Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.04.2019


Bezirk Schwaz

Geschichte der Silberstadt auf alten Pfaden entdecken

Bei der Eröffnung des Schwazer Knappensteigs im Silberwald wurde die 500 Jahre alte Bergbaugeschichte der Stadt zum Leben erweckt.

Die Kleinen des Waldkindergartens auf Entdeckungstour.

© FankhauserDie Kleinen des Waldkindergartens auf Entdeckungstour.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Mit kleinen blauen Kappen flitzen sie durch den Wald. Sie suchen nach Silber. Über Stock und über Stein gelangen sie zum Stollen. Die Augen werden groß. Gitterstäbe versperren den Weg. Aber die kleinen Knappen wissen genau, was sich dahinter verbirgt, welche Geschichte dahintersteckt: die Schwazer Bergbaugeschichte.

Die Schüler der VS Johannes Messner waren auch mit von der Partie.
Die Schüler der VS Johannes Messner waren auch mit von der Partie.
- Fankhauser

Die Kinder des Waldkindergartens in Schwaz sind nun zu Beschützern eines Stollens geworden. Kein echter, aber ein nachgebauter. Denn der Schwazer Knappensteig orientiert sich an den Originalschauplätzen und historischen Stätten des Bergbaues im Schwazer Silberwald und im Bereich des Eiblschrofens. Fasziniert von der Geschichte rund um den Bergbau und das Leben der Knappen in Schwaz, brachte der ehemalige Primar Max Ciresa den Stein ins Rollen. Gemeinsam mit Gottfried Winkler, Peter Gstrein und Gerhard Werth erarbeitete er das Konzept für den so genannten Knappensteig.

Vom Pflanzgarten hinauf zur Silberwald Arena, weiter über den kleinen Damm, vorbei am Oberstollen, weiter zum Großen Damm, wo der Felssturz am Eiblschrofen vor zwanzig Jahren die Region prägte, und retour über die Rote-Sand-Kapelle zum Martinhüttstollen, wo die Waldknappen vom Kindergarten ihr Revier haben. Die Route beinhaltet zehn Stationen und jede Menge Informationen zur damaligen Zeit. „Auf allen Infotafeln finden sich auch QR-Codes, wo man am Handy noch weiteres Wissen erhält“, verrät Winkler.

Max Ciresa erhielt ein Knappen-Ehrenzeichen von Peter Gstrein und Gerhard Werth.
Max Ciresa erhielt ein Knappen-Ehrenzeichen von Peter Gstrein und Gerhard Werth.
- Fankhauser

Bei der Finanzierung haben die Stadt und der TVB Silberregion Karwendel zusammengelegt. Rund 30.000 Euro wurden veranschlagt. „Mit dem Knappensteig haben wir nun ein Element in Schwaz, das an die Ereignisse von vor 500 Jahren erinnert. Damals wirkten immerhin mehr als 10.000 Knappen in der Silberstadt“, sagt BM Hans Lintner. Und auch TVB-Chefin Elisabeth Frontull ist begeistert vom Steig, der nicht nur für Wanderer und Urlaubsgäste, sondern auch für Geschichtsinteressierte und Schüler ein spannendes Erlebnis sei.

Ciresa strahlte. Die feierliche Eröffnung des Knappensteigs gestern Vormittag ließ sich der 90-Jährige nicht entgehen. „Ich freue mich sehr, dass nach Jahren der Bemühungen nun dieser Knappensteig entstanden ist. Ohne Gottfried Winkler hätten wir das nicht realisiert“, sagte Ciresa im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Der Stählerne Haufen.
Der Stählerne Haufen.
- Fankhauser

Das Grinsen in Ciresas Gesicht wurde aber noch breiter. Denn Gstrein und Werth – beide Mitglieder der Schwazer Knappenschaft – überreichten ihm das Zeichen der Bergleute: einen Häckl.

Wer den Knappensteig erkunden will, kann das bei kostenlosen Führungen am 3. Mai, 7. Juni, 5. Juli oder 2. August sowie 6. September und 4. Oktober jeweils um 14 Uhr machen. Treffpunkt für die zweistündige Tour ist beim Parkplatz Silberwald.

Alexandra Ciresa-König und ihr Vater Max Ciresa freuen sich über die Umsetzung des Knappensteigs in Schwaz.
Alexandra Ciresa-König und ihr Vater Max Ciresa freuen sich über die Umsetzung des Knappensteigs in Schwaz.
- Fankhauser