Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.04.2019


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Und wieder lockte Hannibal nach Sölden

Seit 2001 verliert die Aufführung am Gletscher nichts an Faszination und Botschaft.

© ploderSeit 2001 verliert die Aufführung am Gletscher nichts an Faszination und Botschaft.



Es bedurfte von Beginn an eines gigantischen Aufwandes, um den Schilderungen der Alpenüberquerung Hannibals am Rettenbachferner in Sölden ihren Erfolg zu sichern. Die Handlung wurde heuer vom Künstlernetzwerk „lawine torrèn" in Szene gesetzt. Seit 2001 folgen alle zwei Jahre Tausende Besucher dem Ruf auf den Gletscher, wobei bereits die Kolonnen der Shuttlebusse vom Dorfzentrum an den Schauplatz wie eine Alpenüberquerung anmuten.

Auf Initiative des Sölders Ernst Lorenzi inszeniert Hubert Lepka von Beginn an seine Idee. In diesem Jahr bot sich ungetrübte Sicht auf den eigentlichen Bühnenbereich, die Bergkulisse, aus dem die Truppen Hannibals zum Angriff ins Tal stürmten, hüllte sich in Nebel. 218 v. Chr. überquerte Hannibal, begleitet von einem Heer aus 60.000 Afrikanern, Kelten, Spaniern, Tausenden Pferden und 37 Elefanten, in nur zehn Tagen den Alpenhauptkamm. Lepka verbindet die Ereignisse vor mehr als 2000 Jahren mit aktuellen Geschehnissen. Hannibals Elefanten werden zu Pistenraupen, Schneemobilen, Motorrädern und Fluggeräten. Bewegungen von Maschine und Mensch erzählen Historisches als zeitgenössische Handlungschoreographie.

Den Botschaften der Göttinnen Venus und Dido, des Traumdeuters von Hannibal, seines Vaters Hamilkar und anderen stellt Lepka die heutige Welt sowohl als „Karthago-TV" auf einer Großleinwand wie den von Harald Krassnitzer gesprochenen Texten aus dem Off gegenüber. Die „Größte zeitgenössische Performance der Welt", wie es Veranstalter Sölden und Red Bull bezeichnen, wird von mehr als 500 Aktiven getragen — nicht nur eine Hundertschaft aus Skilehrern und Tänzern greift perfekt ineinander. Synchronisiert wird in diesem großen Raum über Funk. (tb)

 Die „Größte zeitgenössische Performance der Welt“, sagen die Veranstalter Sölden und Red Bull.
Die „Größte zeitgenössische Performance der Welt“, sagen die Veranstalter Sölden und Red Bull.
- ploder