Letztes Update am So, 05.05.2019 07:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Zwei junge Grauviehzüchter und ihre Vorbereitungen auf die große Schau

Die sechsjährige Theresa hat ein Kalb. Manuel Illmer (13) ebenso. Die beiden jungen Stubaitaler sind Grauviehzüchter. Und werden bei der Kuisa in Imst mit ihren Vierbeinern auf den Laufsteg treten.

Manuel mit Jungrind Fiona und seine Cousine Theresa mit ihrer Romana sind bereit für die Kuisa in Imst.

© Thomas Boehm / TTManuel mit Jungrind Fiona und seine Cousine Theresa mit ihrer Romana sind bereit für die Kuisa in Imst.



Von Manuel Lutz

Ihre Freizeit verbringt die kleine Theresa Illmer am liebsten mit Romana. Am Burgerhof, dem Hof ihres Onkels Otmar Illmer in Seduck im Oberbergtal in Neustift, lebt die ganz besondere Freundin der Sechsjährigen. Die Rede ist jedoch nicht von einer Klassenkameradin, sondern von einem Tiroler Grauviehkalb. Womit die Stubaierin Tirols jüngste Grauviehzüchterin ist, auch wenn im Hintergrund wahrscheinlich der Onkel die Fäden zieht.

Der Hof von Otmar Illmer in Neustift hat schon viele Auszeichnungen für seine Tiere erhalten.
Der Hof von Otmar Illmer in Neustift hat schon viele Auszeichnungen für seine Tiere erhalten.
- Thomas Boehm / TT

Diesen „Titel“ hatte Cousin Manuel Illmer wohl auch einmal. Gleich wie Theresa sammelte er von klein auf Erfahrung mit den Tieren, mit fünf Jahren bekam der heute 13-Jährige sein erstes Kalb. „Das war die Belohnung dafür, wenn man als Kind immer fleißig geholfen hat. So übernimmt man Verantwortung“, erinnert er sich. An diesem Wochenende dürfen die beiden Kinder aus Neustift nun ihre Lieblinge auf der großen Bühne präsentieren.

Jungzüchter sind gesucht

Alle fünf Jahre findet die Kuisa, eine Bundesgrauviehschau, statt. 415 Rinder werden heuer in Imst ausgestellt – sich dafür zu qualifizieren, ist schon eine reife Leis­tung, wie Manuel Illmer weiß: „Dabei sein ist alles.“ Denn durch verschiedene Vorentscheidungen erhalten nur die schönsten Tiere einen Startplatz bei der Ausstellung. Der Burgerhof ist dabei wieder gut vertreten: Theresa tritt mit der wenigen Monate alten Romana in der Youngsters-Klasse (bis 10 Jahre) an, Manuel mit seiner Fiona (zwei Jahre) bei den Jungzüchtern. „Von den 415 Tieren sind 64 Jungrinder und 39 Kälber“, klärt Peter Pranger vom Jungzüchterverein Edelweißgrau auf. Die Organisation wurde 1997 ins Leben gerufen, um ein spezielles Ziel zu verfolgen: „Wir wollten damit erreichen, dass sich junge Leute mit den Tieren beschäftigen“, so Pranger. Der Verein veranstaltet daher im Rahmen der Kuisa einen Bewerb für junge Menschen unter dem Motto „Mein Lieblingskalb, mein Lieblingstier“.

Theresa und Manuel helfen ihrem Onkel auch im Stall.
Theresa und Manuel helfen ihrem Onkel auch im Stall.
- Thomas Boehm / TT

Um eine Medaille zu erhalten, muss Theresa auf der Bühne zeigen, dass sie ihre vierbeinige Begleiterin im Griff hat.

Dafür muss das ganze Jahr viel trainiert werden, sind doch gerade die jungen Tiere meistens noch sehr verspielt und unruhig.

Lieber sind sie jedoch mit ihrem Grauvieh unterwegs.
Lieber sind sie jedoch mit ihrem Grauvieh unterwegs.
- Thomas Boehm / TT

Dabei kann sich das Mädchen viel von ihrem erfahrenen Cousin abschauen. „Man muss die Tiere streicheln und darf sie nicht reißen, das mögen sie gar nicht. Zudem muss man auch mit ihnen reden“, weiß Manuel, wie das Grauvieh zahm wird. Theresa hat auch schon ihre eigene Taktik gefunden, um das Tier zu beruhigen: „Ich schmuse mit ihr.“

Manuels Jungrind Fiona (r.) versteht sich mit Theresas Kalb Romana gleich gut wie die Cousins.
Manuels Jungrind Fiona (r.) versteht sich mit Theresas Kalb Romana gleich gut wie die Cousins.
- Thomas Boehm / TT

Auch wenn Romana den beiden bei den letzten Proben noch richtig kräftig auf die Zehen steigt und für ein schmerzverzerrtes Gesicht sorgt, sind sie sich sicher, dass ihre Tiere bei der Schau begeistern werden. „Man freut sich einfach, wenn man unter die Leute geht und jeder sieht, dass man super Tiere hat. Das ist auch viel Arbeit“, so Manuel. Der 13-Jährige verbringt sogar in seinen Ferien viel Zeit auf der Alm, um den Tieren nahe zu sein.

Auch die Optik ist wichtig

Beim Schaulaufen geht es aber auch um die Optik. „Die Tiere müssen vor der Ausstellung natürlich noch gewaschen und gestriegelt werden“, sagt der Bub. Die tierische „Leistungsbereitschaft“ ist jedoch ebenso wichtig, wie Pranger anmerkt: „Es gibt vier Hauptkriterien. Der Rahmen, die Bemuskelung, die Form des Tieres und das Euter.“ Die besten Tiere bekommen als Auszeichnung ein Edelweiß ins Horn gebrannt. Im Stall von Illmer findet man auf den Hörnern seiner Tiere bereits einige dieser Siegel.

Das Edelweiß im Horn ist eine wichtige Auszeichnung für Züchter.
Das Edelweiß im Horn ist eine wichtige Auszeichnung für Züchter.
- Thomas Boehm / TT

Abseits von Schaulauf und Wettbewerben ist das Grauvieh ein beliebtes Nutztier. „In Tirol gibt es 1190 Betriebe, die Mitglieder beim Grauviehzuchtverband sind. So gibt es gesamt 5079 Rinder in Tirol, Kälber nicht mitgezählt“, kennt Pranger die genauen Zahlen.

Ein Großteil der Betriebe ist dabei auf die Milchproduktion spezialisiert. Zehn der 3719 Milchkühe leben in Seduck. „90 Liter Milch geben die Tiere schon pro Tag“, erzählt Hofbesitzer Illmer. Ein Teil davon wird für die Kälber und die Familie gebraucht, der Rest an den Milchhof Sterzing verkauft.

Trittsicher und genügsam

Für den Hof, der auf 1490 Metern Höhe liegt, ist das Grauvieh auch das passende Lebewesen. „Die Tiere sind dem Gelände sehr gut angepasst und wirtschaftlich gut, da sie sehr genügsam sind und gute Milch und gutes Fleisch geben“, weiß Theresas Mutter Mathilde.

Während man die Kalbinnen für die Aufzucht behält, müssen Stiere jedoch oft verkauft werden. Trotz seines jungen Alters ist dies für Manuel bereits normal: „Das gehört einfach dazu, man wächst damit auf.“

„Wir wollen mit unserem Verein erreichen, dass sich junge Leute mit den Tieren beschäftigen.“
Peter Pranger, 
Jungzüchterverein 
Edelweißgrau
„Wir wollen mit unserem Verein erreichen, dass sich junge Leute mit den Tieren beschäftigen.“ Peter Pranger, 
Jungzüchterverein 
Edelweißgrau
- Pranger

Bei der Kuisa in Imst stehen die grauen Tiere an diesem Wochenende einmal mehr im Mittelpunkt. So viel Aufmerksamkeit bekommen die „gustigen Tiere“, wie sie Pranger nennt, sonst nur selten. „Sie sind etwas Edles, in unserem Land unverzichtbar und haben einen starken Ausdruck“, versucht er sein Wortbild zu erklären. Pranger spricht übrigens aus Erfahrung, hat er doch 2008 zu seiner Hochzeit selbst sein ers­tes Kalb geschenkt bekommen.

Dass auch er daher mindestens gleich hart wie die Kinder auf den „Rinderkongress“ wartet, ist klar. Der Name des Events in Imst kommt übrigens von einem Lockruf, wie Peter Pranger erzählt: „Man ruft dabei: ,Kuisa geh!‘“