Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Innsbruck-Land

„Orgelspiel“ in Hall fällt heuer aus

Tirols bestbesuchte Orgelkonzertreihe findet 2019 nicht statt. Der für die Wartung der Orgel zuständige Kirchenmusiker verweist auf übergroße Belastungen. Die Veranstalter hoffen dringend auf eine Fortsetzung.

Die Organisatoren bedauern das – momentane – Aus für die 30-minütigen Samstagskonzerte auf der Neuen Orgel in der Haller Pfarrkirche St. Nikolaus. Viele Menschen hätten sich gewundert und nachgefragt.

© Elisabeth GantiolerDie Organisatoren bedauern das – momentane – Aus für die 30-minütigen Samstagskonzerte auf der Neuen Orgel in der Haller Pfarrkirche St. Nikolaus. Viele Menschen hätten sich gewundert und nachgefragt.



Von Michael Domanig

Hall – Seit 2012 findet in Hall alljährlich – und mit beträchtlichem Publikumserfolg – die Konzertreihe „Orgelspiel“ statt. Dabei handelt es sich um 30-minütige Orgel-Kurzkonzerte, organisiert von der Galerie St. Barbara (bekannt für das Osterfestival Tirol, musik+, Orgelfest). Das Format wurde vom Organisten und Pianisten Michael Schöch initiiert, auch heuer waren Konzerte auf der Neuen Orgel in der Haller Pfarrkirche St. Nikolaus vorgesehen.

Doch jetzt ist es offiziell: Sowohl die – für Ende Juni bis Ende Juli geplanten – Sommertermine als auch jene im Advent fallen vollständig aus. Zum 20-jährigen Bestehen der Orgel hätten der Kirchenmusiker der Pfarre, Hannes Christian Hadwiger, und Pfarrer Jakob Patsch „entschieden, dass bis auf Weiteres diese Aktivitäten nicht mehr in Zusammenarbeit mit der Galerie St. Barbara stattfinden werden“, hieß es gestern in einer Aussendung der Galerie.

Viele Konzertbesucher hätten sich gewundert und nachgefragt, warum das Orgelspiel heuer „ohne Vorinformation ausfällt“, berichtet Hannah Crepaz, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Osterfestivals Tirol. Daher habe man deutlich machen wollen, dass die Absage „nicht von uns ausgeht“. Der Ausfall für ein Jahr sei „sehr schade“, denn die Konzertreihe sei „unglaublich gut besucht“, so Crepaz. „Sonst finden Orgelkonzerte nur in sehr überschaubarem Rahmen Beachtung.“

Auch Kirchenmusiker Hannes Christian Hadwiger bestreitet nicht, dass die Reihe „sehr gut“ funktioniere. Er selbst habe bis 2006 Konzerte in der Pfarre organisiert und sicher „gute Vorarbeit“ geleistet. Aber: Für ihn sei die laufende Wartung der Orgel für die auswärtigen Organisten sehr aufwändig. Schon 2018 sei er „weit über Kante“ gewesen, es habe einige Probleme mit Organisten gegeben.

Heuer seien besonders hohe Temperaturanstiege und -abfälle zu verzeichnen, „ich muss die Orgel laufend stimmen und an ihr arbeiten“. Dazu komme Organisationsaufwand wie das Auf- und Zusperren der Kirche (auch für Proben) und die ständige Abrufbereitschaft. Zusammen mit seiner Musikschul- und Konzerttätigkeit sei die Mehrfachbelastung zu groß geworden. „Ich brauche im heurigen Sommer eine Auszeit.“ Zugleich wolle er sich auf seine eigene Jubiläums-Konzertreihe konzentrieren, die er im Herbst organisiere, ergänzt der Kirchenmusiker – er ist seit 20 Jahren als Organist in der Pfarre angestellt.

Die Orgelspiele hätten heuer in die Haller Herz-Jesu-Basilika ausweichen können, so wie in den drei Jahren, als die Pfarrkirche St. Nikolaus renoviert wurde, fügt Hadwiger hinzu. Und: „Es ist kein definitives Aus für die von der Galerie St. Barbara organisierte Konzertreihe. Wie es 2020 weitergeht, müssen wir aber erst noch besprechen.“

Darauf zählt auch Organist Michael Schöch, Initiator des Orgelspiels: Die Absage sei „äußerst bedauerlich“, schließlich handle es sich um die bestbesuchten Orgelkonzerte in ganz Tirol. Das „leicht zugängliche“ Halbstundenformat am Samstagvormittag habe sich bestens bewährt. Auch Musik des 20. und 21. Jahrhunderts finde dort breiten Raum, das Programm sei alles andere als „verstaubt“.

Zugleich, ergänzt Crepaz, sei das Orgelspiel ein wichtiges Forum vor allem für aufstrebende junge Organistinnen und Organisten, wie etwa Elias Praxmarer und Elisabeth Hubmann. „Es gibt in Tirol nicht viele Möglichkeiten für junge Organisten, vor so großem Publikum aufzutreten und sich in der Konzertsituation ein Repertoire zu erarbeiten.“ Wichtig sei, dass es Kontinuität gebe: „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen, um die Musiker zu unterstützen und das Publikumsinteresse noch zu vergrößern.“ Man sei diesbezüglich weiterhin „in positiven Gesprächen“.

Er verstehe die Argumente von Hadwiger und der Pfarre, meint Schöch. Aber der Aufwand sei letztlich „im Rahmen“, die Vorteile für das Publikum, aber auch für die Pfarre, würden weit überwiegen: „Man bekommt auf diese Weise auch mehr Leute in die Kirche.“ Zudem gebe es perfekte Synergien mit dem samstäglichen Bauernmarkt in der Altstadt und dem Haller Adventmarkt. Schöchs Fazit: „Die Reihe muss unbedingt fortgesetzt werden, das wäre im Interesse aller Beteiligten.“