Letztes Update am Mi, 05.06.2019 15:17

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50 Jahre Mondlandung: Kommando Himmelfahrt

Vor 50 Jahren - am 20. Juli 1969 - versetzte die „Apollo 11“-Mondmission die Welt in Aufruhr. Die Chancen zu überleben, schätzte Kommandant Armstrong mit 50 Prozent ein.

Von links: Buzz Aldrin, Michael Collins und Mondmission-Kommandant Neil Armstrong.

© NASAVon links: Buzz Aldrin, Michael Collins und Mondmission-Kommandant Neil Armstrong.



Von Silvana Resch

Der Weg war vorgezeichnet. Jules Verne und H. G. Wells hatten die Route literarisch erschlossen und Georges Méliès, französischer Filmpionier und Zauberkünstler, brachte sie 1902 mit „Die Reise zum Mond“ – dem ersten Spielfilm der Filmgeschichte – überaus phantasievoll und trickreich auf die Leinwand.

Vor einem halben Jahrhundert sollte die Fiktion schließlich zur Realität werden: Bis zu 750 Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgten die Mondlandung am 20. Juli 1969 gebannt vor ihren TV-Geräten. Auch der ORF übertrug das „größte Abenteuer der Menschheit“ ganze 28 Stunden lang live.

Dass Experten befürchtet hatten, die Astronauten der „Apollo 11“-Mission könnten im Mondstaub versinken, ist in der ORF-TVthek nachzusehen. Leider sind nur 19 Minuten der ORF-Übertragung erhalten geblieben.

Ungewisser Ausgang

Die Faszination, die dieses Spektakel damals ausübte, kann der Astronom, Buchautor und Science-Blogger Florian Freistetter heute noch gut nachvollziehen: „Auch wenn man damals vielleicht nicht damit rechnete, dass ein Alien hinter einem Stein hervorspringt, wusste man doch nicht, ob einer der beiden Astronauten nicht vielleicht im nächsten Moment tot umfällt.“ Im Gegensatz zum Trickfilmabenteuer „Die Reise zum Mond“ gab es beim echten Mondspaziergang tatsächlich nur wenig Spannungsmomente: Gesteinsproben wurden eingepackt, Experimente gestartet, auch ein kurzer Schwatz mit US-Präsident Nixon stand auf dem Programm.

Historische TV-Momente: die Mondlandung live im ORF.
Historische TV-Momente: die Mondlandung live im ORF.
- ORF

Nerven aus Stahl

Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betreten hatte und mit seinem „großem Schritt für die Menschheit“ in die Geschichte eingehen sollte, war – ebenso wie Kollege Buzz Aldrin – indes ein recht wortkarger Mensch, was von den ORF-Kommentatoren bemängelt wurde.

Michael Collins, der dritte im Bunde, galt als der Unterhaltsame. Er musste auf dem Raumschiff die Stellung halten und umkreiste – so weit entfernt wie nie ein Mensch zuvor von seinen Artgenossen – alleine den Mond. Nerven aus Stahl hatten sie alle drei.Armstrong, der Kommandant der Mond-Mission, hatte die Chance, lebend zur Erde zurückzukehren, recht optimistisch mit 50:50 eingeschätzt – NASA-Offizielle waren da weitaus skeptischer, wie in dem akribisch recherchierten Buch „Apollo 11“ von James Donovan nachzulesen ist. Der Nachruf auf die drei Männer lag fix und fertig in Nixons Schublade.

„Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit zu überleben nur fünf Prozent betragen hätte, hätten sich wohl immer noch genügend Menschen für die Mission gefunden“, glaubt Freistetter. Seit 2015 ist der Astronom im Team der Science Busters, die ab 14. Juni das 50-Jahr-Jubiläum der Mondlandung feiern. In der Show „The Eagle has landed“ will Freistetter erklären, „wie eine Rakete startet oder wie ein Raumschiff wieder zurückkommt, ohne in der Atmosphäre zu verbrennen“.

Der Abstieg von der Mondlandefähre auf den Erdtrabanten.
Der Abstieg von der Mondlandefähre auf den Erdtrabanten.
- NASA

Für Armstrong und Aldrin galt es zunächst aber erst einmal, wieder den Mond zu verlassen. Der Kommandant war auf der Suche nach einem geeigneten Platz in allerletzter Sekunde gelandet. Diese Kaltblütigkeit imponiert Freistetter bei dieser „insgesamt extrem beeindruckenden Leistung der Mondlandung“ am meisten: „Hätte Armstrong noch einen Augenblick länger gebraucht, dann hätte er keinen Treibstoff mehr gehabt, um die Mondlandefähre wieder zu starten. Dabei merkt man keinerlei Anspannung. Man könnte glauben, er steht zuhause und kocht sich Kaffee.“

Mondlandung in Wort und Bild

Unzählige Bücher und Filme gibt es über die Mondlandung. Wer aber die Luft, die damals durch die USA wehte, atmen möchte und gleichzeitig bestens über die technischen Details informiert sein möchte, dem sei „MoonFire“, der Klassiker von Norman Mailer, empfohlen. Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums wurde eine reich bebilderte Ausgabe im Taschen Verlag neu aufgelegt. Für Hardcore-Fans gibt es auch eine limitierte Designer-Luxusedition: Eine Ausgabe von insgesamt nur zwölf mit Original-Mondstein ausgestatteten Exemplaren der „Lunar Rock Edition“ wird mittlerweile bei einem Online-Händler für 578.060,80 Dollar feilgeboten.

Wettrennen zum Mond

Ein Scheitern der Mondmission war für die USA 1969 keine Option. Das „Wettrennen zum Mond“ hatte bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Die beiden Großmächte buhlten um die erfahrenen deutschen Rakentechniker. Offiziell wurde das „Space Race“ aber erst im Jahr 1955 ausgerufen. Die USA und die Sowjet­union erklärten damals, Satelliten ins Weltall schießen zu wollen.

Mit der „Apollo 11“-Mission haben die USA 1969 schließlich das Wettrennen für sich entschieden. Den harmonischen „Space Race“-Abschluss markierte die Apollo-Sojus-Mission, bei der im Juli 1975 erstmals zwei Raumfahrzeuge der beiden Großmächte in der Erdumlaufbahn aneinander ankoppelten. Das Zeitalter internationaler Kooperation in der bemannten Raumfahrt war angebrochen.

Ein chinesischer Mondrover im Jänner 2019 auf dem Mond.
Ein chinesischer Mondrover im Jänner 2019 auf dem Mond.
- AFP

Die Finanzierung für die Internationale Raumstation wollen die USA nun aber 2024 wieder einstellen. Denn ein neues Wettrennen wurde ausgerufen – diesmal zwischen den Amerikanern und China. Die NASA will bis spätestens 2024 wieder Astronauten auf den Mond schießen. Diesmal sollen sie auch bleiben. Die Kolonisierung des Mondes ist ein lang gehegter Menschheits­traum, Freistetter glaubt aber die Chinesen im Vorteil: „Sie haben es geschafft, auf der Rückseite des Mondes zu landen, was davor keinem gelungen ist.“ Die ganzen privaten Mondmissionen würden laut dem Astronomen den Aufwand und die Gefahr unterschätzen. Die Erforschung des Mondes wird auf jeden Fall weitergehen – auch im Spielfilm.

Die Mondlandung – ein Hollywood-Fake?

In der Fake-Doku „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ (2003) wird dem Zuschauer vorgegaukelt, die Mondlandung sei in einem geheimen Studio inszeniert worden. Astronom Florian Freistetter nennt die wichtigsten Gründe, warum das nicht sein kann.

1. „Es ist einfacher, zum Mond zu fliegen, als einen gefälschten Mondflug vorzutäuschen.“

Florian Freistetter: Es wäre schlicht und einfach viel zu aufwändig, eine Mondlandung vorzutäuschen. Es gab ja nicht nur die drei Astronauten, die am Projekt beteiligt waren, sondern 400.000 NASA-Mitarbeiter. Und es gab auch unzählige Menschen in anderen Ländern wie in der Sowjetunion oder in China, die das Ganze genau beobachtet haben und über Funk mitgehört haben.

2. Wissenschaftliche Experimente und die Spuren der Astronauten.

Freistetter: Mit Raumsonden, die den Mond umkreisen, kann man die Spuren der Astronauten auf der Mondoberfläche noch heute sehen. Die Astronauten haben z. B. auch Laserreflektoren hinterlassen. Wird von der Erde aus ein großer Laser dorthin gerichtet, dann wird der Strahl zurückgeworfen.

3. „Es ist unmöglich, so viele Menschen über einen so langen Zeitraum zu überwachen.“

Freistetter: All die Leute, die heute weltweit an der Erforschung des Mondes arbeiten, müssten an der Verschwörung beteiligt sein. Das ist meiner Meinung nach das stärkste Argument gegen einen Fake. Es ist schlicht und einfach nicht möglich, so viele Menschen über so einen langen Zeitraum zu überwachen.