Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.07.2019


Freizeit

Nachhilfe in den Ferien: Der Großteil hat ein Mathe-Problem

Nicht jeder Schüler kann die Ferien ungetrübt genießen – für die Wiederholungsprüfung wird vielfach Nachhilfe in Anspruch genommen. Angebote, Preise und auch die Methoden sind unterschiedlich.

Bereits jeder fünfte Tiroler Schüler erhält Nachhilfe. Das sind gesamt rund 17.000 Schüler.

© iStockphotoBereits jeder fünfte Tiroler Schüler erhält Nachhilfe. Das sind gesamt rund 17.000 Schüler.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Für Tirols Schüler starten heute die lang erwarteten Sommerferien. Einige müssen jedoch auch in den nächsten Wochen am Schreibtisch sitzen und pauken. 4,6 Prozent der Schüler sind derzeit noch nicht zum Aufsteigen in die nächste Schulstufe berechtigt und können sich nur durch eine Wiederholungsprüfung vor dem Schulstart qualifizieren.

Viele Eltern setzen daher auf professionelle Unterstützung. Laut einer AK-Studie erhielt bereits jeder fünfte Tiroler Schüler im zu Ende gegangenen Schuljahr bezahlten Förderunterricht. Das sind um vier Prozent mehr Schüler als noch im Vorjahr. Dafür muss tief in die Tasche gegriffen werden: Laut AK werden pro Jahr 5,9 Millionen Euro ausgegeben.

Das Nachhilfe-Angebot ist jedoch weitreichend und unterschiedlich, sowohl vom Preis als auch von der Art. Die Sommerschule der AK am bfi erscheint günstiger als andere Nachhilfeschulen. 19 Termine zu je zwei Stunden kosten 275 Euro, für Kinder von AK-Mitgliedern sind es 195 Euro. Zudem kann man sich an acht Standorten in Tirol anmelden und damit weite Fahrten vermeiden. Einzelunterricht gibt es dabei jedoch nicht, die Kurse finden in Kleingruppen mit Schülern aus der gleichen Schulstufe statt.

Was Nachhilfe kostet

Sie wollen einen Einzelunterricht für Ihr Kind? Angeboten wird diese Art der Nachhilfe u. a. von Studenten (auf der ÖH-Homepage finden sich entsprechende Kontaktdaten sowie am Schwarzen Brett auf der Universität) sowie der Nachhilfe Köll und dem IFL in Innsbruck. Preis pro Stunde: ab ca. 15 bis 40 Euro.

Sie wollen ein spezielles Nachhilfe-Paket? Angeboten werden Aufbau- sowie noch zeitintensivere WH-Kurse. Zum Teil gibt es Unterricht in der großen Gruppe, zum Teil alleine bzw. in Kleingruppen. Preis: von 170 bis 849 Euro. Das bfi bietet mit seiner Sommerschule Unterricht in kleineren Gruppen an.

Ebenfalls in sieben Tiroler Orten gibt es die Schülerhilfe. Angeboten wird dort etwa ein vierwöchiger Kurs für die Wiederholungsprüfung mit 38 Nachhilfestunden (45 Minuten pro Einheit) – Preis: ab 390 Euro. „Wir bieten Einzelnachhilfe in einer kleinen Gruppe von zwei bis vier Schülern an. Es wird mit jedem Kind bzw. Jugendlichen individuell gelernt und auf Lücken und Schulstoff eingegangen. Mit einer Hausübung wird der erlernte Stoff gefestigt“, erklärt Theresia Glugovsky, Leiterin der Standorte Innsbruck, Hall, Schwaz, Wörgl und Telfs. Zudem gibt es noch Sommerkurse: Eine Woche (zehn Einheiten à 45 Minuten) startet bei 170 Euro. Bei allen Tarifen kommt eine Anmeldegebühr von 36 Euro hinzu.

Ein Tipp von Glugovsky: „Die Lernmethoden sollten gewechselt werden. Wer auf mehrere Arten lernt, lernt besser. Auch sollten bestimmte Lernzeiten konsequent eingehalten werden.“

Ein klassisches Einzelunternehmen ist die Nachhilfe Köll in Innsbruck. „Wir sind eine traditionelle lokale Schule und punkten mit zusätzlichem Wissen über Lehrer an der Schule“, so Gründer Christian Köll. Bevor entschieden wird, welches Paket das richtige ist, ist für Köll klar: „Zuerst werden die für die Prüfung erforderlichen Themen erhoben. Oft fehlen fürs Lernen auch nur Kleinigkeiten in den schriftlichen Unterlagen, z. B. durch Abwesenheit. Wenn genau das geprüft wird, ist es schlecht. Danach braucht es eine ehrliche Diagnose der Kinder. Externe Hilfe ist dann zu empfehlen, wenn das Kind den Lernstoff nicht versteht oder es zu schnell geht in der Schule und dadurch Lücken entstehen.“

Für die WH-Vorbereitung geht es bei der Nachhilfe Köll mit dem Sparpaket um 299 Euro los, inkludiert sind dabei fünf Einheiten (45 Minuten pro Einheit) Einzelunterricht und zwei Wochen Übungskurs (z. B. von 9 bis 12 Uhr). Köll empfiehlt jedoch das Basispaket (zehn Einheiten Einzelunterricht und zwei Wochen Übungskurs) für 469 Euro. „Es ist wichtig, dass den Kindern jemand beim Üben hilft. Wenn die Schüler nämlich etwas rechnen und es nicht gleich korrigiert wird, prägen sie sich die Fehler ein.“ Interessant: Aktuell kämen 70 Prozent der Nachhilfeschüler wegen Problemen in Mathematik.

Nachhilfe wird auch von Studenten angeboten – vereinzelt bieten diese eine volle Stunde à 60 Minuten bereits ab 15 Euro an. Der Großteil verlangt laut Recherchen im Internet allerdings um die 24 Euro. „Meine Einheiten gehen 90 Minuten, das ist die Zeit, in der Kinder effektiv lernen können. Länger macht es keinen Sinn“, erklärt ein erfahrener Nachhilfelehrer (Name der Redaktion bekannt), der seinen Unterricht privat anbietet. Eine Einheit kostet bei ihm 40 Euro, mit zehn Terminen sollte eine ausreichende Vorbereitung für eine Wiederholungsprüfung stattfinden.

Für ihn ist auch die persönliche Komponente wichtig: „Der Zugang zwischen Schüler und Lehrer muss stimmen. Das ist ganz wichtig.“

Bevor es mit der Vorbereitung auf die Wiederholungsprüfung losgeht, sollten sich die Kinder und Jugendlichen aber entspannen können. „Eine Pause ist wichtig, damit sie sich erholen können. Das Schuljahr war anstrengend. Dann sollten Lücken geschlossen werden, Hilfe ist dabei immer sehr förderlich“, sagt Adolfine Gschließer, Leiterin der Bildungsregion West für den AHS-Bereich.