Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Freizeit

“Projekt Handschlag“: Mit acht Jahren reif für Hobel, Säge und Prüfstand

Das neue „Projekt Handschlag“ lässt Tiroler Volksschüler bei Handwerkern und in Berufsschulen erstmals Arbeitsluft schnuppern.

Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen der Volksschulen Mariahilf und Absam-Dorf besuchten die Tiroler Fachberufsschulen für Kfz-Technik in Innsbruck und für Holztechnik in Absam.

© Projekt Handschlag/SchneebergerSchülerinnen und Schüler der dritten Klassen der Volksschulen Mariahilf und Absam-Dorf besuchten die Tiroler Fachberufsschulen für Kfz-Technik in Innsbruck und für Holztechnik in Absam.



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Was ist ein Job? Was arbeiten Mama und Papa? Für viele Volksschüler sind Fragen wie diese noch Neuland. Das will Mario Kozuh-Schneeberger ändern. Der gebürtige Innsbrucker hat das „Projekt Handschlag“ ins Leben gerufen, bei dem Unternehmen ihre Türen für Drittklässler öffnen. Das Ziel seines Projekts sei es, das Handwerk fix in die Volksschulzeit zu integrieren – und die Kinder früh für das Herstellen und Reparieren von Dingen zu begeistern.

Nach dem Start in Oberösterreich, wo der selbstständige Tischler und Möbelentwickler lebt und arbeitet, läuft das „Projekt Handschlag“ im beginnenden Schuljahr auch in Tirol an. Zwei Pilotprojekte hat es im vergangenen Frühling bereits an den Tiroler Berufsschulen für Kfz-Technik in Innsbruck und für Holztechnik in Absam gegeben. Weitere Berufsschulen sollen nun folgen. Vom Land Tirol hat Kozuh-Schneeberger eine kleine Anfangsförderung für sein Projekt bekommen. Zusammen mit der Bildungsdirektion werden Betriebe gesucht, die mitmachen möchten. Mit einigen Chefs sei man bereits im Gespräch. „Wir wollen das Projekt Handschlag flächendeckend in Tirol installieren. Die Vision ist, dass alle Drittklässler einmal im Jahr in einen Betrieb kommen“, erklärt der Initiator.

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- Projekt Handschlag/Schneeberger

Knapp 7000 Kinder besuchen derzeit in Tirol eine dritte Volksschulklasse. Kozuh-Schneeberger hofft, dass 100 bis 120 Tiroler Betriebe aus allen Branchen für das Projekt gewonnen werden können. Kosten sollen für Schulen und Firmen keine entstehen.

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- Projekt Handschlag/Schneeberger

Das Ziel der Firmenbesuche sei nicht nur, dass die Betriebe ihre Facharbeiter der Zukunft kennen lernen und umgekehrt. Mario Kozuh-Schneebergers Anliegen ist ein größeres: „Wir schützen unsere Kinder heute vor der Gesellschaft. Sie sollten viel stärker integriert werden. Es geht darum, dass das Wissen über die gesellschaftliche Realität gestärkt wird.“ Zu jung zum Schnuppern seien die Taferlklassler bestimmt nicht, ist Kozuh-Schneeberger überzeugt. In der vierten Klasse Volksschule, also ein Jahr später, müssten die Schülerinnen und Schüler schließlich eine weitreichende Bildungsentscheidung treffen. Dabei könne ihnen ein Einblick in die Berufswelt helfen. Beantwortet werden damit Fragen wie: Wo kommen die Produkte her? Und was ist überhaupt ein Lehrberuf?

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- Projekt Handschlag/Schneeberger

In Oberösterreich ist das „Projekt Handschlag“ bereits 2017/18 gestartet. Aktuell arbeitet Kozuh-Schneeberger am Einstieg in ein drittes Bundesland, Details dazu will er aber noch nicht verraten. Auf die Idee gebracht hat den Unternehmer übrigens seine Tochter. Ihre Volksschulkasse hat er selbst begleitet.