Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Freizeit

Schach verbindet: Chess Festival lockt Spieler aus aller Welt nach Tirol

Seit vier Jahren ist Giorgio Gugler wie ein Läufer unterwegs, um den Schachsport in Tirol zu forcieren. Sein Chess Festival lockt auch heuer wieder Spieler aus aller Welt an.

Am Schachbrett hat Giorgio Gugler (fast) immer die passende Antwort auf die erwähnten Eröffnungsvarianten des Gegners.

© Foto TT/Rudy De MoorAm Schachbrett hat Giorgio Gugler (fast) immer die passende Antwort auf die erwähnten Eröffnungsvarianten des Gegners.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Sizilianisch? Oder doch lieber Russisch? Auch wenn es sprachlich eine Barriere geben könnte, am Schachbrett hat Giorgio Gugler (fast) immer die passende Antwort auf die erwähnten Eröffnungsvarianten des Gegners. Ein Mitgrund, warum er dem Spiel mit den 64 Feldern vor vier Jahren sein Leben verschrieben hat.

„Nationaliät, Sprache oder auch die körperlichen Voraussetzungen sind egal. Beim Schach kann jeder mit jedem spielen. Damit habe ich auch schon Leuten nach schweren Unfällen geholfen, leichter zurück ins Leben zu finden“, berichtet der Innsbrucker. Der Beweis dafür: Sein Heimatverein, die Schachsport Union Innsbruck, zählt über 50 Mitglieder aus zehn verschiedenen Nationen.

Da es in Tirol keinen internationalen Gradmesser gab, entschloss er sich, dies mit dem Chess Festival zu ändern. Ende August veranstaltet er zum bereits dritten Mal das Event in Innsbruck.

Die Leidenschaft für das Denkspiel entdeckte der Mann mit dem schwarzen Hemd, auf dessen Brusttasche das Schachbrett aufgestickt ist, früh: Seine ersten Versuche machte Gugler im Alter von drei Jahren beim Park-Schach im Hofgarten. „Das sind schöne Kindheitserinnerungen, als ich mit meinem Großvater von Wilten zum Hofgarten spaziert bin. In der Zwischenzeit hat meine Oma etwas Gutes gekocht.“

Dann folgte eine Rochade im Leben des 43-Jährigen. Das Schachbrett wurde verstaut, der Beruf sorgte für Abwechslung. „Ich habe vier verschiedene Handwerksberufe erlernt und später auch als Eventmanager gearbeitet“, lässt Gugler seinen Werdegang im Schnelldurchlauf Revue passieren. Mit 40 Jahren stellte er sich dann die Gretchenfrage, wohin seine Reise gehen soll. Das erste Schachspiel seit einer gefühlten Ewigkeit war die Initialzündung. „Aus Jux habe ich gegen einen Deutschen gespielt, der über 2000 Elo (Spielstärke eines Spielers, Anm.) hat. Das ist richtig viel. Das zweite Spiel habe ich gewonnen.“ Das Spiel, bei dem nach zwei Zügen über 70.000 Stellungen entstehen können, sollte fortan zu seiner Hauptbeschäftigung werden.

Sowohl eine Schiedsrichter- als auch Trainerausbildung folgten. In der Schachszene ist er bekannt wie ein bunter Hund, seine neue Wirkungsstätte ist der Sillpark. Durch das Kaufhaus in Innsbruck eilt er mit einer großen, grauen Einkaufstasche. Gugler ist jedoch nicht zum Kaufen da.

Er betritt bereits mit gefüllter Tragtasche das Gebäude. „Meine Utensilien habe ich immer dabei.“ Im zweiten Stock angekommen, warten einige Spieler auf ihn – beim Park-Schach, einer großen Version von Feld und Figuren. So auch der erst fünfjährige Johannes Thöni aus Absam. „Er hat das ideale Alter zum Anfangen“, sagt Gugler.

Während der Schach-Fanatiker seine Tasche ausräumt, ruft er dem jüngsten Mitglied seines Schach-Vereins zu, dass er die Figuren aufstellen soll. „Ich habe immer zehn Bretter und genügend Figuren dabei“, erklärt Gugler.

Neben einer Turnieruhr platziert er auch seinen Glücksbringer, ein Pferd, auf einem kleinen Podium. „Der Springer ist ein Symbol für Schach und zieht die Leute an. Beim Spiel ist er wie ein Gaul, der ausschlägt“, so Gugler. Schon folgt eine Blitzpartie – ein Spiel mit wenig Zeit für die Züge – gegen den kleinen Johannes.

Auch wenn er einmal keinen Gegner findet, hat Gugler den richtigen Zug vorbereitet. Mit einem Grinsen zeigt er seinen Schachcomputer. Seinen normalen Computer hat er auch stets dabei, da für das bevorstehende Turnier einiges zu tun ist. „Ich halte mich beim Spielen eher zurück und kümmere mich um die Planung.“ Im vergangenen Jahr gab es mit 273 Spielern aus 21 verschiedenen Ländern einen neuen Rekord. Auch heuer ist er auf einem guten Kurs, bereits jetzt hat Gugler über 255 Anmeldungen gesammelt.

Mit einem Schachbrett auf seinem Autodach hat sich Gugler bereits einen Traum erfüllt. Ein weiteres Ziel: „Ich möchte Schach-Weltmeister Magnus Carlsen nach Tirol holen. Dafür braucht es aber noch Sponsoren.“

Weitere Infos: www.chess-festival-innsbruck.at

Giorgio Gugler (o.) freut sich über die Schach-Lounge im Sillpark. Mit dem fünfjährigen Johannes Thöni trainiert er oft.
Giorgio Gugler (o.) freut sich über die Schach-Lounge im Sillpark. Mit dem fünfjährigen Johannes Thöni trainiert er oft.
- Foto TT/Rudy De Moor