Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Tourentipp

Ein Schloss zu Füßen: Traumhafte Tour auf den Säuling in Pflach

Der Säuling in Pflach ist ein Aussichtsberg der Sonderklasse. Zum einen, weil gleich dahinter die „Ebene“ beginnt, zum anderen, weil man auf ein einmaliges Schloss blickt.

Im rechten Teil des Massivs befindett sich der Säuling.

© PrivatIm rechten Teil des Massivs befindett sich der Säuling.



Von Irene Rapp

Pflach – Es gibt viele tolle Aussichtsberge. Und dann gibt es noch die Aussichtsberge, auf denen man unbedingt einmal gestanden haben muss. Der Säuling im Bezirk Reutte ist definitiv zur zweiten Kategorie zu zählen. Zwar ist die sich über Pflach aufziehende Erhebung nur 2047 Meter hoch. Weil sich gleich hinter dem Säuling, also in nördlicher Richtung, das Alpenvorland auftut, muss er aber auch nicht größer sein, um als Aussichtsberg zu punkten.

Ein Tipp für jene, die nicht aus dem Bezirk Reutte kommen: Wer den Säuling besteigen will, sollte das vielbefahrene Wochenende meiden (Stichwort: Fernpass). Im Idealfall sollte man zudem einen längeren Aufenthalt einplanen – doch dazu später.

 Zunächst geht es durch lichten Wald bergauf
Zunächst geht es durch lichten Wald bergauf
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So kommt man hin: Von Reutte aus Richtung Pflach fahren, vor dem Gasthof Alpenblick geht es rechts hi­nauf (Hinweisschild). Immer der kleinen Straße entlang, bis man zu einem kostenlosen Parkplatz gelangt.

Zunächst wandert man ein kurzes Stück auf einer asphaltierten Straße in nördlicher Richtung. Als erste Etappe ist das Säulinghaus zu bewältigen. Der Weg ist immer gut beschildert, verirren kann man sich nicht. Bald zweigt rechts ein Weg in den Wald hinein ab, durch einen schönen Mischwald geht es stetig bergauf. Bis zum auf 1720 Metern gelegenen Säulinghaus befindet man sich immer im schattenspendenden Wald, was vor allem an heißen Tagen von Vorteil ist. Der Steig kreuzt einige Male die Forststraße, im oberen Teil wird es dann ein wenig steiler. Rechts kann man mit Glück Kletterer in einer Felswand sehen, die ersten Hinzeichen darauf, dass man das Säulinghaus bald erreicht hat.

Dort angelangt, genießt man die Gastfreundschaft von Albert Kerber. Der Hüttenwirt aus Pflach bewirtschaftet das Schutzhaus der Naturfreunde Augsburg heuer den fünften Sommer und kann viele Geschichten erzählen: Die urige Hütte, die 1925 gebaut worden ist, hat keinen Stromanschluss (dafür eine Solaranlage), auch Wasser muss hochgepumpt werden (WC und Waschraum arbeiten mit Regenwasser). An manchen Tagen kommen Steinböcke der Hütte sehr nahe und die „12 Apostel“, eine Gratkletterei in unmittelbarer Nähe, sei ebenfalls empfehlenswert.

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Den Track für die Tour finden Sie hier.

Hinter dem Säulinghaus beginnt der Einstieg in den kettengesicherten Teil.
Hinter dem Säulinghaus beginnt der Einstieg in den kettengesicherten Teil.
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Ab dem Säulinghaus wird es ernst. Gleich dahinter geht es über schottriges, felsiges Gelände hinauf, an einigen Stellen wird man die Hände zu Hilfe nehmen – vor allem an den seil- und kettengesicherten. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich. Allerdings ist diese Passage, die nach oben hin leichter wird, mit Kondition schnell zu bewältigen, in rund 30 Minuten befindet man sich dann auf einem schönen, wiesenähnlichen Sattel – „da halten sich die Steinböcke gerne auf“, kann Kerber berichten.

Rechts ist bereits das Gipfelkreuz des Säuling zu erkennen, allerdings wird einem wohl anderes mehr ins Auge stechen. Da ist zunächst einmal das bereits erwähnte Alpenvorland: Nach dem Säuling gibt es nämlich in nördlicher Richtung keine Berge mehr. Die Grenze zwischen Österreich und Deutschland verläuft übrigens genau am Gipfel des Säuling, hier verläuft auch eine Wasserscheide.

Am Gipfel hat man eine tolle Aussicht.
Am Gipfel hat man eine tolle Aussicht.
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Was einen noch staunen lässt: Quasi am Fuß des Säuling auf deutscher Seite liegt, umgeben von vielen Seen, das riesige Schloss Neuschwanstein, das der bayerische König Ludwig II. erbauen ließ. Ein Besuch ist empfehlenswert, daher Aufenthalt verlängern! Vom deutschen Schwangau aus führt übrigens ebenfalls ein Weg auf den Säuling, dieser ist jedoch um einiges länger als der auf österreichischer Seite. Vom Sattel aus sind es dann nur noch wenige Minuten bis zum Gipfelkreuz und dann wird man wohl eine lange Gipfelrast einlegen.

Abgestiegen wird dann wieder auf demselben Weg, doch wie gesagt – aufpassen. Die Passage bis zum Säulinghaus bereitet derzeit aber auch dem Hüttenwirt Sorgen. Die Sicherungen in den Felsen wurden nämlich noch von den Mitgliedern der Naturfreunde Augsburg gemacht. „Jetzt sind die in die Jahre gekommen und sehen sich über die Wartung nicht mehr aus. Findet sich niemand, müssen alle Sicherungsketten herausgenommen werden wegen der Haftung, falls es zu einem Unfall kommen sollte“, erzählt Kerber. Wäre das der Fall, würde wohl einer der schönsten Aussichtsberge Tirols von österreichischer Seite aus nur noch erschwert zu besteigen sein.

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