Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Freizeit

Richtig entscheiden vorm Bekleiden

Weniger ist bei der Mode schwer – und wäre doch mehr: Zu viel ungetragene Kleidung lagert im Kasten oder landet im Müll. Dabei braucht es gar nicht viel, um gut und umweltfreundlich angezogen zu sein.

Voll, aber gut sortiert ist der Kleiderschrank von Farb- und Typberaterin Elfi Knofler. Als warmer Farbtyp trägt sie viel Orange und Beige.

© Foto TT/Rudy De MoorVoll, aber gut sortiert ist der Kleiderschrank von Farb- und Typberaterin Elfi Knofler. Als warmer Farbtyp trägt sie viel Orange und Beige.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Jeden Morgen die Qual der Wahl: Was anziehen? 76 Kleidungsstücke haben die Tiroler laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace durchschnittlich im Schrank. Davon wird aber jedes achte Teil nie getragen. Worauf es bei Kleidung und Kauf wirklich ankommt.

Nach dem Grübeln mehrere Größen probieren. „Nicht jeder passt in Kleidernormen. Deutsche Textilien sind größer, italienische kleiner geschnitten. Wenn es gut passt, ist es egal, ob Größe S, M oder L draufsteht“, sagt Knofler. Locker sitzende Kleidung fühle sich nicht nur besser an, sie sehe auch oft so aus.

Polyester, Polyamid, Nylon und Co. lösen sich beim Waschen auch viel schneller auf. Greenpeace hat Polyester-Blusen von acht Anbietern am Wiener Umweltbundesamt waschen und die entwichenen Plastikfasern zählen lassen. Hochgerechnet auf die österreichischen Haushalte landen durch die gewaschenen Teile jährlich rund 126 Tonnen Mikroplastik im Abwasser. Auf Kunstfasern daher möglichst verzichten.

Eine zweite Chance bekommen Kleider außerdem bei der Altkleidersammlung des Vereins Wams. 325 Container stehen tirolweit an 253 Standorten. Im letzten Jahr wurden damit und an den Sammelstellen in Innsbruck (Reichenauer Straße 80) und Hall (Salvatorgasse 22) insgesamt 2750 Tonnen Bekleidung und Wäsche gesammelt, sortiert und wiederverwertet. 2018 gingen 105.000 Kleidungsstücke in den vier Secondhand-Geschäften des Vereins über die Ladentische. Sie machten ein Drittel des Sortiments aus (daneben stehen u. a. Geschirr, Spielzeug, Bücher, Dekoartikel zum Verkauf).

Gute Stoffe sind beim Sammeln besonders gefragt. „Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch in unseren Läden, kämpfen seit Jahren aber mit abgegebener Billigmode. Vieles müssen wir ausmustern“, berichtet Wams-Geschäftsführerin Andrea Romen. Billigware habe oft „miserable Qualität“, sodass sie nach einer Saison nicht mehr getragen werden könne. Zudem sei sie zum Teil nicht recycelbar sowie durch Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen als problematisch anzusehen. Teile aus Baumwolle hingegen könnten öfters verwendet werden. So macht der Verein etwa Putzlappen daraus und bietet sie Unternehmen an.