Letztes Update am Mo, 05.08.2019 15:05

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Comics im Dialekt: Spiderman auf Tirolerisch, „des isch bärig“

Ein Super-Adler aus dem Karwendel, Helden mit den Namen Bürokrat und Captain Austria Jr. – was aussieht wie Parodie und patriotischer Schund, sind gute Comics mit politischen Botschaften. Für ihr neues Abenteuer fliegen die „Austrian Superheroes“ wieder nach Tirol.

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Patriot. Er heißt Captain Austria Jr., aber der junge Mann hadert mit seiner Identität als Superheld.

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Patriot. Er heißt Captain Austria Jr., aber der junge Mann hadert mit seiner Identität als Superheld.



Text: Matthias Christler

Der Bösewicht ist eine Frau mit wilden Haaren und einem rosa Blumenkleid, sie zerstört Tiroler Liftanlagen, lässt Lawinen abgehen und mischt mit ihrer Armee wilder Tiere ein Hansi-Hinterseer-Konzert in einem Skigebiet auf. Die Bevölkerung nennt sie nur „Geierwally“. Früher war sie Biologin, aber durch eine „missglückte epigenetisch bedingte Mutation“ wurde sie verunstaltet und mit Superkräften ausgestattet. In Heft Nummer 7 von „ASH- Austrian Superheroes“ ging sie auf Rachefeldzug. Aaaaargh, könnte man im besten Comic-Jargon zu dieser Geschichte sagen. So absurd das klingt, aber wie bei guten Superhelden-Comics werden sinnvolle Botschaften transportiert: Von Tourismus-Kritik über Umweltkatastrophen bis zu Schlager-Klischees. „Des isch bärig“, wie Hansi zu sagen pflegt.

In Ausgabe 20 fliegt Tirols Superheldin Roter Adler (rechts) mit ihren Kollegen nach Innsbruck. Das Heft gibt es ab Mitte August in einigen Tiroler Trafiken oder unter <a target="_blank" href="http://www.austriansuperheroes.com">www.austriansuperheroes.com</a>.
In Ausgabe 20 fliegt Tirols Superheldin Roter Adler (rechts) mit ihren Kollegen nach Innsbruck. Das Heft gibt es ab Mitte August in einigen Tiroler Trafiken oder unter www.austriansuperheroes.com.
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Seit mittlerweile drei Jahren gehen österreichische Superhelden regelmäßig auf Verbrecherjagd und nehmen sich klar die US-amerikanischen Marvel-Comics von Stan Lee („Spider-Man“) oder Graphic Novels wie von Alan Moore („Watchmen“) zum Vorbild. Der Wiener Harald Havas hatte die Idee dazu: „Es gab zwei Auslöser: erstens die Stimmung, die durch die ganzen Marvel-Filme entfacht wurde. Und zweitens entwickelte sich ab den 2000er-Jahren die Manga-Szene (Comics aus Japan, Anm.) bei uns und brachte viele zum Zeichnen“, erzählt der 54-Jährige, der in der Kindheit in den 70er-Jahren, als Comics noch eher in die Schund-Ecke gedrängt wurden, viele Hefte verschlungen hat. „In der Zeit waren Comics für Kinder ja die primäre Form, spannende, bunte Abenteuer zu erleben.“ Heute sind Comics eine Art des Geschichtenerzählens von vielen, aber eine, die immer ernster genommen und anerkannt wird.

Kein Schnitzel-Man-Comic

Havas erfand deshalb Figuren mit den Namen „Captain Austria Jr.“, „Lady Heumarkt“, das „Donauweibchen“ und der „Bürokrat“: „Österreich bietet eine Fülle an Möglichkeiten, aber man sollte nicht übertreiben. Wir wollen keine Parodie machen, indem der Schnitzel-Man gegen den Mozartkugel-Man kämpft. Es sind ernst gemeinte Action- Abenteuer, in denen die Helden mit persönlichen Problemen beschäftigt sind.“

Thomas Aigelsreiter ist einer der zahlreichen Illustratoren, die bereits an den Heften gearbeitet haben, er ist von Anfang an dabei gewesen. Er vergleicht z.B. die Hauptfigur Captain Austria Jr. mit Spider-Man, weil beide mit ihrer Superhelden-Aufgabe hadern. „Unsere Helden sind auf Identitätssuche“, beschreibt er die verschiedenen Charaktere. Der Held entdeckt dabei z.B., dass sein Vater, der vor ihm schon im Captain-Austria-Kostüm flog, in dunkle Machenschaften verstrickt war. „Das ist ein bisschen wie bei Kurt Waldheim, der als toller Politiker ein hohes Ansehen genoss, aber bei dem dann herauskam, dass doch nicht alles ganz sauber an ihm war“, erklärt Havas. So eine dramatische Wendung wäre im Comic wie ein Schlag ins Gesicht und mit einem schönem Kawooom begleitet.

Den Lesern jedenfalls gefällt es. Nach einer Crowdfunding-Kampagne zu Beginn, die nur vier Hefte umfasste, steht man inzwischen bei Ausgabe 20 mit einer Auflage von 5000 Stück. In Heft 7 reiste ein Teil der Superhelden-Truppe erstmals nach Tirol. Im Kampf gegen „Geierwally“ bekamen sie Unterstützung vom Roten Adler, einer jungen Frau, die fliegen kann und im Karwendel lebt. Im aktuellen Heft, das Mitte August erscheint, kehren die Superhelden nach Tirol zurück. „Sie treffen wieder auf einen alten Bekannten“, wie Aigelsreiter schon verraten kann.

Von Kritikern gelobt

Die Geschichte ist die eine Seite, die Illustrationen die andere – und die waren schon im Geierwally-Heft 7 mit viel Liebe zum Detail gemacht. Aus der Vogelperspektive sieht man Innsbruck und erkennt fast jedes Haus. Und auch in der neuen Ausgabe fühlt man sich sofort heimisch. Verantwortlich dafür ist dieses Mal Isabella Griessenberger. Von Kritikern werden die „Austrian Superheros“ gelobt, die einhellige Meinung: Man brauche sich nicht vor den US-Vorbildern zu verstecken. Darauf ein lautes Comic-Wohooooooo.


Kritik. „Geierwally“, die in Heft 7 ein Hinterseer-Konzert zerstört, kritisiert Tourismuswahn und Umweltzerstörung.

Kritik. „Geierwally“, die in Heft 7 ein Hinterseer-Konzert zerstört, kritisiert Tourismuswahn und Umweltzerstörung.
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