterschiedlichsten Skitouren bekannt. Von der nicht allzu langen und unschwierigen Wald-Tour auf die Leitenspitze über die spektakuläre Jenneweinrinne auf die Gammerspitze bis zur abwechslungsreichen Tour auf die Schoberspitze gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Sucht man nach Skitouren in Literatur oder Internet, trifft man allerdings immer wieder auf Superlative, wenn es sich um eine ganz bestimmte Tour handelt, nämlich jene auf den Kleinen Kaserer. Die Königstour des Tales sei sie. Um zu sehen, ob dem wirklich so ist, haben wir sie letztes Wochenende gemacht.

So kommt man hin: Vom Wipptal fährt man bei St. Jodok ins Schmirntal. Etwa einen Kilometer nach dem Hauptort Schmirn gelangt man zum Ortsteil Toldern, wo man rechts ins Wildlahnertal abzweigt. Nach einem weiteren knappen Kilometer endet die Straße, dort befinden sich ausreichend kostenfreie Parkplätze.

Gleich beim Parkplatz überqueren wir auf einer kleinen Brücke den Wildlahnerbach und testen beim dort aufgestellten Check die Funktionstüchtigkeit unserer Lawinenverschüttetensuchgeräte. Von Anfang an hat man nun stets die zwei mächtigen und sehr charakteristischen Gipfel von Olperer und Fußstein im Blick, auf welche man geradeaus zusteuert.

 Von hier geht’s noch etwa eine halbe Stunde entlang des spitzen Grates zum Gipfel.
Von hier geht’s noch etwa eine halbe Stunde entlang des spitzen Grates zum Gipfel.
- Spadinger

Über einen Forstweg bzw., wo es möglich ist, die Kehren durch das nicht allzu steile Gelände abkürzend, erreicht man nach etwa einer Dreiviertelstunde die schön gelegene Issalm, auch Wildlahneralm genannt.

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Hier hat man die Waldgrenze erreicht, und der Blick auf die hohen Gipfel und den markanten Olperergletscher wird noch eindrucksvoller. Die Wildnis und Unberührtheit des Tales wird einem hier ganz besonders bewusst, man sieht auch deutlich, dass das Tal seinen Namen nicht zu Unrecht trägt.

Steile Flanken säumen das Tal, und man quert auch immer wieder die Überreste abgegangener Lawinen. Nach einem kurzen Flachstück im Bereich der Alm hat man eine erste Steilstufe zu überwinden, die man entlang des Baches bzw. etwas weiter östlich meistert. Nun tut sich schön gestuftes Skigelände auf, steile und flache Passagen wechseln sich ab. Und man sieht bereits deutlich das Ziel, das es anzuvisieren gilt: die Höllscharte, das Ende einer nach oben hin immer schmäler und steiler werdenden Rinne. Um zu dieser zu gelangen, queren wir nach links, bleiben dabei etwas unterhalb des Wetterkreuzes – ein kleines, aber gut sichtbares Kreuz auf einem vorgelagerten Hügel – und steuern geradewegs die Scharte an.

Ein interessanter Kontrast zur restlichen Tour: der Blick aufs Skigebiet Hintertuxer Gletscher.
Ein interessanter Kontrast zur restlichen Tour: der Blick aufs Skigebiet Hintertuxer Gletscher.
- Spadinger

In unzähligen Spitzkehren geht es hinauf zur knapp 3000 Meter hohen Einsattelung. Hat man diese erreicht, ist es sehr abrupt vorbei mit Beschaulichkeit und Wildnis, denn man hat nun plötzlich das Gletscherskigebiet von Hintertux im Blickfeld.

Wir wenden uns nun nach links und können noch ein paar Höhenmeter mit den Skiern aufsteigen, bevor wir diese zurücklassen und den letzten Teil der Tour zu Fuß zurücklegen. Gleich vorweg: Wer nicht schwindelfrei ist, sollte den folgenden Teil unbedingt auslassen und hier die verdiente Rast einlegen.

Besonders schwierig ist der Aufstieg zwar nicht, aber es gibt einige Stellen, wo es sehr schmal ist und auf beiden Seiten steil hinunter geht. Nach etwa einer halben Stunde Stapferei, leichter Kletterei und einigem Auf und Ab erreicht man schließlich den Gipfel. Neben dem atemberaubenden Panorama, das man hier genießen kann, sieht man nun auch den zweiten möglichen Anstieg auf diesen Gipfel: Von Kasern im Talschluss des Schmirntals durch den ziemlich flachen Kaserer Winkel und dann sehr, sehr steil herauf zum Gipfel.

Warum hier alles Kasern oder Kaserer heißt, beantwortet der Schmirner Bürgermeister Vinzenz Eller: „Das hat nichts mit Käserei zu tun, wir hier bezeichnen die Almhütten als Kasern, nach diesen ist sehr vieles bei uns im Tal benannt.“ Warum es auch einen Falschen Kaserer gibt, weiß aber selbst der Bürgermeister nicht genau. „Vielleicht hat einmal einer den falschen Gipfel erwischt und ihn dann so benannt“, lacht er.

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Die Abfahrt erfolgt mehr oder weniger entlang der Aufstiegsspur und ist bei entsprechender Schneelage ein absoluter Genuss. Sie ist so abwechslungsreich, dass wir bei unserem Besuch sowohl Pulver als auch Firn vorgefunden haben, leider auch einige nicht so angenehme Zwischenstufen.

Hat man die etwas mehr als 1500 Höhenmeter hinter sich gelassen, kann man dann auf der Terrasse des Gasthofs Olpererblick in Toldern die Tour Revue passieren lassen und nochmals den sensationellen Blick auf Olperer und Fußstein auskosten.

Fazit: Alle Lobeshymnen, die auf diese Tour gesungen werden, sind mehr als gerechtfertigt, bei entsprechenden Bedingungen ein absolutes Highlight.