Letztes Update am Do, 20.06.2019 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tourentipp

Am „Timmel“ geht’s noch immer mit Skiern

Aufgrund der Schneeverhältnisse schnallten wir uns zuletzt am Timmelsjoch ein letztes Mal für diese Saison die Tourenskier an. Unser Ziel: die 2993 Meter hohe Äußere Schwenzerspitze.

Juni 2019: In den Ötztaler Alpen - hier bei der Tour auf die Äußere Schwenzerspitze - liegt immer noch viel Schnee.

© flexJuni 2019: In den Ötztaler Alpen - hier bei der Tour auf die Äußere Schwenzerspitze - liegt immer noch viel Schnee.



Obergurgl/Hochgurgl – Das Timmelsjoch – der höchste Punkt auf 2509 Metern gelegen – verbindet das Ötztal mit dem Südtiroler Passeiertal. Als direkteste Verbindung zwischen dem Oberinntal und der alten Landeshauptstadt Meran war dieser Übergang lange Zeit ein bedeutender Verkehrsweg. Der Handel über den „Timmel“, wie die Einheimischen sagen, erlebte im Mittelalter und der frühen Neuzeit, vor allem von Ende des 13. bis Anfang des 15. Jahrhunderts seine Blüte.

Die Ötztaler Kraxentrager etwa verdienten sich mit dem Tausch von Flachs, Vieh oder Schmalz gegen Wein, Branntwein und Essig ihren Lebensunterhalt. Und selbst steinzeitliche Hirten nützten alten Überlieferungen zufolge das Timmelsjoch bereits als Übergang mit ihrem Weidevieh.

Der Straßenbau erfolgte viel später. Erst am 15. September 1968 wurde die Nord-Süd-Verbindung für den Durchzugsverkehr freigegeben und sie ist heute nicht mehr wegzudenken. Vor allem für unzählige Touristen, die mit diversen fahrbaren Untersätzen in den Sommermonaten das Timmelsjoch (Passo Rombo) regelrecht stürmen. Und natürlich darf der Ötztal Radmarathon nicht vergessen werden (heuer am 1. September), der ebenfalls über das Timmelsjoch führt und dort seine eigenen Geschichten schreibt.

Frau Holle war im Bereich der Ötztaler Alpen und somit auch am Timmelsjoch heuer besonders fleißig. So fleißig, dass die Straße erst mit Verspätung geöffnet werden konnte. Mittlerweile ist sie offen, doch meterhohe Schneewände prägen noch immer eindrucksvoll und ziemlich spektakulär das Landschaftsbild im oberen Bereich.

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Den Track für die Tour finden Sie direkt unter https://bit.ly/2Fl7sBr

Ein Foto oder Selfie lässt hier niemand aus. Viel Schnee? Das klingt auch für Skitourengeher oder besser gesagt für Freaks noch interessant. Zum Abschluss der Skitourensaison haben wir uns daher vom Timmelsjoch selbst ein Bild gemacht und noch einmal die Brettln angeschnallt. Das Ziel war die Äußere Schwenzerspitze (2993 Meter), mit Ausgangspunkt bei der 9. Kehre, wenn man vom Ötztal aus auf den „Timmel“ fährt.

Für viele klingt das sicherlich verrückt. Aber es gibt – man glaubt es kaum – immer noch genügend Skitourengeher, die Interesse an einer Tour am Timmelsjoch zeigen.

So kommt man hin: Von Sölden aus Richtung Hochgurgl

Obergurgl und den Schildern folgen. Die Mautstraße öffnet um 7 Uhr und pünktlich um 7 Uhr sind wir dort. Die Berg- und Talfahrt kostet 24 Euro. Wir fahren bis zur 9. Kehre hoch. Das einzige Auto sind wir bei Weitem nicht, obwohl das Wetter nicht ganz perfekt ist. Es ziehen einige Nebelschwaden über die Gipfel. Das stört uns nicht.

Die Tour ist anhand der Spuren im Schnee nicht schwer zu finden. Wir folgen dem Tal vorerst ziemlich flach hinein in Richtung Süden. Erst gegen Ende hin wird es etwas steiler. Eine wirkliche Herausforderung ist es aber nicht. In einem leichten Rechtsbogen und an einem markanten Felskopf vorbei (Spitzkehrentechnik nötig) bringt uns der weitere Anstieg hinauf auf die Scharte und zum Skidepot unterhalb der Schwenzerspitze.

Vom Ausgangspunkt sieht man die Äußere Schwenzerspitze übrigens nicht. Erst nach der Rechtskurve ist der Gipfelaufbau unseres Zieles, welcher dem Wurmkogel vorgelagert ist, sichtbar. Je höher wir kommen, umso nebeliger wird es – leider. Eine große Gruppe, der die Autos am Parkplatz gehören, ist bereits auf der Scharte. Allesamt aus Südtirol.

„Griass enk.“ Schnell kommen wir ins Gespräch. Wenn Südtiroler auf Skitour sind, darf eine zünftige Jause nicht fehlen. Selbstgemachtes Vintschgerl, Speck, Wein, Honigschnaps, alles wurde mit nach oben getragen und dankenswerterweise werden auch wir mitverköstigt.

Von der Scharte führt der Weg hinauf zur Äußeren Schwenzerspitze. Über den Ostgrat bzw. je nach Schneelage auch etwas nördlich davon. Momentan ist dieser Anstieg so gut wie schneefrei, aber auch der schwierigste Teil der Tour.

Zu Fuß folgt man hier sehr steil (Absturzgefahr) und auf ziemlich losem und brüchigem Gestein dem weglosen Pfad etwa 80 Höhenmeter nach oben bis zum höchsten Punkt. Dieser Anstieg erfordert Trittsicherheit und leichte Klettertechnik.

Gipfelkreuz gibt es keines. Bei guter Sicht genießt man von hier aus z. B. einen traumhaften Blick ins Passeiertal und auf zahlreiche Gipfel der Ötztaler Alpen und des Gurgler Kammes. Wer ganz trittsicher ist, kann sogar über den Grat auf den Wurmkogel aufsteigen (zusätzlich ca. 100 Höhenmeter – ausgesetzt). Das bringt heute nichts. Der Nebel wirkt als Spielverderber. Genug gesehen von der Nebelsuppe.

Demselben Weg folgen wir zurück ins Tal. Auf kompaktem Sommerschnee, der teilweise schön schmiert, erreichen wir wieder den Ausgangspunkt unserer Tour. Als Skitourengeher ist man bei den zahlreichen Touristen, die am „Timmel“ unterwegs sind, eine regelrechte Attraktion und ein beliebtes Fotomotiv.

Alternativ ist am Timmelsjoch die Tour auf das Bankerjoch möglich, welches man am besten bei der Abfahrt von der Schwenzerspitze (zusätzlich 250 Höhenmeter) gleich mitnimmt.

Das war also die letzte Skitour für diese Saison. In diesem Sinne wünschen wir nun einen schönen und unfallfreien Sommer mit vielen Wander-, Berg-, und Radtouren. (flex)

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