Letztes Update am Sa, 06.04.2019 10:10

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Schauspieler Heino Ferch: „Wir alle sind mit Ängsten konfrontiert“

Schauspieler Heino Ferch spielt in der Thriller-Reihe „Spuren des Bösen“ einen unnahbaren Verhörspezialisten. Ein Gespräch über diese wortkarge wie herausfordernde Rolle.

Heino Ferch: Über seine Rollen spricht er gerne, über sein Privatleben weniger.

© Imago, ORFHeino Ferch: Über seine Rollen spricht er gerne, über sein Privatleben weniger.



Im siebten Teil „Wut“ der ORF-Thriller-Reihe „Spuren des Bösen“ verkörpern Sie den Verhörspezialisten Richard Brock. Um wessen Wut geht es hier?

Heino Ferch: Die Reihe funktioniert so: Es passiert etwas Außergewöhnliches, und Brock wird immer als Verhörspezialist zum Fall hinzugezogen. Diesmal stehen jedoch psychische Abnormitäten nicht so sehr im Vordergrund. Es gibt eine besondere Konstellation: Alle bisherigen Polizisten, die in den vorherigen Filmen eine Rolle gespielt haben, tauchen wieder auf. Tobias Moretti allerdings ist neu, er ist der Stargast dieses Films und verkörpert einen Polizisten, der durchdreht, weil er mit der Korruption nicht mehr klarkommt. Es geht um offene Rechnungen, Erpressung, um fatale Abhängigkeiten. Es ist ein psychologisches Action-Drama.

Haben Sie schon einmal einen Verhörspezialisten getroffen? Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ferch hätte auch mal Lust, in einem Musical mitzuwirken. Der Schauspieler hat eine Tanzausbildung absolviert.
Ferch hätte auch mal Lust, in einem Musical mitzuwirken. Der Schauspieler hat eine Tanzausbildung absolviert.
- Imago, ORF

Ferch: Zu Beginn der Reihe habe ich mit dem Kriminalpsychologen Thomas Müller gesprochen. Der gebürtige Innsbrucker ist ein bekannter Profiler. Wir haben aber mit Martin Ambrosch einen Drehbuchautor, der sich sehr gut mit psychischen Abnormitäten auskennt. Mit ihm kann ich mich austauschen. Und es gibt psychologische Hilfskräfte an der Universität Wien, die mich unterstützen, wenn Ambrosch mir keine Antworten liefern kann. Wie man etwa nach einer Morphium-Gabe beisammen ist, habe ich von einem Arzt erfahren. Hintergrundwissen ist immer von Vorteil, aber für einen Schauspieler geht es vor allem darum, sich eigenständig in die Dramaturgie einer Rolle einzuarbeiten.

In diesem Film ist alles in tiefe Dunkelheit getaucht. Haben Sie nachts gedreht?

Ferch: Wir drehen „Spuren des Bösen“ meist in den Wintermonaten, bei Einbruch der Dunkelheit. Die Dreharbeiten wurden so geplant, damit man sich nicht ganze Nächte um die Ohren schlagen muss. Die Dunkelheit ist aber echt. Der Zuseher taucht in eine apokalyptische Nacht ein.

Sie wohnen in der Gegend von München. Leben Sie für die Zeit der Dreharbeiten in Wien?

Ferch: Ja, ich verbringe einige Wochen im Jahr in Wien. Ich liebe Öster­reich. Ich habe in Salzburg studiert, und ich mag die Lebensweise, den Schmäh. Es ist alles ein bissl künstlerischer, ein bissl langsamer, sinnlicher.

Wie war die Zusammenarbeit mit Tobias Moretti?

Ferch: Wir kennen uns seit 20 Jahren, und wir haben schon öfters miteinander gearbeitet. Es war von vornherein klar, dass Moretti den Amok-laufenden Polizisten spielen muss. Die Rolle wurde auf ihn zugeschnitten.

2017 erhielt Ferch eine Bambi-Auszeichnung.
2017 erhielt Ferch eine Bambi-Auszeichnung.
- AFP

Dürfen Sie verraten, wie es mit Brock weitergehen wird?

Ferch: Ich kann vorab Folgendes verraten: Der achte Teil der Reihe nennt sich „Sehnsucht“. Brock wird im Rollstuhl sitzen. Er ist in Reha und in einer verzweifelten Situation. Er kann also nicht mehr davonrennen, nicht vor den anderen und auch nicht vor sich selbst. Er ist zur Selbstreflexion gezwungen. Die Figur wird menschlicher, emotionaler. Ende des Jahres wird der neunte Teil gedreht. Das wird ein Showdown.

Brock ist ein eher wortkarger, aber analytischer Mensch. Eine schwierige Rolle?

Ferch: Gerade das schätze ich an dieser Figur. In der Schauspielerei sind ein Blick oder eine Geste oftmals entscheidender als die Sprache. Das gibt auch dem Zuseher Raum für eigene Interpretationen.

Brock ist unerschrocken. Sind Sie selbst ein ängstlicher Mensch?

Ferch: Brock ist ein Analytiker. Damit schützt er sich. Ich denke, wir alle sind mit Ängsten konfrontiert. Meist ist man viel mehr damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was Angst erzeugen könnte. Wenn man Kinder hat, kommen Ängste hinzu, von denen man nie geahnt hätte, dass es sie gibt.

Wie erklären Sie sich die Begeisterung des Publikums für das Krimi-Genre?

Ferch: Verbrechen besitzen eine menschliche Komponente. Jeder von uns kann in eine Situation geraten, die ihn Dinge tun lässt, die vorher unvorstellbar waren. Die Beschäftigung und das Interesse für das Genre wird deshalb wohl nie abreißen. Menschliche Abgründe sind einfach faszinierend.

Sie haben eine Tanzausbildung absolviert. Kommt bei Ihnen nie der Wunsch auf, die düsteren Krimis hinter sich zu lassen und bei einem Musical mitzuwirken?

Ferch: Darauf hätte ich große Lust. Ich bin ja auch dreimal in der Manege von Zirkus Krone aufgetreten, aber ich bin derzeit relativ viel unterwegs und mit Dreharbeiten ausgelastet. Da ich drei Kinder habe, verbringe ich die Drehpausen mit meiner Familie. Das ist immer eine sehr intensive, eine sehr wichtige Zeit.

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl

Info: ORF-Premiere: „Spuren des Bösen – Wut“ läuft morgen Abend (7. April) um 20.15 Uhr auf ORF2.