Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.05.2019


Buchtipps

Von der Magie der Berge: Alpine Buch-Neuerscheinungen

Marlies Czerny stand als erste Österreicherin auf allen Viertausendern der Alpen, der Kufsteiner Hans Fischlmaier war wieder unterwegs: Die alpinen Buch-Neuerscheinungen machen Lust, loszumarschieren.

Maries Czerny auf dem 4107 Meter hohen Mönch.

© CzernyMaries Czerny auf dem 4107 Meter hohen Mönch.



Von Irene Rapp

"4000erLeben: Von null auf die höchsten Gipfel der Alpen"

Nichts hat darauf hingedeutet, dass es Marlies Czerny einmal in die Berge ziehen werde: Aufgewachsen in Oberösterreich, spielte sie gern Fußball, Wandern war kein Thema. Später, als Journalistin bei einer österreichischen Tageszeitung, dominierte die stressige Sport-Berichterstattung ihr Leben. Dann hat sie zwei Wochen Urlaub und fängt an, die Berge für sich zu entdecken.

Dass sie Jahre später als erste Österreicherin auf allen 82 Viertausendern der Alpen stehen werde, ist zu Beginn ihrer neu entdeckten Leidenschaft noch kein Thema. Da geht es zunächst nur auf eine Alm. Den Weg in Höhen bis über 4800 Meter beschreibt die Oberösterreicherin in ihrem Buch offen und ehrlich: Sie erzählt von den vielen Emotionen in luftiger Höh', von ihren Kameraden am Berg, von Gleitschirmflügen ins Tal und einer alten Konservendose mit interessantem Inhalt.

Die erzählerischen Texte werden mit kleinen Info-Boxen zu den Viertausendern und Sinnsprüchen aufgewertet. Dazu gibt's im Anhang Infos für alle, die es Czerny nachmachen wollen.

Ein Buch über einen Aufbruch, der im (Liebes-)Glück geendet hat. (Informationen auch unter www.hochzwei.media/author/marlies )

„Wanderbuch Unterinntal"

Hans Fischlmaier ist bereits als Autor des Führers „Wanderbuch Wilder Kaiser" bekannt, jetzt hat er nachgelegt. Herausgekommen ist das „Wanderbuch Unterinntal", in welchem in bewährter Führer-Manier 65 Touren zwischen Kufstein und Achensee beschrieben werden.

Zu finden sind auf 176 Seiten unterschiedlichste Ziele, vom gemütlichen Spaziergang bis zur anspruchsvollen Bergtour. Und darunter entdeckt man auch weniger Bekanntes — wie etwa den Grinnerkopf im Wilden Kaiser mit einem stattlichen Kreuz, das Kriegsheimkehrer aus Dankbarkeit errichtet haben.

Natürlich vergisst der Kufsteiner auf ein wichtiges Detail nicht — wann immer es geht, werden Almen und Berggasthäuser als Einkehrtipps angeführt. „Weil der Genuss von ausgezeichneten Produkten aus unserer Region für mich auch ein Teil des Landschaftserlebnisses ist", wie er im Vorwort schreibt.

"500 Walks"

Mitunter sind die Originaltitel die besseren: „A History of the World in 500 Walks" lautet der Titel der Originalausgabe, „500 Walks, legendäre Erlebnis-Wanderungen weltweit" jener in der Übersetzung. Schade. Denn so geht verloren, dass der 400-Seiten-Wälzer 500 Tipps für Touren enthält, die mit der Geschichte unseres Planeten zu tun haben. Der Uluru in Australien etwa entstand vor 600 Millionen Jahren aus Sandablagerungen eines Urmeeres, seine Umrundung entführt in die Urgeschichte (Streckenlänge: 10,5 Kilometer, Gehzeit: 3,5 Stunden). Der Royal Heritage Trek in Bhutan wiederum folgt einer Strecke, die einst Jigme Wangchuck, der zweite König von Bhutan (1926—1952) nahm, um von seinem Sommer- zu seinem Winterwohnsitz zu gelangen.

„500 Walks" entführt in viele Länder und konfrontiert einen mit viel Geschichte, die Routen dauern wenige Stunden (z. B. auch in Städten) bis viele Tage. Einige der Tipps sind mit groben Kartenausschnitten illustriert, andere nur kurz textlich angeführt.

Fazit: Fängt man erst einmal mit dem Hineinlesen an, hört man nicht mehr so schnell auf. Und dann hat man plötzlich viele neue Ziele, die man unbedingt einmal erkunden will.

PS: Auch die Peter-Habeler-Runde in den Zillertaler Alpen hat es als Tipp 441 in das Buch geschafft.

"Unsere schön-sten Hütten. 50 Portraits aus dem Alpenraum"

Wanderer und Bergsteiger können über alpine Hütten viel erzählen: Wie toll das Gefühl ist, nach stundenlangem Gehmarsch endlich anzukommen. Wie gut das Essen ist. Oder wie laut der Nachbar im Matratzenlager schnarchte und einem den Schlaf raubte.

Über Hütten kann aber noch viel mehr erzählt werden, nicht nur aus dem Grund, weil sich die alpine Infrastruktur in den vergangenen Jahren zum Teil verändert hat. So zum Beispiel erhob sich im Südtiroler Teil der Zillertaler Alpen 2016 die Edelrauthütte wie Phönix aus der Asche — herausgekommen ist ein stattlicher Neubau, in den zum Teil die Holzbretter der alten Einkehr eingearbeitet wurden. In die Dolomitenhütte in Osttirol wiederum verliebte sich 2007 die Slowakin Scarlett Olesova. Kurzerhand kaufte sie die Einkehr und kümmert sich seitdem um die Wünsche der zahlreichen Gäste.

Noch 48 weitere Hütten in den Alpen stellt die gebürtige Allgäuerin Sissi Pärsch in ihrem Bildband vor, dabei geht sie vor allem auf die Menschen ein, die dort arbeiten. Denn die sind das Herz jeder Einkehr, von ihnen hängt maßgeblich der Wohlfühl- und Erholungsfaktor ab.

Das Buch ist mit vielen atemberaubenden Bildern schön gestaltet, im Anhang finden sich Daten und Fakten sowie Tourmöglichkeiten.

Und wieder einmal bekommt man beim Durchlesen nur ein Gefühl — nix wie los und hinaus zu den vielen tollen Orten.