Letztes Update am So, 22.09.2019 07:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Hall tauchte ins Jahr 1499 ein: Landsknechte zogen (wieder) in den Krieg

Am Sonntag erlebt das große Historienfest „max@hall.1499“ in der Haller Altstadt sein Finale. Einer der Höhepunkte war bereits am Samstag zu erleben: Die Werbung, Musterung und Rückkehr von Landsknechten, die 1499 für Maximilian I. in den „Schweizerkrieg“ zogen, wurde mit viel Aufwand und historisch authentisch nachgestellt.

Bei der Musterung demonstrierten die Landsknechte ihre Eignung für den Kriegsdienst. Die besten Fotos haben wir in einer Bildergalerie gesammelt.

© DomanigBei der Musterung demonstrierten die Landsknechte ihre Eignung für den Kriegsdienst. Die besten Fotos haben wir in einer Bildergalerie gesammelt.



Von Michael Domanig

Hall i. T. – Landsknechte und „Trossweiber“ in historischen Rüstungen und Gewändern, brüllende Hauptmänner und klirrende Schwerter prägten am Samstag das Bild in der Haller Altstadt. Das dreitägige Fest „max@hall.1499“, das am Sonntag ins Finale geht, erlebte am Samstag einen seiner Höhepunkte: Die Werbung, Musterung, Verabschiedung und Rückkehr von Landsknechten, die 1499 für Maximilian I. in den sogenannten Schweizerkrieg zogen, wurde mit großem Aufwand und historisch möglichst authentisch aus Haller Sicht nachgestellt.

Organisiert wurde die Aufführung vom Haller Stadthistoriker und -archäologen Alexander Zanesco, eindrucksvoll ausgeführt von Darstellerinnen und Darstellern mehrerer Mittelaltervereine, die mit aufwändiger Kostümierung und Bewaffnung beeindruckten.

Immer wieder musste Hall 1499 neue Kontingente für den blutigen „Schweizerkrieg“ stellen.
Immer wieder musste Hall 1499 neue Kontingente für den blutigen „Schweizerkrieg“ stellen.
- Domanig

Taktischer Krieg ohne Veränderung

Zanesco erklärt den historischen Hintergrund des Schweizerkrieges, in dem das Haus Habsburg sowie der Schwäbische Bund der Schweizer Eidgenossenschaft gegenüberstanden: „Der französische König Ludwig XII. versuchte damals, die Vorherrschaft über das Herzogtum Mailand zu erringen“. Um die Kräfte der Habsburger unter Maximilian I. (seit 1486 römisch-deutscher König) zu binden, habe Ludwig XII. versucht, bestehende Konflikte im habsburgisch-eidgenössischen Grenzgebiet nach Kräften zu fördern, während er den Sturm auf Mailand (letztlich erfolgreich) durchführte.

Die Folge war eben der Schweizerkrieg, der acht Monate dauerte, rund 20.000 Tote forderte und hunderte zerstörte Burgen und Dörfer hinterließ. „Es war ein taktischer Krieg, der letztlich kaum Veränderungen brachte“, sagt Zanesco – auch wenn Eidgenossen und Bündner zumeist als Schlachtsieger vom Feld gingen.

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„Auch viel Schaden verursacht“

„Hall hatte damals im Rahmen seiner Verpflichtungen als Teil der Landstände ein Kontingent an Kriegsknechten zu stellen“, erklärt Zanesco – immer mehr und immer häufiger, je schlimmer der Krieg eskalierte. Im Schnitt umfassten die Haller Kontingente 65 bis 70 Mann, bis zu 250 von ihnen standen gleichzeitig im Feld. Zanesco arbeitete dazu alle Eintragungen im Haller Stadtarchiv durch und recherchierte, wie Musterungen seinerzeit abliefen. Wieviele der Landsknechte wieder zurückkehrten, kann aber auch er nicht sagen: „10 bis 20 Prozent dürften gefallen sein“.

Der Schweizerkrieg zeige jedenfalls die für Maximilian typische „Diskrepanz zwischen (Herrschafts-)Anspruch bzw. Vorstellungswelt auf der einen und der Wirklichkeit auf der anderen Seite“, meint Zanesco. „Er hat dadurch auch viel Schaden verursacht“. Viele der Kriege seien für die Habsburger schlecht verlaufen – nicht zuletzt auch deshalb, „weil Maximilian stets zu wenig Geld hatte“. Auch die Münz- und Salzstadt Hall und Haller Patrizierfamilien mussten dem klammen Max immer wieder aushelfen.

Viel Potential für weitere Forschung

Der Krieg endete vor genau 520 Jahren, am 22. September 1499, mit dem Frieden von Basel – diesem gedenkt man in Hall am Sonntag mit einer Messe in der Pfarrkirche. Dazu gibt es Vorträge, Führungen und Musik aus der Zeit Maximilians. Außerdem kann man am Sonntag noch einmal in Lagerleben, Söldnertum und Markttreiben um 1500 eintauchen – samt Bogenschießen, Armbrustwettkämpfen und mittelalterlicher Musik.

„Wir wollten der Bevölkerung anlässlich des Maximilianjahres etwas bieten, das sie veranlasst, sich mehr mit der Geschichte auseinanderzusetzen“, umreißt Zanesco die Idee hinter dem großen Fest. „Schließlich sieht man gerade in Hall bis heute viele Spuren aus dieser Zeit“.

Generell ortet Zanesco noch viel Potential für weitere Forschung: „Archive wie jenes in Hall haben viel zu bieten“. Zanesco arbeitet derzeit selbst an einem Buch zur Zeit Maximilians, einer Kombination aus Lesebuch und historischem Stadtführer für Hall und Schwaz. Es soll noch heuer erscheinen.