Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Schwaz

Surfwelle steht noch auf der Bremse

Bei der Diskussion um den Flächenverbrauch stellt sich nun heraus, dass viel davon Grünland bleiben würde.

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Von Angela Dähling

Fügen – Beim Tauchen braucht man einen langen Atem. Für eine künstliche Surfwelle muss der Atem noch länger sein. Seit rund neun Jahren plant die deutsche Firma Dreamwave Holding, das Konzept dieser Welle von Professor Markus Aufleger (Uni Innsbruck) im Zillertal umzusetzen. Erst in Schwendau, dann in Mayrhofen und seit 2015 ist der Plan, den Surf-Hotspot in Fügen beim Rischbachl neben dem Hundeabrichteplatz zu realisieren. Anrainer, Erschließungskosten, fehlender politischer Wille, Grundbesitzer – die Liste, an der in den neun Jahren die Realisierung scheiterte, ist lang. Derzeit ist der geplante Grundverbrauch von 4,5 Hektar landwirtschaftliche Vorrangfläche das Problem. Denn das sei zu viel, heißt es von politischer Seite. Die Mehrheit im Fügener Gemeinderat stimmte zumindest für die nötige Änderung des Raumordnungskonzeptes.

Der Mayrhofner Markus Bair, der nun als einer der Betreiber auftritt, die das Patent der Dreamwave Holding umsetzen wollen, hat keine Freude mit der geforderten Reduktion auf maximal 2,5 Hektar. „Je kleiner, desto mehr entspricht es dem Wunsch von Behörden, aber desto schwieriger wird es betriebswirtschaftlich“, spricht Bair auf Anfrage der TT von einem Zwiespalt. Es geht hier um die Attraktivität. Geplant ist neben der Welle und Liegeflächen ein Gebäude mit Shops, kleiner Sauna, Umkleiden und Restaurant, dazu Parkplätze, ein See zum Paddeln, ein Gemüsegarten samt einem Labyrinth und ein Hochseilgarten. Der Effekt von Erlebnis, Ruhe und Erholung gehe ohne das park­ähnliche Ambiente verloren, sagt Bair. Der betont, man habe nie vorgehabt, die 4,5 ha zu verbauen. Kürzlich fanden daher neuerlich Gespräche statt. BM Dominik Mainusch stellt im Vorfeld klar, dass es keine finanzielle Unterstützung von der Gemeinde gebe. Aber er steht ansonsten hinter den Surfwellenplänen. „Der Betreiber schaffte es, den Flächenverbrauch massiv zu reduzieren“, sagt BM Mainusch. Gemeint ist damit das benötigte Bauland. „Denn für Garten, Sträucher, Gemüse braucht es keine Widmung, das kann dann landwirtschaftliche Vorrangfläche bleiben“, erläutert der Bürgermeister und spricht von einem „reinen Flächenverbrauch von nicht mal 1000 m²“ für das zweistöckige Restaurantgebäude samt 500 m² Terrasse.

Auch TVB-Obmann Ernst Erlebach bleibt zuversichtlich, dass die Welle irgendwann anrollt. Wie berichtet, gibt es einen Beschluss, wonach der TVB das Projekt mit 600.000 Euro unterstützt. „Wir würden zudem die 2,5 ha Baulandfläche ankaufen und an die Betreiber verpachten“, erklärt Erlebach. Der Rest der Flächen werde von den Betreibern selbst angepachtet. Hansjörg Jäger, Obmann des Zillertaler Planungsverbands, steht der Welle ablehnend gegenüber. „Wegen des Flächenverbrauchs, wegen des Investorenmodells“, zählt er auf und fragt: „Brauchen wir das alles in diesem Ausmaß?“ Aber das sei seine persönliche Meinung. Fest stehe, dass noch Unterlagen fehlen, die der Projektwerber einzubringen habe: „Wir warten auf Stellungnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung, der Naturschutzbehörde und der Abteilung Wasserrecht.“ Bair bestätigt, dass noch sehr viel abzuklären sei, dazu zähle auch die technische und rechtliche Machbarkeit des geplanten Sees zum Paddeln.