Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Osttirol

Sudetendeutsche Hütte: Von Nepal in die Osttiroler Bergwelt

Ang Kami Lama und seine Frau Pasang Ihamu Sherpa führen heuer das zweite Jahr die Sudetendeutsche Hütte in Matrei. Ihre nepalesischen Spezialitäten namens „Momos“ sind beliebt bei den Gästen.

Die Sudetendeutsche Hütte auf 2650 Metern Seehöhe ist seit 2018 die Heimat von Ang Kami Lama und Pasang Ihamu Sherpa.

© OblasserDie Sudetendeutsche Hütte auf 2650 Metern Seehöhe ist seit 2018 die Heimat von Ang Kami Lama und Pasang Ihamu Sherpa.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – In der Gemeinde Matrei in Osttirol, mitten im Nationalpark Hohe Tauern liegt die Sudetendeutsche Hütte. Wer das auf 2650 Metern Seehöhe gelegene Alpenvereinshaus betritt, wird von Hüttenwirt Ang Kami Lama (34) und seiner Ehefrau Pasang Ihamu Sherpa (31) willkommen geheißen. Die beiden stammen aus Nepal und bewirtschaften das Schutzhaus im Hochgebirge seit dem Sommer 2018.

Wie es das Paar ausgerechnet nach Osttirol verschlagen hat? Im Gespräch mit der TT erzählt „Kami“, wie er von allen genannt wird: „Früher habe ich als Sherpa gearbeitet und bei einer Anapurna-Umrundung auch Österreicher begleitet. Einer davon, ein Außerferner, hat mich zu sich nach Hause eingeladen.“ 2008 fand der Tirol-Besuch statt, und Kami fand Gefallen an den Alpen. „Einige Zeit habe ich auf einer Hütte im Tannheimer Tal gearbeitet. Mein Traum war, einmal selbst Hüttenwirt zu sein.“ Mit viel Fleiß und Hingabe lernte der 34-Jährige Deutsch: nach dem System „Learning by Doing“, wie Kami erzählt. Und als neue Pächter für die Sudetendeutsche Hütte gesucht wurden, bewarb sich das Ehepaar. Das nepalesische Dorf Deurali, in dem Kami aufgewachsen ist, liegt übrigens auf der gleichen Seehöhe wie die Alpenvereinshütte in Matrei.

Gekocht wird gemeinsam, erzählt der Hüttenwirt. „Eine nepalesische Spezialität sind ,Momos‘, das sind gefüllte Teigtaschen. Es gibt sie vegetarisch als ,Everest Momos‘ und mit Fleisch als ,Sherpa Momos‘. Das bestellen unsere Gäste gerne.“ Natürlich bieten Kami und Pasang auch Tiroler Knödel oder Brettljause an. Wegen des weiten Anstiegs zur Hütte bleiben die Besucher meist über Nacht. Der Sommer 2018 war in dieser Hinsicht sehr erfolgreich.

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- Ang Kami Lama

Besonders faszinierend an Osttirol und Matrei ist für die beiden die große Zahl an Dreitausendern, die man von der Hütte aus relativ leicht erreichen kann. „Und natürlich, dass der höchste Berg Österreichs, der Großglockner, ganz in der Nähe liegt“, schwärmt der Mann aus Nepal. Sobald es seine Zeit zulässt, will er den Glockner selbst einmal besteigen.

Ein so heißer Sommer wie letztes Jahr und heuer lockt viele Menschen ins Gebirge. Auf die Sudetendeutsche Hütte führen Wege in mehreren Varianten von Kals aus über die Dürrenfeldscharte (2823 m) oder von Matrei aus, z. B. mit der Goldried-Bahn.