Letztes Update am So, 07.04.2019 06:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Neue TT-Serie: Start frei für eine erfolgreiche Gartensaison

Mit den ersten Sonnenstrahlen und zarten Trieben bekommen Pflanzenliebhaber Frühlingsgefühle. Warum Grün Sinn macht und Geduld aus jedem einen guten Gärtner, verrät Expertin Andrea Heistinger. Plus: Wir begleiten Sie durch das Gartenjahr – mit tollen Geschichten und vielen Tipps.

Andrea Heistinger plädiert für ein gutes Gefühl beim Gärtnern. Von der richtigen Erde über den
Anbau bis zur Pflanzenkunde führt sie durch das gesamte
Gartenjahr. Der Schwerpunkt liegt auf Bio. (Löwenzahn Verlag, 184 Seiten; 24, 90 Euro).

© Rupert PesslAndrea Heistinger plädiert für ein gutes Gefühl beim Gärtnern. Von der richtigen Erde über den
Anbau bis zur Pflanzenkunde führt sie durch das gesamte
Gartenjahr. Der Schwerpunkt liegt auf Bio. (Löwenzahn Verlag, 184 Seiten; 24, 90 Euro).



Von Deborah Darnhofer

Noch regieren in vielen Tiroler Gärten die Brauntöne. Der Rasen erholt sich vom schneereichen Winter nur langsam. In der Hecke dominieren die blätterlosen Äste, im Gemüsefeld und Kräutergarten die nackte Erde. Doch grüne Hoffnungsschimmer machen sich schon breit. Kleine Blätter strecken sich empor. Magnolien blühen in zartem Rosa, ortsweise strahlt der Ginster mit der Sonne um die Wette, erste Tulpen sorgen für Farbtupfer. Kein Wunder, dass es den Hobbygärtnern schon in den grünen Daumen juckt.

Noch sind die Daumen hautfarben. In den kommenden Monaten können die TT-Leser Deborah Darnhofer und Judith Sam (r.) dabei begleiten, wie aus zwei Grünschnäbeln Gartenprofis mit hoffentlich grünem Daumen werden.
Noch sind die Daumen hautfarben. In den kommenden Monaten können die TT-Leser Deborah Darnhofer und Judith Sam (r.) dabei begleiten, wie aus zwei Grünschnäbeln Gartenprofis mit hoffentlich grünem Daumen werden.
- Thomas Boehm / TT

Doch nicht so schnell, noch wollen Schnee und Kälte in Teilen Tirols nicht völlig weichen. Sei es bei der Anzucht oder dem Einsäen, wer es nicht mehr erwarten kann, der bekommt jetzt eiskalt die Rechnung präsentiert. Der Temperatursturz dieser Tage hat es bewiesen. Für viele Pflanzen ist es noch zu früh. Die Eisheiligen markieren vom 11. bis 15. Mai die magische Grenze. Wärmeliebhabende Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Zucchini haben bis dahin draußen nichts verloren. Da können Ehrgeiz und Willen der Gärtner auch nichts daran ändern. Sie müssen sich jetzt etwa mit Pflücksalaten, Radieschen und Spinat begnügen, die überstehen auch kalte Temperaturen.

Der Garten lehrt Geduld

So ist Geduld die erste Lektion, die der Garten lehrt, meint die freie Agrarwissenschafterin und Buchautorin Andrea Heistinger aus St. Pölten. „Der Garten verlangt Geduld mit sich selbst. Nirgends kann man so gut scheitern lernen wie dort“, sagt sie.

Markus Phlippen beschreibt
die 50 wichtigsten Gemüse- und Kräuterarten sowie Anbau- und Verarbeitungstricks. Naturnähe, Selbstversorgung und Nachhaltigkeit sind ihm wichtig. (Becker Joest Volk Verlag, 432 Seiten; 41,10 Euro).
Markus Phlippen beschreibt
die 50 wichtigsten Gemüse- und Kräuterarten sowie Anbau- und Verarbeitungstricks. Naturnähe, Selbstversorgung und Nachhaltigkeit sind ihm wichtig. (Becker Joest Volk Verlag, 432 Seiten; 41,10 Euro).
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Dabei kann Scheitern immer auch einen Mehrwert bedeuten. Einerseits bringt einen jeder Fehler dem eigenen grünen Paradies näher, andererseits können Anzuchtexperimente immer noch den Kompost bereichern. Das passiert selbst Gartenprofis. Jeder kann sich zu einem guten Gärtner entwickeln, meint Heistinger. Zeit und Gespür sind dafür nötig. Für jeden Geschmack und Charakterkopf ist ein Kraut gewachsen. Gerade im Grünen sind die Möglichkeiten verlockend.

Egal, ob das grüne Fleckchen riesengroß oder winzig klein ist, oder sich vor dem Haus, am Balkon oder der Fensterbank befindet: Mit Samen und Pflanzen, guter Erde, ein wenig Wasser, weitem Setzabstand und der richtigen Pflege werden Gartenträume schnell wahr. Heistinger vergleicht es dabei gerne mit den Gärtnern: Jeder ist einzigartig.

Christa Weinrich ist Ordensfrau und Gartenbauingenieurin. Ob es ums Gießen, Kompostieren, den Pflanzenschnitt oder die Lagerung der Ernte geht – die Klosterschwester gibt Einblick in ihren Erfahrungsschatz (Kosmos, 160 Seiten; 16,99 Euro).
Christa Weinrich ist Ordensfrau und Gartenbauingenieurin. Ob es ums Gießen, Kompostieren, den Pflanzenschnitt oder die Lagerung der Ernte geht – die Klosterschwester gibt Einblick in ihren Erfahrungsschatz (Kosmos, 160 Seiten; 16,99 Euro).
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„Kein Garten gleicht dem anderen.“ Dasselbe gilt auch für die unzähligen Pflanzensorten. Daher gilt es, vor dem Anbau die individuellen Pflegetipps auf den Packungen, in Büchern oder im Internet zu studieren, Expertentricks im Fachhandel einzuholen oder den talentierten Nachbarn auf einen Plausch zu laden.

Doch Achtung, wer sich einmal am Gärtnern versucht, könnte schnell vom Gartenvirus befallen sein. Dabei sind die Risiken und Nebenwirkungen so vielfältig wie die Natur: Dreck unter den Nägeln, Sonnenbrand im Nacken, Freude und Verzweiflung, aber auch entspannte Stunden, Augenschmaus, Grillabende und volle Teller. In jedem Fall gedeihen im Grünen kleine und große Abenteuer. „Der Garten ist ein Ort unter freiem Himmel. Hier kann man den Kräften der Natur unmittelbar begegnen und erleben, was Wachstum bedeutet“, erklärt Heis­tinger ihre Liebe zum Gärtnern.

Für leidenschaftliche Gartler und Asketen im Grünen: Mascha Schacht gibt Tipps, wie jeder zum
Blumenspezialisten wird und sich ein blühendes Paradies schaffen kann (Verlag Eugen Ulmer, 160
Seiten; 24,90 Euro).
Für leidenschaftliche Gartler und Asketen im Grünen: Mascha Schacht gibt Tipps, wie jeder zum
Blumenspezialisten wird und sich ein blühendes Paradies schaffen kann (Verlag Eugen Ulmer, 160
Seiten; 24,90 Euro).
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In ihrem neuen Buch „Wühl dich glücklich“ (Löwenzahn-Verlag) plädiert sie außerdem für ein Lebensgefühl, das der Garten birgt. An Ernteerfolg, Blütenmeer und Kräuterwiese denkt die Expertin natürlich auch. Doch im Garten will sie einen Sinn des Lebens erkennen, der sich im guten Gefühl des Gärtnerns ausdrückt.„Es ist nicht nur die Frage, was wir aus dem Garten machen, sondern, was der Garten aus uns macht“, erklärt sie. So wird der Garten zu einem „Spiegel meines Selbst“.

Rückkehr zu mehr Natürlichkeit

Im Falle von Heistinger ist die Reflexion von Natürlichkeit geprägt. Zusammen mit Nachhaltigkeit und dem Verzicht chemischer Mittel ist es eine große Wiederentdeckung der heutigen Zeit. So widmet sie sich in ihrem neuen Buch speziell dem Biogarten. Der bringe Vorteile für Mensch, Tier und Pflanze. In vielen Privatgarten werden aber nach wie vor Blaukorn oder andere synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht, berichtet die Agrarwissenschafterin. Dabei gäbe es längst genügend natürliche Alternativen, wie etwa Schafwolle als Dünger und Brennnesseljauche als Pflanzenschutz.

Einen pflegeleichten Garten mit wenig Zeitaufwand hat Brunhilde Bross-Burkhardt im Sinn. Zeitfressern, wie Unkraut-Jäten, Gießen usw. stellt sie viele praktische Tipps zur Arbeitserleichterung gegenüber. (Haupt Verlag, 192 Seiten; 26,80 Euro).
Einen pflegeleichten Garten mit wenig Zeitaufwand hat Brunhilde Bross-Burkhardt im Sinn. Zeitfressern, wie Unkraut-Jäten, Gießen usw. stellt sie viele praktische Tipps zur Arbeitserleichterung gegenüber. (Haupt Verlag, 192 Seiten; 26,80 Euro).
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Bei Schädlingsbekämpfung und Pflanzenschutz ist es eine Frage der Perspektive. Dabei gilt es, „umfassender zu denken“, plädiert die Niederösterreicherin. „Viele Unkräuter und Schädlinge zeigen an, dass das ökologische Gleichgewicht nicht stimmt.“

Im Idealfall bewohnen den Garten nämlich auch viele Nützlinge, wie Marienkäfer, Schlupfwespen und Schwebfliegen, welche Läuse und andere ungebetene Gäste gerne vertilgen. Durch Thujenhecken und monotone Rasenflächen finden die nützlichen Insekten und Vögel aber keinen Unterschlupf und keine Nahrung. Dadurch gerät nicht nur der Garten, sondern auch die Artenvielfalt in Gefahr. Und das passiert nicht im Schneckentempo, wie die jüngsten Forscherberichte zum Artensterben zeigen. Gerade Insekten und Vögel sind davon massiv betroffen.

Je mehr Beton einen Menschen umgibt, desto größer dessen Drang, Gras unter den Zehen zu spüren. Renate Künast und Victoria Wegner erzählen die Geschichte urbaner Gärten in internationalen Städten. (Callwey Verlag, 176 Seiten; 29,90 Euro).
Je mehr Beton einen Menschen umgibt, desto größer dessen Drang, Gras unter den Zehen zu spüren. Renate Künast und Victoria Wegner erzählen die Geschichte urbaner Gärten in internationalen Städten. (Callwey Verlag, 176 Seiten; 29,90 Euro).
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Apropos Schnecken: Ihre schleimigen nackten Vertreter sind den Gärtnern alljährlich ein lästiger Graus. Statt Gift und Schere eignen sich wiederum angelockte Igel und Vögel – oder spezielle, abgebogene Umrandungen, wodurch die Schnecken nicht das Beet erreichen.

Dass sie auch von schlechter Erde angelockt werden, dürften viele nicht wissen. „In einem Garten mit einem hohen Humusgehalt in der Erde, der lange biologisch bewirtschaftet wurde, gibt es keine Nacktschnecken. Die Schnecken befinden sich überall dort, wo ungünstige Fäulnisprozesse im Boden stattfinden“, weiß Heistinger. Zurück zur Natur sollte eben gerade im Garten kein wirkungsloser Spruch sein.

Doch zu jedem Trend gibt es bekanntlich einen Gegentrend. Der Expertin zufolge verwandeln sich nicht wenige Gärten neben blühenden Refugien gerade in eintönige Rasenlandschaften oder „Steinwüsten“. Die Wiese wird mit pflegeleichten hellen Steinchen zugeschüttet oder der fruchtbare, buntgemischte Bauerngarten aus Omas Zeiten durch Hochbeete ersetzt. Zumindest den Trend der hochgewachsenen Beetboxen sieht Heistinger in diesem Jahr gebrochen. Den „Steinwüsten“ setzt die Natur selbst etwas entgegen: vermehrte, unansehnliche Algenbildung. Dem Wachstum im Garten kommt offensichtlich niemand aus, so kann das Gartenjahr beginnen.

Ein wildes Kräutchen im Garten muss nicht immer ausgerupft werden. Gerda Holzmann erklärt, welche wertvollen Inhaltsstoffe vermeintliches Unkraut enthalten kann (Löwenzahn Verlag, 272 Seiten; 27,90 Euro).
Ein wildes Kräutchen im Garten muss nicht immer ausgerupft werden. Gerda Holzmann erklärt, welche wertvollen Inhaltsstoffe vermeintliches Unkraut enthalten kann (Löwenzahn Verlag, 272 Seiten; 27,90 Euro).
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5 häufigste Gärtnerfehler

1. Zu wenig Platz. „Pflanzen werden viel zu dicht angebaut“, sagt Gartenexpertin Andrea Heistinger. „Dadurch haben sie keine guten Wachtumsmöglichkeiten.“ Daher die angegebenen Abstände genau einhalten.

2. Zu viel gießen. Aus Angst, die Pflänzchen vertrocknen zu lassen, gießen Hobbygärtner oft zu stark. Die Pflanze am besten in der Früh gießen – und „nicht über Kopf, das fördert Pilzkrankheiten“. Nur die Erde gießen.

3. Bei Erde gespart. Die schönsten Töpfe, aber die billigste Erde, sei laut Heistinger der falsche Weg. „Es gibt unheimliche Qualitätsunterschiede. Ich empfehle Bio-Erde.“ Mit dem Hinweis „Zugelassen für den ökologischen Landbau“ kauft man wirklich biologische Erde.

4. Eisheilige nicht abgewartet. Der richtige Zeitpunkt und die Temperatur sind für den Gartenerfolg entscheidend. Vor den Eisheiligen, Mitte Mai, keine wärmeliebenden Pflanzen aussetzen.

5. Eine Pflege für alle. Jede Pflanze und jeder Standort ist anders. Damit es klappt, Pflegehin-weise, Erde, Sonne und Schatten beachten.