Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.04.2019


Innsbruck

Radverkehr in Tirol: „Sinnvolle“ Novelle soll Unfallzahl verringern

Neuerungen machen Straßen durch eindeutige Regelungen für den Radverkehr sicherer, an grundlegenden Problemen ändern sie wenig.

Abgedrängt: Die Novelle der Straßenverkehrsordnung soll Radfahrern mehr Sicherheit bringen.

© istockAbgedrängt: Die Novelle der Straßenverkehrsordnung soll Radfahrern mehr Sicherheit bringen.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck - Pkw-Lenker regen sich über Radfahrer auf, die sich nicht an Regeln halten. Radfahrer beanstanden das Verhalten rücksichtsloser Pkw-Lenker, die ihnen den Weg abschneiden, und Fußgänger beschweren sich über alle beide. Auf der Straße treffen Interessen aufeinander, die Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei ist täglich mit den gefährlichen Folgen konfrontiert. „Es wären alle gut beraten, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen", sagt deren Leiter Markus Widmann. Bei einem Viertel der 4000 Verkehrsunfälle in Tirol pro Jahr sind Radfahrer beteiligt. Oft sind nicht eindeutige Regelungen der Grund für falsches Verhalten, die 30. Novelle der Straßenverkehrsverordnung bringt nun mehr Klarheit.

„Die Änderungen sind sinnvoll und notwendig, weil sie die Unfallgefahr verringern", sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Zum Beispiel auf Zebrastreifen, über die immer wieder auch Radler fuhren — oft mit der Überzeugung, das sei erlaubt. Das führte nicht nur zu Konflikten mit Fußgängern, sondern auch zu vielen gefährlichen Situationen.

Praxisnah sei auch, dass Kinder jetzt schon mit neun Jahren alleine unterwegs sein können, wenn sie die Radfahrprüfung geschafft haben. Sie wird üblicherweise in der vierten Klasse Volksschule durchgeführt, doch nur die Zehnjährigen durften danach gleich losstarten. „Es ist nicht klug, zuerst die Prüfung zu absolvieren und dann nicht fahren zu dürfen", sagt Gratzer.

Nicht geändert wurde dagegen der nur mit „ausreichend" festgeschriebene Mindestabstand zwischen Pkw und Fahrrad, der VCÖ hätte sich — wie in anderen europäischen Ländern — eine genaue Definition von mindestens 1,50 Metern gewünscht. Gratzer: „In Österreich gibt es nach wie vor Bereiche, die ungeregelt sind." Anstatt motorisierten Verkehrsteilnehmern das Rechtsabbiegen bei Rot zu erlauben, sollte diese Möglichkeit Radfahrern vorbehalten sein, wie etwa in der Schweiz. „Will die Regierung wirklich bis 2025 den Radverkehr verdoppeln, muss dieser auch gefördert werden und mehr Platz bekommen."

Novelle der 30. Straßenverkehrsordnung: Das ändert sich

  • Radfahrstreifen: Bisher wurde das Ende mit einem Schriftzug auf der Straße markiert, die Radler mussten stehenbleiben und auf freie Fahrt warten. Neu ist jetzt, dass sie sich im Reißverschlusssystem in den fließenden Verkehr einordnen können.
  • Zebrastreifen: Bisher war es zwar einleuchtend, dass Radfahrer nicht auf Zebrastreifen fahren sollten, eindeutige Regeln gibt es aber erst jetzt. Neu ist daher, dass Fahrräder ausdrücklich geschoben werden müssen, außer es gibt neben dem Zebra- einen eigenen Radfahrstreifen, auf dem Fahrradfahrer die Straße überqueren können.
  • Vorrang: Bisher war nicht allen klar, dass geradeaus fahrende Verkehrsteilnehmer Vorrang haben. Neu ist, dass diese Regelung in der Verordnung ausdrücklich festgehalten ist. Fahren ein Pkw und rechts ein Fahrrad nebeneinander und will der Autolenker rechts abbiegen, muss er zuerst den Radler weiterfahren lassen.
  • Transportfahrräder: Bisher durften sie nur bis zu einer Breite von 80 cm auf dem Radfahrstreifen fahren, nun sind neu 100 cm erlaubt, was der Breite der meisten angebotenen Lastenfahrräder entspricht.