Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.09.2019


Freizeit

Außerferner Vespa-Club lebt die kultige Entschleunigung

Die Mitglieder des Vereins „Die Roller“, alle Liebhaber der italienischen Kult-Zweiräder, sind regelmäßig mit ihren nostalgischen Fahrzeugen unterwegs.

Sie steht – ebenso wie Pizza – für pures italienisches Lebensgefühl: die Vespa. Auch im Außerfern findet der Kultroller immer mehr Fans.

© NikolussiSie steht – ebenso wie Pizza – für pures italienisches Lebensgefühl: die Vespa. Auch im Außerfern findet der Kultroller immer mehr Fans.



Von Hans Nikolussi

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Reutte – Ein Hauch von „dolce far niente“, von italienischem süßem Nichtstun, liegt in der Luft, wenn sich am Freitagabend die Mitglieder des Vespa-Cubs „Die Roller“ vor ihrem Clublokal in Reutte zur wöchentlichen Ausfahrt treffen. Die bunten Fahrzeuge strahlen mit ihren Besitzern in der Abendsonne um die Wette, die Leichtigkeit des mediterranen Raumes verbreitet sich – auch wenn das Wetter nicht immer ganz den südlichen Vorgaben entspricht.

Vor dem „süßen Nichtstun“ allerdings haben die „Schrauber“ des Clubs viele Stunden mit der Reparatur und Restauration ihrer Vehikel zugebracht. Die Vespa, italienisch für Wespe, ist ein Motorroller des italienischen Unternehmens Piaggio. Sie zählt zu den weltweit bekanntesten und beliebtesten Rollertypen. Die erste Vespa kam 1946 auf den Markt und trug den Spitznamen „Paperino“ (Entchen). Sie hatte 98 Kubikzentimeter Hubraum und war maximal 60 km/h schnell. Ihr Erfinder war Corradino D’Ascanio – ein Ingenieur, dessen Traum es war, Hubschrauber zu bauen. Vorerst allerdings wurde auf dem Piaggio-Werksflugplatz Pontedera bei Pisa die erste Vespa gebaut.

„Die ältesten Modelle in unserem Verein sind eine „Faro Basso“, zu Deutsch „Lampe unten“, aus dem Jahr 1953 und zwei weitere Modelle, die aus derselben Zeit stammen“, weiß Club­obmann Toni Pfanner zu berichten.

In der Werkstatt wird viel Zeit verbracht, um die nostalgischen Fahrzeuge zu restaurieren – mit dabei auch Obmann Toni Pfanner (r.).
In der Werkstatt wird viel Zeit verbracht, um die nostalgischen Fahrzeuge zu restaurieren – mit dabei auch Obmann Toni Pfanner (r.).
- Nikolussi

Die Anhänger der Motorroller aus dem Süden fanden sich, um gemeinsam ihre Liebe zum extravaganten fahrbaren Untersatz zu leben. Vierzig Namen stehen inzwischen auf der Mitgliederliste des Clubs, der in den Garagen beim „Haus der Vereine“ im Zentrum der Marktgemeinde residiert. Dort schrauben und werken die Mitglieder in einer entsprechend ausgestatteten Werkstätte und treffen sich regelmäßig beim Club­abend in der angeschlossenen „Club-Ecke“ zum Gedankenaustausch und zur gegenseitigen Hilfe. In der Werkstatt wird geschraubt, geschliffen, lackiert und getauscht, um die einzelnen Kleinode wieder mit viel Fingerspitzengefühl in den Originalzustand zu versetzen oder die notwendigen Servicearbeiten zu erledigen. An die fünfzig Roller – der neueste ist eine Replik der Ur-Vespa zum 70-Jahr-Jubiläum der Firma im Jahr 2016 – besitzen die Freunde des Kultrollers.

Immer wieder kann man den Pulk der nostalgischen Zweiräder bei einer Ausfahrt bewundern. Entschleunigung in der hektischen Zeit ist angesagt. Der Höhepunkt des Vereinslebens war heuer die Zweitagesfahrt nach Schenna in Südtirol, an der sich zwölf Mitglieder beteiligten. Eines davon sogar im hohen Alter von 79 Jahren. Hinunter ging es über das Timmelsjoch, wo das „Motorcycle Museum“ besichtigt wurde. Für die Strecke von rund 180 Kilometern war schon gutes Sitzfleisch vonnöten. „Am nächsten Tag ging es ohne größere Reparaturen durch das Vinschgau über den Reschenpass nach Landeck. Da das Wetter perfekt zum Rollern war, entschlossen wir uns, noch über St. Anton, Warth und durch das Lechtal nach Hause zu fahren. Perfekt, viel Spaß, alle wieder gesund zu Hause, alle Roller haben durchgehalten, schön war’s“, berichtet der Obmann über den Vereins­ausflug. Nach der Rückfahrt standen weitere 250 Kilometer am Tacho.

Der Verein in Reutte – gegründet 2004 – steht jedem Interessierten offen. In Tirol existieren mittlerweile zwei Clubs unter dem österreichischen Dachverband. Informationen gibt es durch die Mitglieder oder auf der Internetseite www.dieroller.com.


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