Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Zirkus

Zu Besuch beim Circus Frankello: “Der Zirkus braucht Besucher“

Einen festen Wohnsitz hat Familie Frank nicht. Auch heute noch reisen die Artisten vom Circus Frankello das ganze Jahr von einer zur nächsten Stadt. Nun sind sie in Innsbruck.

Kamelstute Katja genießt es sichtlich, sich von Zirkus-Direktor Edmund Frank füttern zu lassen.

© Foto TT/Rudy De MoorKamelstute Katja genießt es sichtlich, sich von Zirkus-Direktor Edmund Frank füttern zu lassen.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Der Duft von frischem Popcorn in der Luft fehlt, statt von Sägespänen wird der Asphalt von Gummimatten verdeckt. Das große rot-weiße Zelt auf dem Areal der Olympiaworld in Innsbruck ist verschlossen. Viel Leben scheint es hier noch nicht zu geben. Lediglich ein kleines Mädchen spielt mit ihrem Hund vor einem Wohnwagen. Als sie jedoch Besucher sieht, stürmt sie sofort zu einem anderen Anhänger weiter und ruft „Opa, Opa“.

Sogleich kommt ein älterer Mann heraus, gekleidet mit einer schwarzen Nadelstreifhose, einem Cowboyhut aus Leder und dunkler Brille, und bittet in sein mobiles Heim. „Unsere Familie betreibt bereits seit 250 Jahren Zirkus, ich leite ihn in der zehnten Generation. Zirkus ist Idealismus“, eröffnet Edmund Frank das Gespräch. Frankello, der in den nächsten drei Wochen das Innsbrucker Publikum begeistern will, gilt als einer der größten Familienzirkusse Europas. Von den 35 Personen sind 28 Familienmitglieder.

Dabei könnte die Besatzung noch größer sein. „Ich habe 14 Geschwister, sieben Kinder, 20 Enkel und 25 Urenkel“, zählt der 72-Jährige auf. Vor zehn Jahren wurde beschlossen, zwei weitere Zirkusse zu betreiben und sich aufzuteilen. „Die Familie wurde zu groß, um genug für alle zu verdienen“, so der Deutsche. Denn seine ganzen Nachkommen sind ebenfalls in der Manege beschäftigt.

Einen gemeinsamen öffentlichen Auftritt gibt es jedoch jährlich. „Wenn wir uns alle sehen, kann es sein, dass ich schon wieder mehr Enkel oder Urenkel habe“, meint der Direktor mit einem Zwinkern. Diese Gelegenheit wird auch genützt, um sich ein neues Programm zu überlegen.

Denn die Vorstellungen werden jährlich geändert, da der Zirkus treue Stammgäste hat. Aus diesem Grund werden Schausteller, die keine Familienmitglieder sind, immer wieder gewechselt. Der aktuelle Hochseilartist kommt etwa aus Kolumbien: Im Zelt stellt er auf zehn Metern Höhe sein Können unter Beweis, außerhalb soll er es sogar auf bis zu 40 Metern zum Besten geben. „Seine Eltern und Großeltern haben die Niagarafälle überquert. Man sollte ihn gesehen haben. Generell muss das Zirkus-Gen in der Familie liegen.“

So auch bei Franks jüngstem Sohn Gino. Bereits als Kind hat er seine Berufung als Clown gefunden. Auch abseits der Manege ist er mit Herzblut dabei und baut Zelte sowie Gehege für die Tiere selbst auf. „Er leitet den Aufbau und macht das sehr ordentlich. Insgesamt braucht man dafür drei Tage“, ist Frank stolz. Währenddessen breitet sich im Wohnwagen Essensgeruch aus. „Die anderen stellen das Zelt auf, ich koche dafür etwas“, ruft Franks Gattin Heidi zu. Heute gibt es eine Serbische Bohnensuppe.

Es braucht aber noch weit mehr an Vorbereitung, damit die Ränge gefüllt sind. „Es ist schwerer geworden. Nicht nur die Menschen haben sich verändert. Das ganze Leben ist teurer geworden. In Deutschland gibt es schon 500 Zirkusse, da liegen die Sägespäne noch am Boden, wenn der Nächste kommt“, weiß der erfahrene Zirkus-Leiter.

Auch bei ihnen gibt es keine Pausen. In ganz Tirol wurden im Vorfeld 450.000 Flyer von den Artisten verteilt, um auf sie aufmerksam zu machen. „Früher sind wir mit einem Elefanten durch die Stadt spaziert und die Kinder sind uns gleich hinterher“, erzählt der Berliner. Diese Zeiten sind vorbei, denn Wildtiere wie Elefanten, Tiger oder Affen sind im Zirkus verboten. „Unser Elefantenbulle war 3,30 Meter groß und hatte ein Gewicht von 5500 Kilo. Alleine seine Stoßzähne waren 2,10 Meter lang“, erinnert sich Frank ehrfürchtig. Neben dem Fernseher steht noch immer ein gerahmtes Bild des Dickhäuters, der damals – vor Jahrzehnten – der größte dressierte Europas war.

Nun begeistern Frank seine Miniponys. „Sie machen keinen Ärger“, erklärt er auf dem Weg zum Stall. Der Favorit des Betreibers ist ein schwarz-weißes Pony. „Es heißt Pumuckl. Den Namen hat meine Enkelin ausgesucht. Es ist sehr klein und schön. Ein ganz korrektes Tier. Da hatten wir Glück, so eines ist ganz selten.“ Aktuell hat die Familie 40 Tiere. Besonders die sechs Kamele aus der Mongolei erfreuen die jungen Besucher. Den Tierschützern ist dies ein Dorn im Auge. Doch Frank weiß zu kontern: „Die Tiere sichern unsere Existenz. Daher pflegen wir sie auch gut und strapazieren sie nicht, bis sie nicht mehr können. Meistens beschweren sich die Leute, die eh keine Ahnung von diesen Tieren haben.“

So hofft Frank, dass sich die Besucher nicht abhalten lassen, zu kommen: „Der Zirkus kann nur leben, wenn er Besucher hat.“

Circus Frankello

Wann und Wo: Der Zirkus gastiert vom 9. August bis zum 2. September am Parkplatz der Olympia World Innsbruck.

Vorführungen: Montag, Donnerstag und Freitag um 17 Uhr. Samstags: 15 und 19 Uhr Sonntags: 11 und 15 Uhr. Dienstag und Mittwoch: keine Vorstellungen. Weitere Infos: www.frankello.de


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