Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 31.03.2019


Innsbruck

Zeitreise durch Innsbruck: 1900 gab es ein öffentliches Frauenklo

Ins Innsbruck der Jahrhundertwende entführt die 3D-TimeTour. Dank VR-Brille und spezieller App kann man die Stadt von früher erleben.

Ab sofort kann man die Touren im Netz unter www.timetour.studio buchen.

© Vanessa RachléAb sofort kann man die Touren im Netz unter www.timetour.studio buchen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck — Wir treffen Gordon Grusdat, der das Konzept von TimeTour entwickelt hat, und unseren Führer Thomas Jabinger, der abwechselnd mit Alexandra Mairhofer Einheimische und Touristen durch Innsbruck begleitet, beim Waltherpark. Grusdat erklärt uns das Konzept, das einzigartig in Österreich ist. Virtual-Reality-(VR)-Angebote gibt es zwar schon in geschlossenen Räumen, aber in Innsbruck geht man einen Schritt weiter. „Wir wollten das Ganz­e auf die Spitze treiben, man geht durch die Stadt, sieht die alten Ansichten und kann das Historische mit dem Ist-Zustand vergleichen", sagt Grusdat.

Steht man vor der Hofburg, schweift der Blick hinüber zum Stadttheater und zu den damaligen Stadtsälen.
Steht man vor der Hofburg, schweift der Blick hinüber zum Stadttheater und zu den damaligen Stadtsälen.
- timeTour

90 Minuten lang — „Thomas überzieht gerne", sagt der Erfinder lachend — wird uns Jabinger, er ist auch Geschichtslehrer, durch ein Innsbruck führen, in dem es vieles noch nicht gab und anderes die Jahrhunderte nahezu unverändert überstanden hat. Die Führung funktioniert so, dass eine App, sie wurde von der Tiroler Firma „wunu webLab" gestaltet, aufs Handy heruntergeladen wird. Sie stellt 3D-Bilder zur Verfügung. In historischen Archiven wurde recherchiert, wie die Stadt um 1900 aussah. „Wir mussten verschiedene Zeichnungen und Fotos vergleichen, die Künstler waren recht großzügig bei der Nachbildung", erzählt Grusdat. Das Handy kommt in die Brille. Wir brennen darauf, diese endlich aufsetzen zu können, aber: „Jetzt müssen die Leute die Augen schließen, dann erzählen wir noch etwas", verrät Grusdat. So wird die Spannung erhöht. Wir queren die Innbrücke und bleiben beim Wach-Kreuz stehen. Nun dürfen wir das Wunderding — die Brille kostet nur 9 Euro, das Know-how liegt in der App — anwenden. Ein Rundblick zeigt: Die Brücke war nicht aus Beton, sondern aus Eisen.

 Hier hat die Fotografin die gleiche Perspektive auf das Landestheater und das „Haus der Musik“ gewählt.
Hier hat die Fotografin die gleiche Perspektive auf das Landestheater und das „Haus der Musik“ gewählt.
- Vanessa Rachlé

„Auf einem Punkt stehen bleiben und drehen", rät Jabinger, der auch als Aufpasser fungiert. Schon spürt man den Hauch eines Radfahrers, der unerlaubt am Gehsteig fährt — Glück gehabt!

Thomas Jabinger führt uns und passt auf uns auf.
Thomas Jabinger führt uns und passt auf uns auf.
- Vanessa Rachlé

Jabinger macht uns auf die Häuschen vor der Ottoburg aufmerksam. „Das waren Bedürfnisanstalten. Damals gab es in Innsbruck nur fünf davon, für Damen gar nur ein Klo." Dieser Missstand wurde sogar in den Innsbrucker Nachrichten thematisiert. Wir gehen, ohne Brille, zum Goldenen Dachl. Dort gibt es nur kurze Anmerkungen. „Es hat sich kaum verändert", sagt Jabinger. Grusdat ergänzt, dass die App künftig dafür gedacht sei, Touristenströme in Innsbruck zu lenken. „Als Weiterentwicklung ist geplant, die Geräte ohne Führer und mit einer Orientierungsapp anzubieten", sagt er. Vor der Hofburg bietet sich uns ein Blick aufs Landestheater, das damals Stadttheater hieß. Unser Guide erzählt, dass dort um 1900 ein Ball stattfand, der sich mit dem Leben im Jahr 2000 beschäftigte. Teilweise waren die Annahmen nicht weit von der heutigen Wirklichkeit entfernt.

Wir landen in der Innsbrucker Prachtstraße. Die Maria-Theresien-Straße war das erste historische Bild, das vorlag. „Toll bei der Technik ist, dass sich die Ansicht stets räumlich richtig ausrichtet", sagt Grusdat. Schlusspunkt ist die Triumphpforte.

Hier endeten einst die Grenzen der Stadt. Wilten war damals noch ein Dorf. Wir blicken durch die Brille und sehen Innsbruck im Jahr 2165. So viel sei verraten: Alles wird besser und grüner.