Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2019


Bezirk Reutte

Grenzüberschreitendes Projekt: Lechradweg wird auf 260 km gestreckt

In Kürze fällt der Startschuss für ein grenzüberschreitendes Radwegprojekt. Der Lechradweg wird auf deutscher Seite bis zur Mündung in die Donau verlängert. Ein neues touristisches Angebot entsteht.

Ob auf Feldwegen, durch Auwälder oder vorbei an Schotterbänken: Am Lechradweg sammeln Biker viele Eindrücke.

© Robert EderOb auf Feldwegen, durch Auwälder oder vorbei an Schotterbänken: Am Lechradweg sammeln Biker viele Eindrücke.



Von Simone Tschol

Lechtal – Der Weitwanderweg Lechweg hat sich seit seiner Markteinführung im Jahr 2012 zu einer einzigen Erfolgsgeschichte entwickelt. Der rund 125 Kilometer lange und verhältnismäßig leicht begehbare Weg hat unter Einheimischen und Gästen sehr schnell Fans gefunden. Rund 7000 Wanderer sind pro Saison am Lechweg unterwegs.

Zeitgleich mit der Fertigstellung des Weitwanderweges wurden Überlegungen gestartet, wie ein entsprechendes Radwegprodukt aussehen könnte. Günter Salchner, Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern, erklärt: „Den Radweg gibt es zwar, von Steeg bis Füssen, dieser ist aber für die Touristiker nicht buchungsrelevant. Dafür ist er mit seinen 60 Kilometern Länge viel zu kurz.“

Erste Überlegungen, den Radweg über Pfronten, das Tannheimer Tal, Wertach und die Wertach entlang nach Augsburg zu verlängern, wurden verworfen. Salchner: „Die Potenzialanalyse hat ergeben, dass dies nicht erfolgversprechend ist.“ Daraufhin sei die Idee entstanden, den Radweg den Lechfluss entlang über Augsburg bis Marxheim zu verlängern. Dort, etwa zwölf Kilometer donauabwärts von Donauwörth, mündet der Lech in die Donau. „Damit kann auch ein Bogen gespannt, der Lechradweg mit dem Donauradweg zusammengeschlossen werden. Das bietet ganz neue Chancen“, so Salchner über den erfolgversprechenden Plan.

Der Lechradweg wächst damit von derzeit rund 60 Kilometern zwischen Steeg und Füssen auf zirka 260 Kilometer von Steeg nach Marxheim. Salchner: „Damit entsteht auch ein neues touristisches Produkt, mit dem die Saison sowohl im Mai/Juni als auch im Oktober verlängert werden kann.“ Durch die Länge des Weges sei dieser dann auch als touristisches Produkt interessant und buchbar – mit oder ohne Gepäckservice, bei dem Taschen und Koffer von einem Übernachtungsbetrieb zum nächsten transportiert werden.

Inzwischen ist die Förderzusage für das Interreg-Projekt eingetroffen. Dem Start des rund 480.000 Euro teuren, grenzüberschreitenden Projekts „Lechradweg“ steht also nichts mehr im Weg.

Initiiert wurde das Radwegprojekt von der Regionalentwicklung Außerfern, Projektträger ist die Allgäu GmbH, als Partner sind auf Außerferner Seite die Tourismusverbände Lechtal Tourismus und Naturparkregion Reutte mit im Boot. Salchner: „Es war Knochenarbeit, sämtliche Landkreise und Tourismusverbände auf deutscher Seite für das Projekt zu gewinnen. Aber Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, hat hier ganze Arbeit geleistet. Auch Ralf Klocke, Projektleiter des Energieversorgers LEW-Wasserkraft, ist stark in das Projekt involviert.“

Dass der Lech ein ganz besonderer Fluss ist – wenn auch nicht wegen seiner Größe – sei Fakt, so Salchner. „Wenn man sich anschaut, wie viel Literatur es über den Lech gibt, und er ist ja kein großer Strom, dann ist das unglaublich. Weder über Inn, Drau noch Salzach gibt es so viele Publikationen.“

Für die Bevölkerung entlang des Lechs hat der Fluss immer schon eine ganz besondere Rolle gespielt. Erst Anfang Juli hat die Unesco-Kommission für die Aufnahme der historischen Augsburger Wasserversorgung in die Liste der besonders erwähnens- und schützenswerten Denkmäler gestimmt. Salchner: „Das wertet den Fluss natürlich noch einmal auf. Auf dieser Welle wollen wir mitreiten.“