Letztes Update am Fr, 13.09.2019 07:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Tourentipp

Seefelder Spitze, Reither Spitze und Härmelekopf: Eine Tour zu drei Kreuzen

Von leicht bis mittel und schwer. Die Rundtour von Seefeld über die Reither Spitze und wieder zurück bietet eine abwechslungsreiche Wandermöglichkeit.

Fast auf der gesamten Wanderung hat man tolle Ausblicke: Ob beim Blick zurück zum Übergang von der Seefelderspitze ...

© Fast auf der gesamten Wanderung hat man tolle Ausblicke: Ob beim Blick zurück zum Übergang von der Seefelderspitze ...



Seefeld – Fast punktgenau und passend zum meteorologischen Herbstbeginn (1. September), welcher nicht mit dem kalendarischen bzw. astronomischen Jahreszeitenwechsel (23. September) gleichzusetzen ist, hat Frau Holle zum ersten Mal ihre Betten ausgeschüttelt. Bis zu 50 Zentimeter sind in einigen höher gelegenen Gebieten gefallen – etwa im Bereich des Alpenhauptkammes und der Hohen Tauern.

Des einen Leid, des anderen Freud. Die Gletscher und ihre Skigebiete sind natürlich mehr als erfreut darüber. Viele Kühe, Schafe und Bauern hingegen waren es wohl eher nicht und so mancher Almabtrieb musste kurzerhand und um einige Tage vorverlegt werden. So rasant und plötzlich dieser erste Wintereinbruch auch kam, so schnell war der Spuk schon wieder vorbei. Und das ist auch gut so. Noch.

Die vielleicht schönste Jahreszeit zum Wandern und für Bergtouren beginnt nämlich jetzt. Die Luft ist klar, die Konturen scharf und die Farben sind kräftig und tief. Unser wöchentlicher Tourenausflug führt uns diese Woche in die Olympiaregion Seefeld.

... oder hinab von der Reither Spitze, wo man Nördlinger Hütte und Inntal sieht.
... oder hinab von der Reither Spitze, wo man Nördlinger Hütte und Inntal sieht.
-

Als Rundwanderung ging es dabei von der Talstation der Bergbahnen Rosshütte hinauf bis zur Rosshütte und zum Seefelder Joch. Von dort weiter zur Seefelder Spitze (2221 m) bzw. Reither Spitze (2374 m) und über den Härmelekopf zurück bis zur Rosshütte und wieder nach Seefeld.

Eine Runde mit 14 Kilometern und 1300 Höhenmetern im Aufstieg, welche mit Unterstützung der Bergbahnen um einiges erleichtert werden kann. Nur: Trittsicher und schwindelfrei muss man mit oder ohne Bahn sein. Zumindest ab der Seefelder Spitze.

So kommt man hin: Los geht’s beim Parkplatz Rosshütte. Entweder man folgt dem breiten und bequemeren Forstweg über die Hocheggalm hinauf zur Rosshütte oder man entscheidet sich für den markierten und beschilderten Aufstieg durch das Hermanns- tal und den Krummersteig, so wie wir. Schwierig ist keine dieser beiden Varianten.

Der Höhepunkt der Tour ist das Gipfelkreuz der Reither Spitze.
Der Höhepunkt der Tour ist das Gipfelkreuz der Reither Spitze.
-

Auf der Rosshütte angekommen erwartet uns nun das erste steilere Stück, welches uns nach 300 weiteren Höhenmetern hinauf zum Seefelder Joch (2060 m) und zum ersten Gipfelkreuz der heutigen Rundtour bringt.

Zu Beginn noch breit, bald schmaler, folgen wir in südlicher Richtung und dem Grat auf kupiertem Gelände hinüber zur Seefelder Spitze. Auch diese gut 30 bis 35 Minuten bis zum Gipfel des zweiten Gipfelkreuzes sind nicht schwierig, ganz leicht ausgesetzt ist dieser Abschnitt trotzdem. Im Falle einer Tour mit Kindern sollten Eltern ihre Sprösslinge doch im Auge behalten.

Bis hierher kann die Tour als einfach bis mittel eingestuft werden. Und selbst der Gipfel der Seefelder Spitze ist, wenn jemand nicht mehr weiter will, ein lohnendes Ausflugsziel. Wir jedoch setzen die Runde fort. Von der Seefelder Spitze aus ist nun der weitere Streckenverlauf und auch unser nächstes Ziel, die Reither Spitze, gut zu sehen.

Von der Seefelder Spitze steigen wir zunächst in einigen steilen Kehren leicht bergab. Über teilweise versicherte Drahtseilpassagen folgen wir dem Steig (immer wieder etwas ausgesetzt) ins Reither Kar und steigen von dort hinauf zum Joch.

„Achtung: Sie betreten alpines Weggebiet. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung sind erforderlich“, verrät uns eine Hinweistafel. Und das Hinweisschild soll Recht behalten: Zuerst müssen wir über eine fast senkrechte Aluleiter hinauf, bevor uns der Steig über felsdurchsetztes, abschüssiges und teilweise versichertes Gelände hinauf zum dritten Gipfelkreuz der Tour, zur Reither Spitze (2374 m), bringt. Dieser Abschnitt ist der schwierigste Teil der Runde, stellt aber für trittsichere Berggeher mit Sicherheit kein Problem dar.

Das war also Gipfelsieg Nummer drei und „quasi“ der Höhepunkt unserer Tour. Zwar ist und war schon der Ausblick von der Seefelder Spitze beeindruckend, jener von der Reither Spitze aus kann das Ganze aber noch toppen. Nicht nur, weil man noch höher ist, sondern weil sich nach Süden hin die „Dolomiten Nordtirols“, die Kalkkögel, präsentieren. Es geht zurück. Für uns entlang der Aufstiegsroute bis zum Joch. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, zur Nördlinger Hütte abzusteigen und von dort in Richtung Härmelekopf-Bahn zu marschieren.

Nach dem etwas heikleren Abstieg zum Joch bringt uns nun ein einfacher und leicht absteigender Wanderweg an der Südseite des Härmelekopfes hinüber zur Härmelekopfbahn. Wir gönnen uns die Fahrt mit dieser Gondelbahn. In wirklich schwindelerregender Höhe schweben wir bequem und hoch über dem Reither Kar und dem Hermannstal hinüber bis zur Rosshütte. Faszinierend.

Fast ist die Runde zu Ende. Doch bevor es entlang des Forstweges und zu Fuß wieder zurück ins Tal geht, kehren wir auf der Rosshütte ein. Die Stärkung haben wir uns mehr als verdient.

Fazit: 1300 Aufstiegshöhenmeter und rund 14 Kilometer (ohne Gondel) müssen bei dieser Tour bewältigt werden. Wem diese Strapazen allerdings zu viel sind, der kann mit Unterstützung der Bergbahnen die Runde deutlich verkürzen. Nichtsdestotrotz sind für den Übergang von der Seefelder Spitze zur Reither Spitze und für den Aufstieg auf die Reither Spitze Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig.

Egal ob mit oder ohne Bahn, wer diese Runde in Angriff nimmt, der darf sich auf eine schöne Herbstwanderung in der Olympiaregion Seefeld freuen. (flex)

-

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie hier.