Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.05.2019


Tourentipp

Harter Aufstieg, toller Ausblick auf dem Großen Geiger

Die zweitägige Skihochtour auf den Großen Geiger ist ein Schmankerl in den Hohen Tauern. Trotz einer Tragepassage (ca. 650 Höhenmeter) kommt man hier noch voll auf seine Kosten.

Der Gipfel des 3360 Meter hohen Großen Geigers ist erreicht, zuletzt war die Besteigung sogar mit Ski möglich.

© flexDer Gipfel des 3360 Meter hohen Großen Geigers ist erreicht, zuletzt war die Besteigung sogar mit Ski möglich.



Prägraten – Ein Schönwetterfenster, das zwei Tage hält, wurde vor ein paar Tagen von den Meteorologen vorhergesagt. Und tatsächlich, es war wirklich so. Zuletzt hat es bis in viele Mittelgebirgsregionen nochmals ergiebig heruntergeschneit. So fielen auf den Bergen der Karnischen Alpen fast 80 Zentimeter Neuschnee. Selbst in Kartitsch, auf 1356 Metern Seehöhe gelegen, ließ sich Frau Holle nicht lumpen und versorgte das idyllische Dorf mit fast 50 Zentimetern.

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Den Track für die Tour finden Sie unter https://bit.ly/2vA7HTM

Geschneit, wenn auch deutlich weniger, hat es auch in den Hohen Tauern. Dort führt unser Tourenausflug diese Woche hin. Genauer gesagt ins hinterste Virgental, nach Hinterbichl, zum Weiler Ströden, dem Ausgangspunkt auf den Großen Geiger (3360 Meter). Eine ausgedehnte Skihochtour über 2000 Höhenmeter, die über die Essener Rostocker Hütte (2208 Meter) führt und bei der die Ski 650 Höhenmeter getragen werden müssen. Die Tour ist somit für ambitionierte, leidenschaftliche und außergewöhnliche Skitourenfreaks wie maßgeschneidert.

Nach dem langen Flachstück im Maurertal erfolgt der Anstieg hinauf in Richtung Maurerkees.
Nach dem langen Flachstück im Maurertal erfolgt der Anstieg hinauf in Richtung Maurerkees.
- flex

Vor allem überzeugt dieser Ausflug landschaftlich, mit direktem Blick auf den Großvenediger. Und weil die Essener Rostocker Hütte bereits geschlossen ist, trifft man kaum auf Gleichgesinnte.

Und so kommt man hin, Tag 1: Wir starten mit den Ski am Rucksack, beim Weiler Ströden in Hinterbichl. Durch das Maurertal folgen wir dem Forstweg in Richtung Norden. Vorbei am Kletterpark und später an der Stoana-Alm bringt uns der Anstieg, immer noch zu Fuß, weiter bis zur Materialseilbahn, welche zur Essener Rostocker Hütte führt. Und per pedes geht es zunächst weiter, bis etwa 150 Höhenmeter unterhalb der Hütte. Dort fellen wir endlich auf. „Griaß enk.“ Alleine sind wir im Maurertal nicht unterwegs, denn von oben kommt uns Martin Weißkopf, ein bekannter Skibergsteiger aus Prägraten, entgegen. Auch er hat die Skitourensaison noch nicht beendet, wie er erklärt.

Während er zurück ins Tal marschiert, erreichen wir nach etwa 2,5 Std. und rund 800 Höhenmetern die Essener Rostocker Hütte. Die Hütte ist, wie bereits erwähnt, geschlossen. Doch der Winterraum ist geöffnet. Und in diesem werden wir die Nacht verbringen und es uns dort gemütlich machen. Übrigens, der Winterraum ist mit zwei Matratzenlagern und einem Gemeinschaftsraum mit Küche ausgestattet und bietet Platz für 16 Personen.

Die Essener Rostocker Hütte (2208 m) ist bereits geschlossen und somit nächtigen wir im sehr gut ausgestatteten Winterraum.
Die Essener Rostocker Hütte (2208 m) ist bereits geschlossen und somit nächtigen wir im sehr gut ausgestatteten Winterraum.
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Tag 2: Der Wecker klingelt. So tief und fest wie zu Hause haben wir freilich nicht geschlafen. Das Frühstück bleibt bescheiden. Zwei Müsliriegel, ein wärmender Tee, das war’s.

Pünktlich um 7.30 Uhr marschieren wir bei der Essener Rostocker Hütte los. Ohne nennenswerten Höhengewinn folgen wir zuerst dem ziemlich langen Maurertal weiter taleinwärts. Zwar zeigt sich der Himmel wolkenlos, doch ein ziemlich bissiger Wind bläst uns ins Gesicht und dieser macht den Aufstieg ziemlich frisch – der kalte Tauernwind eben.

Am Ende des enger werdenden Maurertales wird es zunehmend steiler. Eine erste Steilstufe erwartet uns, und diese bringen wir rasch hinter uns. Unser weiterer Anstieg dreht von Nord nach Ost. Und nun müssen wir über das Maurerkees hinauf. Über sehr steile Gletscherhänge (auf Spalten achten), die nur mittels Spitzkehrentechnik begehbar sind, nehmen wir Kurs in Richtung Großer Geiger, der bereits vor uns steht. Anscheinend ist derzeit der Anstieg mit Ski bis zum Gipfel möglich. Zumindest haben wir das gehört. Wir werden sehen.

Der Normalanstieg führt mit Ski bis zum Skidepot westlich des Gipfels. Dort werden die Ski abgestellt, und je nach Verhältnissen erfolgt der Gipfelanstieg mit Steigeisen oder nicht. Zuerst über eine felsdurchsetzte Rinne, später auf dem breiter werdenden Rücken (Achtung auf die Wechten!) zum Gipfelkreuz des Großen Geigers.

Tatsächlich, eine Spur führt hinauf zum Gipfel. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Dieser Anstieg mit Ski ist nur sehr sicheren Skibergsteigern vorbehalten. Steile Spitzkehren im ausgesetzten Gelände gilt es zu meistern.

Wir stehen am Gipfel des Großen Geigers auf 3360 Metern. Bei wolkenlosem Himmel und auch der Wind ist etwas schwächer geworden. Wenn auch nur leicht, denn Schneefahnen wirbeln uns dennoch um die Ohren. Der Große Geiger hat ohne Zweifel das Prädikat Top-Aussichtsberg verdient. In alle Himmelsrichtungen, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Vor allem aber lassen uns die Ausblicke zum direkt gegenüberliegenden Großvenediger nicht mehr los. Majestätisch steht dieser in unmittelbarer Nähe mächtig vor uns. Wow!

Der einzige Spielverderber ist der Wind. Deshalb verzichten wir auf die Gipfeljause. Noch einmal ein letzter Blick zum Großvenediger und wir verabschieden uns vom Großen Geiger. Die Abfahrt ins Tal führt entlang der Aufstiegsroute. Über das Maurerkees ins Maurertal und bis zur Essener Rostocker Hütte. Von dort etwa 150 Höhenmeter mit Ski bergab. Dann ist Schluss mit lustig. Zu Fuß und wieder mit den Ski am Rucksack marschieren wir die rund 650 Höhenmeter zurück bis zum Auto beim Parkplatz in Ströden.

Fazit: Wer seine Ski nicht ­tragen will, ist bei der Skihochtour auf den Großen Geiger definitiv fehl am Platz. Doch wer sich dennoch für diesen Klassiker im Virgental entscheidet, wird zu hundert Prozent belohnt werden. Als Tagestour ist dieser Ausflug allerdings ziemlich kräfteraubend. Wer es im hintersten Virgental etwas gemütlicher angehen will, der kann z. B. den Kletterpark besuchen oder spaziert in ca. 30 Minuten vom Parkplatz Ströden zum Wasserschaupfad der berühmten Umbalfälle. (flex)

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